Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) begrüßte die Teilnehmer am 29. Dezember 2011. Sie freue sich darauf, mit jungen Menschen aus den verschiedenen Teilen der Welt zu diskutieren – ein "Energieschub für die Seele", sagte die Abgeordnete, die gleichzeitig Präses der 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ist. Nicht nur die Jugendlichen könnten von dem Besuch im Reichstagsgebäude profitieren: "Ich bin mir sicher, dass auch etwas vom dem, was junge Christen bewegt, in diesem Haus bleibt."
Ungerechtigkeit bei Bildung und Klimawandel
Die Ungleichheit in der Bildung, die zwischen Kontinenten und Ländern, zwischen Städten und ländlichen Regionen und auch zwischen Geschlechtern existiere, prangerte die Chinesin Zin an. Gegen die Ungerechtigkeiten in der Welt müsse gemeinsam vorgegangen werden, forderte sie.
Der Äthiopier Johannes nannte den Klimawandel eine große Ungerechtigkeit. Die Probleme, die daraus entstehen, würden meist ärmere Länder treffen, zum Beispiel durch steigende Lebensmittelpreise. Er verwies auf die Forderung der westlichen Länder nach "good governance" in den Entwicklungsländern, also einer guten Regierungsführung. Seiner Meinung nach sollten sich aber auch die westlichen Länder dieser Forderung stellen: "Wir können die Probleme unserer Zeit nur gemeinsam lösen."
Marion lebt mit ihrem Ehemann, der aus Tansania stammt, in Berlin. Für sie ist Gerechtigkeit, "wenn binationale Paare auch ohne Eheschließung, ohne langwierige Visumsanträge auf Dauer zusammenleben können". Zur Gerechtigkeit gehöre auch, dass ein "schwarzer Mann in einem deutschen Supermarkt ebenso unbeobachtet vom Kaufhausdetektiv einkaufen kann, wie ein weißer".
Schwierige Fragen an die Parlamentarier
Neben den Bundestagsvizepräsidenten Dr. Wolfgang Thierse (SPD) und Petra Pau (Die Linke) diskutierten im Anschluss unter anderem Kai Gehring (Bündnis90/Die Grünen) und Kerstin Griese (SPD) mit den jungen Christen. Die Abgeordneten mussten sich in den Sitzungssälen von CDU/CSU und SPD schwierigen Fragen stellen: Oscar aus Spanien wollte zum Beispiel wissen, ob es ein Recht darauf gebe, das westliche Verständnis von Menschenrechten in andere Teile der Welt zu exportieren.
Es gebe keine "westlichen Menschenrechte", antwortete Petra Pau. In dieser Frage gelte es, sich an der UN-Menschenrechtskonvention zu orientieren. "Für mich gilt die Internationale Charta der Menschenrechte", betonte auch Kai Gehring. Menschenrechte seien nicht "per se westliche Werte". Bei deren Durchsetzung gebe es jedoch die "Verantwortung zum Schutz": Bei schwersten Menschenrechtsverstößen dürfe die internationale Gemeinschaft nicht wegschauen. Das sei allerdings "ein ganz schwieriger Abwägungsprozess", räumte Gehring ein.







