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Die Autorin

Lisa Winter

Lisa Winter (20)
studiert Politikwissenschaften und Publizistik

Wahlkreis-Serie: Mainz
Trottwaa und Bagaasch

06.01.2017 |

"Meenz bleibt Meenz, wie’s singt und lacht", ist der Leitspruch der Mainzer Fassenacht. Doch was zeichnet den Wahlkreis Mainz darüber hinaus aus? Lisa hat sich mit der CDU-Abgeordneten Ursula Groden-Kranich in ihrer Heimat getroffen.

Lisa Winter mit der CDU-Abgeordneten Ursula Groden-Kranich

Lisa Winter mit der CDU-Abgeordneten Ursula Groden-Kranich in ihrem Wahlkreis Mainz – © Lisa Winter

Mainzer Dom und die Altstadt

Die Altstadt empfiehlt Ursula Groden-Kranich (CDU) per pedes anzuschauen, hier der Dom umringt vom Altstadtkern auf einer Zeichnung von Katharina Reul. – © Katharina Reul

Ein Wagen des Rosenmontagsumzugs, umrint von Menschen, im Hintergrund der Dom.

In Mainz werden viele Feste gefeiert, etwa die "Fassnacht". Der Rosenmontagsumzug führt auch am Mainzer Dom (im Hintergrund) vorbei. – © picture alliance/DUMONT Bildarchiv

Ein Gebäudeturm einer Stadt, ringsum begrünte Berge.

Mainz ist umgeben von Weinbergen. Eine weitere Sehenswürdigkeit: der Holzturm, ein mittelalterlicher Stadtturm. – © picture alliance/DUMONT Bildarchiv

Blau leuchtende Motiv-Fenster in einer Kirche.

Die Abgeordnete Ursula Groden-Kranich empfiehlt Touristen, die katholische Pfarrkirche Sankt Stephan mit ihren in Deutschland einzigartigen Chagall-Fenstern zu besuchen. – © dpa

Mainzer Hauptbahnhof

Einer der unansehnlicheren Orte der Stadt – der Hauptbahnhof, findet Lisa. – © Lisa Winter

Es ist mein erster Besuch im Mainzer Rathaus. Hier hat Ursula Groden-Kranich als Mitglied des Mainzer Stadtrats ihr Büro. Zaghaft klopfe ich an die große schwere Holztür und bin kurz perplex, als mich eine kleine, in pfiffigem rosa gekleidete Dame hereinbittet.

Meenzer Mädsche

Seit 2013 sitzt Ursula Groden-Kranich (51) für Mainz auch im Bundestag. Die gebürtige Mainzerin kennt nicht nur die Stadt, sondern auch ihre Wähler sehr gut. "Die Nähe und Offenheit der Menschen schätze ich ganz besonders", sagt die CDU-Abgeordnete. "Wir in Mainz haben eine gemeinsame Identität. Ich genieße es sehr, dass man sich untereinander so gut kennt". Denn die Abgeordneten sind in der Regel nur in Sitzungswochen in Berlin. Den Rest der Zeit verbringen sie in ihren Wahlkreisen.

Mainz ist nicht nur die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz, sondern mit etwa 200.000 Einwohnern auch dessen größte Stadt. Zentral im Rhein-Main-Gebiet, gegenüber der Mündung des Mains am Rhein gelegen, ist die Stadt von wichtigen Großstädten wie Frankfurt am Main, Darmstadt, Ludwigshafen und Mannheim umgeben. Insgesamt gibt es in Mainz 15 Ortsbezirke. Ursula Groden-Kranich kommt aus Hechtsheim. Hier verbringt sie am liebsten ihre Zeit, fernab vom Politiktrubel und nah bei der Familie.

Religiöser Einfluss

Mainz hat viele interessante Ecken, denn die Stadt blickt auf eine circa 2.000 Jahre alte Geschichte zurück. Zeugnisse dieser Epochen sind bis heute in der Architektur, Kultur und den Traditionen der Stadt zu finden. Zur Zeit des Mittelalters, den Glanzzeiten der Stadt, erlangte Mainz eine herausragende Bedeutung auf kultureller, religiöser und politischer Ebene und entwickelte sich zu einer der größten Kirchprovinzen Deutschlands.

Bei der Bundestagswahl 2013 erlangte die CDU 36 Prozent der Zweitstimmen, gefolgt von der SPD mit 26,3 Prozent und den Grünen mit 15, 5 Prozent. Bei der Landtagswahl 2016 setzte sich allerdings die SPD mit 39,6 Prozent der Stimmen durch. Die CDU kam auf 27,6 Prozent.

Von Bürger zu Bürger

Ursula Groden-Kranich ist gelernte Bankkauffrau und wurde bei der letzten Bundestagswahl per Direktmandat für den Wahlkreis Mainz als Abgeordnete der CDU-Fraktion in den Deutschen Bundestag gewählt. Direktmandat bedeutet: Die Mehrheit der Wähler hat bei der Erststimme das Kreuzchen bei Ursula Groden-Kranich direkt gesetzt, was die 51-Jährige für sich als persönliche Auszeichnung verbucht.

Im Bundestag ist sie Mitglied im EU-Ausschuss sowie im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Ihre Themen sind zum Beispiel die Entgeltgleichheit oder Gleichbehandlung bei der Familienpolitik. Sie setzt sich außerdem auf europäischer Ebene gegen Fluglärm ein.

Für circa 22 Sitzungswochen des Bundestages pro Jahr in Berlin zu wohnen, bedeutete für Ursula Groden-Kranich eine komplette Lebensumstellung. Dennoch erfülle es sie bis heute mit Stolz und sie mache ihre Arbeit sehr gern, erzählt sie.

