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Doppelter Herzschlag

Fußball, zweigeteilte Heimatliebe und Vokuhila – Stichworte, die den Berlin-Tag von 328 Stipendiaten aus den USA maßgeblich mitbestimmten. Im Rahmen des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) trafen sich die Schüler und jungen Berufstätigen aus Übersee, bevor sie nach einem Jahr Deutschland wieder verlassen. mitmischen-Autor Enis war dabei.


We say goodbye

Bei der Abschlussveranstaltung herrschte ausgelassene Partystimmung. Auch das ein oder andere Tanzbein wurde geschwungen.

Bei der Abschlussveranstaltung herrschte ausgelassene Partystimmung. Auch das ein oder andere Tanzbein wurde geschwungen. – © DBT/Schüring



Die Fußballeuropameisterschaft ist in diesen Tagen in aller Munde – auch im Bundestag: "Mir gefällt natürlich besonders gut, dass an der Europameisterschaft keine amerikanische Mannschaft beteiligt ist", sagte Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert (CDU/CSU) am 15. Juni 2012 vor 328 jungen Amerikanern. Doch er kriegte noch die Kurve, denn er sagte es "nicht deswegen, weil wir die Amerikaner nicht gerne dabei hätten, sondern weil wir somit fast sicher sein können, dass alle amerikanischen Fußballfans die Daumen für die deutsche Nationalmannschaft drücken".

"Eingedeutschte" Stipendiaten

Der sogenannte Berlin-Tag war ein Höhepunkt im Parlamentarischen Patenschafts-Programm (PPP). 275 Schüler und 75 junge Berufstätige aus den USA verbrachten ein Jahr in der Bundesrepublik. Zum Abschluss ihres Austauschjahres konnten sie im Bundestag von ihren Erlebnissen und Erfahrungen berichten. Neben Lammert begrüßten auch Wolfgang Börnsen (CDU/CSU), Berichterstatter für Internationale Austauschprogramme sowie der US-Botschafter Philip D. Murphy die PPPler.

Nach der offiziellen Begrüßung kamen die Stipendiaten selbst zu Wort: Einige waren sichtlich vom Fußballfieber angesteckt wie Geoffrey Kennedy, dessen Oma aus Berlin kommt. Er sagte: "Ich danke Ihnen allen, mir die Gelegenheit gegeben zu haben, verrückt nach Fußball zu werden." Sich selbst bezeichnete er als "eingedeutscht" und freute sich darüber: "Donnerwetter, ist das nicht schön!"

Schnell wurde klar, dass in vielen amerikanischen Körpern von nun an zwei Herzen schlagen werden. Die Stipendiatin Lydia aus Iowa brachte das auf den Punkt: "Danke, dass Sie uns eine zweite Heimat gegeben haben."

PPP braucht Fingerspitzengefühl

Nachdem sich auch US-Botschafter Philipp D. Murphy, seit August 2009 im Amt, zu Deutschland und zu seiner Fußballliebe bekannt hatte, rief er zu dem auf, was seine Zuhörer bereits gemacht hatten – ins Ausland zu gehen: "Doch nicht nur, um Urlaub zu machen, sondern um dort zu arbeiten und praktische Erfahrungen zu sammeln." Für Murphy spielt das PPP eine "aktive Rolle in der deutsch-amerikanischen Beziehung". Und diese wurde am Ende gebührend mit Maiherzen in den Farben der USA und der Bundesrepublik als Geschenk für Lammert und Murphy zelebriert.

Der US-Botschafter verkündete zudem, dass seine Lieblingswörter "doch" und "Fingerspitzengefühl" seien – letzteres brauche man vor allem für das PPP. Die Stipendiaten selbst verrieten noch viel skurrilere Lieblingswörter: James aus Washington, der ein Jahr lang in Hamburg zur Schule ging, mag das Wort "Vokuhila" für den Haarschnitt "vorne kurz, hinten lang" am liebsten. Carolina hat ein Jahr lang in Parchim in Mecklenburg-Vorpommern gelebt. Da sie die deutsche Disziplin und Ordnung erstrebenswert findet, lautet ihr Lieblingswort "genau".

Blick zurück und nach vorn

Im Jahr 1983 vereinbarten der Deutsche Bundestag und der amerikanische Kongress das als Stipendium angelegte Austauschprogramm PPP. Das Parlamentarische Patenschafts-Programm heißt in Amerika "Congress Bundestag Youth Exchange Program" (CBYX). Seit 1984 reisen Stipendiaten aus den USA nach Deutschland und umgekehrt. Bisher haben über 20.000 Schüler und Auszubildende beider Ländern teilgenommen.

Während des Jahres leben die Jugendlichen in deutschen beziehungsweise amerikanischen Gastfamilien, besuchen öffentliche Schulen oder absolvieren Praktika. Im jeweiligen Land betreuen neben den Gastfamilien Paten die jungen Gäste: In Deutschland sind dies Mitglieder des Deutschen Bundestages, in den Vereinigten Staaten Mitglieder des US-Kongresses. Die Schirmherrschaft für diese völkerverbindende Initiative hat hierzulande Bundestagspräsident Nobert Lammert.

Auch für das Austauschjahr 2013/14 werden aktuell wieder Schüler zwischen 15 und 17 Jahren und junge Berufstätige bis 24 Jahre gesucht. Noch bis zum 14. September 2012 könnt ihr euch dafür bewerben.

Mehr als McDonald's und Currywurst

Nachdem die PPPler aus Amerika eine Plenarsitzung besucht, diskutiert und einen Rundgang durchs Reichstagsgebäude gemacht hatten, ging es zur amerikanischen Botschaft am Pariser Platz. Auch dort berichteten Stipendiaten von ihren Erfahrungen in Deutschland. Dabei stellte sich vor allem eines heraus: Das PPP ist mehr als nur ein politisches Austauschprogramm, vor allem kulturell lernen die jungen "Botschafter" voneinander. Lena aus Colorado bestätigte zum Beispiel dass dabei Vorurteile abgebaut werden: "Wir haben gelernt, dass nicht alle Deutschen Currywurst essen und ihr habt gelernt, dass nicht alle Amis zu McDonald's gehen."


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