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"Bestätigung ist wichtig"

Jedes Jahr zeichnet die Körber-Stiftung herausragende Doktorarbeiten mit dem Deutschen Studienpreis aus. In der Jury sitzt Ulla Burchardt (SPD), die Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. mitmischen-Autorin Anna hat sie erzählt, wer sich für den Preis von 30.000 Euro qualifiziert und was ihrer Meinung nach dringend mal erforscht werden müsste.

Autorin Anna Frey mit der Ausschussvorsitzenden Ulla Burchardt

Ulla Burchardt (SPD, rechts) im Gespräch mit Autorin Anna (links) – © Timo Schmidt


"Alle Politik soll sich zum Teufel scheren, wenn sie nicht in der Lage ist, den Menschen das Leben leichter zu machen." Dieses Zitat von Willy Brandt ist Ihr Leitmotiv als Bundestagsabgeordnete. Wie machen Sie jungen Wissenschaftlern das Leben leichter?

Grundsätzlich geht erst mal darum, jungen Menschen überhaupt den Zugang zur Wissenschaft zu ermöglichen. Das heißt zu einer Schulausbildung mit Hochschulzugang und dann gegebenenfalls zu einer Forscher-Karriere. Ich setze mich zum Beispiel für ein Schüler-BAföG ein, damit die Jugendlichen nicht vom Einkommen der Eltern abhängig sind. An der Hochschule selbst haben wir dann das Problem, dass es zu wenige Stellen und somit Perspektiven für junge Wissenschaftler gibt. Da ist noch einiges zu tun.

Sie sind Mitglied im Kuratorium des Deutschen Studienpreises. Mit diesem zeichnet die Körber-Stiftung jedes Jahr herausragende deutsche Nachwuchswissenschaftler aus. Warum verleiht die Stiftung diesen Preis?

Wir wollen Forschungsarbeiten auszeichnen, die einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Egal ob aus den Sozial- oder Naturwissenschaften – wichtig ist, dass die Kandidaten ihre Arbeit auch gut präsentieren können und damit etwas rüberbringen.

Beim "Salon Junge Wissenschaft" diskutieren Bundestagsabgeordnete mit Preisträgern des Deutschen Studienpreises über die gesellschaftliche Bedeutung ihrer Forschungsarbeiten. Wie kann die Politik diese Forschungsergebnisse nutzen?

Das sind ja sehr wechselnde Themen – etwa "Ist der westliche Staat ein sperriges Exportgut?" oder "Sind Kinder zu teuer für ihre Mütter?" – deshalb sind natürlich unterschiedliche Arbeitsbereiche betroffen. Wie die Abgeordneten das jeweils aufgreifen, ist offen. Aber überhaupt die Impulse und der Zuwachs an Wissen, der da entsteht, ist sehr wichtig. Wir bringen aber auch die jungen Wissenschaftler mit Abgeordneten zusammen. Sie haben die Chance, ihre Arbeit auch außerhalb der Wissenschaft vorzustellen. Dadurch erfahren sie eine große Wertschätzung und Bestätigung und das ist sehr wichtig.

Viele junge talentierte Wissenschaftler gehen ins Ausland, wo sie bessere Arbeitsbedingungen erwarten. Wie steht Deutschland in Sachen Forschung im Vergleich zu anderen Ländern da? Und gibt es ein Land, bei dem wir uns eine Scheibe abschneiden könnten?

Ich glaube, es gibt immer Länder, in denen das ein oder andere besser ist, aber das Vorbildland schlechthin gibt es nicht – auch nicht im Bezug auf die USA. Allerdings schätzen junge Wissenschaftler, dass dort die Hierarchien flacher sind und sie viel früher viel selbstständig arbeiten können. Inzwischen ist die Situation aber oft so, dass viele zurück nach Deutschland kommen. Zum einen aus kulturellen Gründen, zum anderen ist der Wissenschaftsbetrieb in Deutschland jetzt viel besser aufgestellt. Die Politik hat da eine ganze Menge getan. Aber ich sehe auch die Wirtschaft in der Pflicht. Gerade aus den Unternehmen kommt nämlich für Bewerber mit Auslandserfahrung oft die Rückmeldung, sie seien überqualifiziert. Da frag ich mich natürlich: Wo ist der viel genannte Fachkräftemangel?

Immer mehr Hochschulabsolventen schreiben eine Doktorarbeit, allein 2010 haben in Deutschland mehr als 25.000 ihre Promotion bestanden. Haben hierzulande alle jungen Menschen die gleichen Chancen auf einen Doktortitel?

Abgesehen von den bereits angesprochenen Zugangsschwellen gibt es zum Beispiel das Phänomen, dass Frauen die Mehrheit der Studierenden stellen, aber bei den Doktoranden sind es nur noch 44 Prozent. Wenn sie sich dann die Professuren anschauen: Da ist noch nicht mal jede fünfte Stelle mit einer Frau besetzt. Deswegen brauchen wir eine verbindliche, aber flexible Quote. Wir haben gerade eine Initiative gestartet, mit der wir Verbindlichkeiten schaffen wollen – zum Beispiel, indem den Unternehmen Fördergelder gekürzt werden, wenn das nötig ist.

In letzter Zeit machten gleich mehrere Politiker Schlagzeilen, weil sie bei ihrer Doktorarbeit abgeschrieben haben. Wie lässt sich wissenschaftliches Fehlverhalten, zum Beispiel auch die Manipulation von Daten, in Zukunft vermeiden?

Durch die bekannten Persönlichkeiten ist ja nur publik geworden, wie weitreichend das Problem von wissenschaftlichem Fehlverhalten ist. Viele Fachleute weisen schon seit Jahren darauf hin, wo man bei der herrschenden "Copy-and-Paste-Kultur" anpacken könnte. Dazu gehört zum Beispiel, dass man erst mal eine empirische Basis für weiteres Vorgehen schafft. Wenn es hier um die Wissenschaft geht, ergibt es ja Sinn, auch erst mal wissenschaftlich vorzugehen.

Abgesehen davon – was müsste die Wissenschaft Ihrer Meinung nach dringend mal erforschen?

Zum Beispiel den Einfluss von Frauen auf die Technikentwicklung. Ich finde es interessant, inwiefern mehr Frauen in der Architektur, bei der Infrastruktur und in der Technik auf andere Ergebnisse kommen würden. Ich bin mir sicher, da kämen wir auf wesentlich nutzerfreundlichere und nützlichere Technik. Die Frage ist ja: Wer hat hinter Steve Jobs gestanden?


Kommentare

 

Nelly schrieb am 23.10.2012 08:35

Dass BW immer noch so rfcckste4ndig iste wie Bayern war, he4tte ich nicht gedacht.Bei uns ist es seit 2009 (na gut auch nicht gaerde lang her) in den Standese4mtern mf6glich.Ff6deralismus pur Politiker warten bis sich was tut oder die Leute auf die Barrikaden gehen oder klagen. Alles nur wegen religif6s-moralisch verbre4mten Aversionen und Handlungsinkompetenz von Parteien. Die angeblichen Vertreter der We4hler mfcssen es ja auch nicht ausbaden, geschfctzt vor jeglicher Verantwortung.Dass selbst Parteien wie die Grfcnen sich nicht dazu e4udfern, zeigt wie sehr diese in der bfcgerlich-konservativen Mitte (auch politisch gemeint) ankommen wollen. GwenDragon

 

 

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Die Autorin

Schwarz-Weiß Bild eines Mädchens mit lockigen Haaren

Anna Frey (25)
Studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft


 

Der Politik auf die Finger geschaut

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© Katrin Cürük