Fassnacht feiern

In der Heimat ist sie natürlich viel im Wahlkreis unterwegs, fährt von Termin zu Termin, sucht immer den direkten Kontakt zu den Bürgern und nimmt an Festen und Veranstaltungen in der ganzen Stadt teil.

Und davon gibt es wahrlich genug: Ob Weinfeste, das Johannisfest oder die sogenannte "Fassnacht" – die Mainzer finden das ganze Jahr über einen Grund zu feiern. Mainz liegt in der größten Weinbauregion Deutschlands, weshalb man hier zu jeder Jahreszeit entlang des Rheinufers und in der Innenstadt gemütliche Weinstände finden kann. Und während der Fassnachtszeit herrscht in der Stadt Ausnahmezustand.

Neben Köln ist Mainz bekannt für seinen großen Rosenmontagsumzug mit den beeindruckenden Motivwagen. Ob Lokale, Bars oder Clubs – alle Freizeitangebote stehen ganz im Zeichen der fünften Jahreszeit (Karnevalszeit). Schon Tage vor Rosenmontag trifft man verkleidete und feiernde Menschen auf der Straße. Dieser Zustand hält an bis Aschermittwoch, wenn alle Narren müde ins Bett fallen.

"Wir haben wenig Mut"

Die Fastnachtszeit ist das Paradebeispiel für das Lebensgefühl der Mainzer. Das findet auch Urusula Groden-Kranich. Und obwohl sie so begeistert von ihrer Heimatstadt ist und das Lebensgefühl in Mainz sehr schätzt, weiß sie einen Punkt, an dem die Mainzer noch arbeiten können: "Wir haben wenig Mut zur Veränderung. Die Mainzer Mentalität hält gern an alt bekannten Mustern fest", kritisiert sie und wünscht sich, dass die Mainzer öfter den Sprung ins kalte Wasser wagen. Das gilt ihrer Meinung nach auch für die Politik, vor allem auf kommunaler Ebene. "Wir sollten innovativer werden. Besonders im Bereich Wohnen, Unterkunft und bei öffentlichen Einrichtungen wie dem Bürgerhaus oder dem Gutenberg Museum", sagt sie.

Mainz ist jung

Dass Johannes Gutenberg um 1450 in Mainz den Buchdruck erfunden hat, erfüllt die Stadt bis heute mit Stolz. An der Universität studieren rund 40.000 Studenten, die das Stadtbild mitprägen. Die Arbeitslosenquote liegt nach Angaben des Amtes für Stadtentwicklung bei 6,8 Prozent (bundesweit bei 6,1 Prozent). Mainz als Medienstandort spielt auf dem Arbeitsmarkt eine zentrale Rolle, hier sind große Fernsehanstalten wie das ZDF sowie Rundfunkhäuser und Verlage angesiedelt.

Parlez–vous francais?

Auch das Mainzer Stadtbild ist relativ jung – unfreiwillig. Am Endes des Zweiten Weltkrieges war die Stadt zu 80 Prozent zerbombt, weshalb die Mainzer Altstadt nur noch einen sehr kleinen Teil ausmacht. Die Neustadt mit ihren 50er-Jahre-Bauten ist heute das beliebteste Viertel unter Studenten und das Zentrum angesagter Bars und Cafés. Wie auch schon nach dem Ersten Weltkrieg wurde Mainz nach 1945 von den Franzosen besetzt. Noch heute begegnet man kulturellem Erbe dieser Zeit. So sagt man im Mainzer Dialekt "Trottwaa" anstelle von Bürgersteig (französisch Trottoir) oder "Bagaasch" zur Familie (französisch Bagage).

Spaziergang durch Mainz

Da sie Mainz kennt wie ihre linke Westentasche, hat Ursula Groden-Kranich sofort ein paar Tipps für Besucher parat: "Wer als Tourist nach Mainz kommt, dem empfehle ich, die Sehenswürdigkeiten bei einem Spaziergang durch die Stadt zu erkunden. Dabei schlendert man über den Markt, am Dom vorbei und am Rhein entlang. Im Garten der Maria-Ward-Schule legt man eine kleine Verschnaufpause ein und macht sich dann auf den Weg zu den Chagall-Fenstern und zum römischen Theater. Wenn man viel Zeit hat, lohnt es sich auch, die umliegenden Weinberge zu besuchen".

Bundestagswahl 2017

Die Kombination aus Partei- und Öffentlichkeitsarbeit stellt für die Bundestagsabgeordnete oft eine besondere Herausforderung dar. "Meine Wähler schätzen es sehr, dass ich den direkten Kontakt zu ihnen suche. Es ist mir wichtig, ein Teil der Gesellschaft hier zu sein", betont Ursula Groden-Kranich. Ihr Ziel für die Bundestagswahl 2017 ist ganz klar: Das Direktmandat verteidigen. "Die Arbeit ist mein ganzes Herzblut", sagt die 51-Jährige.

Sie sieht nach wie vor das Thema Flucht als ein zentrales Thema der Wahl, auch für Mainz. "Wir müssen lernen, Grenzen zu ziehen. Fördern und Fordern sind der Schlüssel zu einer gelungenen Integration", sagt Ursula Groden-Kranich. Generell müsse man bei vielen politischen Themen globaler Denken, auf kommunaler sowie auch auf Bundesebene.

Die Vorstellung des Wahlkreises Mainz ist Teil einer Serie. Bis zur Bundestagswahl 2017 stellt mitmischen.de acht Wahlkreise aus ganz Deutschland vor, die Autoren besuchen den jeweiligen Abgeordneten. Dabei werden alle Fraktionen des Bundestages berücksichtigt.

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