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Pro und Contra: Tierschutz lockern
Vicky (links) ist für eine Lockerung des Tierschutzgesetzes, Jasmin hält die Verschärfung für richtig. – © Privat
Vicky: Mensch bleibt Mittelpunkt
Seit dem 26. Juli 2002 ist der Tierschutz im Grundgesetz verankert und Staatsziel. Damit bekam er eine neue Gewichtung. Politiker müssen bei der Gesetzgebung diesen Aspekt berücksichtigen genauso wie Richter bei der Urteilsverkündung. Deutschland war damit das erste Land, das den Tierschutz in der Verfassung verankert hat. Heute ist Deutschland in der EU und der Welt das Land mit den höchsten Tierschutzstandards.
Warum also noch mehr verschärfen? Unsere Vorbildfunktion auf diesem Gebiet haben wir offensichtlich schon erfüllt. Seit der Einführung des Tierschutzes ins Grundgesetz kommt es immer wieder zu Komplikationen: Denn der Schutz von Tieren und ihr Nutzen für den Menschen, sei es in der Landwirtschaft oder in der Forschung, widersprechen sich häufig. Ein Beispiel: Forscher möchten die möglichen Nebenwirkungen von Medikamenten testen. Oft benutzen sie dazu Tiere, da sie so verlässlichere Aussagen bekommen als bei Reagenzglasversuchen. Das Tier ist also nicht geschützt, der Mensch aber zieht seinen Nutzen daraus.
Solche Tierversuche sollen nun mit der neu geplanten Änderung des Tierschutzgesetzes nahezu ausgemerzt werden. Hier trifft Tierschutz auf das Grundrecht der Forschungsfreiheit, das im Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes festgeschrieben ist. Rechtlich gesehen hat das Grundrecht Vorrang vor dem Staatsziel. Eine Pattsituation, die keine Seltenheit ist und auch durch ein noch strengeres Tierschutzgesetz nicht gelöst wird.
Im Gegenteil: Noch härtere Auflagen bergen für mich die Gefahr, dass gerade durch zu viele Gesetzte und Verbote mehr Anreize für illegale Tierversuche geschaffen werden. Und genau das soll ja verhindert werden. Den Tierschutz allein mit Gesetzten durchzusetzen und in die Köpfe der Menschen zu hämmern ist die eine Sache. Letzten Endes liegt es aber an jedem selbst, wie er mit dem Tier umgeht. Und da stößt der Staat an seine Grenzen: Er kann nicht jeden ständig in seinem Umgang mit Tieren kontrollieren.
Außerdem verhindert das Tierschutzgesetz meiner Ansicht nach die geplante Energiewende. Wenn zu strenge Tierschutzauflagen den Ausbau des Stromnetz hinauszögern ist weder uns noch den Tieren geholfen. Irgendwie muss der Strom von den Offshore-Parks an der Küste bis an die heimische Steckdose gelangen. Je zögerlicher wir auf erneuerbare Energien setzten, desto mehr belasten wir das Klima. Und die Tiere bekommen als erste zu spüren, wenn ihr Lebensraum ausstirbt.
Ich habe das Gefühl, dass die Tierschützer allmählich realitätsfern denken. Der Mensch ist und bleibt weiterhin Mittelpunkt der Verfassung. Oder sollen uns bald Elefant, Tiger und Co. regieren?
Jasmin: Viele Gründe dagegen
Der Antrag der SPD-Fraktion zum Verbot des Schenkelbrandes bei Pferden wurde im Juni abgelehnt. Pferden kann also künftig weiterhin ein Brandzeichen verpasst werden, obwohl es längst das weniger schmerzhafte Chippen des Pferdes gibt. Ob Brandzeichen oder Chip-Implantat: Beides ist unangenehm für das Tier. Aber kann nicht wenigstens auf das größere Übel verzichtet werden? Scheinbar nicht und auch die Politik ist nicht dieser Meinung, weil angeblich nur beide Methoden zusammen das Pferd am sichersten kennzeichnen.
Nicht nur beim Schenkelbrand: Meiner Meinung nach sollte der Tierschutz insgesamt strenger reguliert und nicht gelockert werden. Es ist grausam, dass zum Beispiel Hunden der Schwanz oder die Ohren abgeschnitten werden, weil es als "schön" gilt. Jährlich sterben fast 3 Millionen Wirbeltiere in Tierversuchen, obwohl es Alternativen wie zum Beispiel die Computersimulation gibt. Warum wird so etwas nicht stärker gefördert?
Es gibt noch mehr zu tun: Die Anzahl der Tiere, die für die Nahrungsmittelindustrie getötet werden, sollte auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt sein, denn jährlich werden über vier Millionen Tonnen Fleisch und Fisch weggeschmissen. Wo bleibt da die Gesetzmäßigkeit?
Es wird zudem oft diskutiert, ob Wildtiere im Zirkus nicht verboten werden sollten, da zum Beispiel die Gehege und Auslaufmöglichkeiten meist zu klein sind. Hühner werden immer noch artwidrig gehalten. Ich finde, dass alles sind Gründe, den Tierschutz eher zu verschärfen, statt ihn zu ignorieren. Und das sollte soweit gehen, das auch nicht mehr verschwenderisch mit Antibiotikum für kranke Tiere umgegangen wird.
Die Antibiotika finden sich nämlich dann im Hühnerfleisch wieder, welches wir essen. Das führt mitunter dazu, dass sich in unserem Körper Resistenzen entwickeln, sodass es als Medikament nicht mehr wirkt, wenn wir mal krank sind. Somit schaden wir nicht nur den Tieren, sondern auch uns.
Ich persönlich empfinde das alles als Tierquälerei. Das Bewusstsein von Tierquälerei hat sich über die Jahrhunderte hin verändert: Früher dachte man, dass in den Tieren, die zum Beispiel Menschen angreifen, böse Geist stecken, die vernichtet werden müssen. Den Tieren wurde der Prozess gemacht.
Heute sind wir auf einem ganz anderem Niveau: Tiere sind ebenso wie Menschen zu schützen! Doch in zehn Jahren, in denen der Tierschutz nun schon im Grundgesetz geschrieben steht, sind wir diesem Staatsziel noch nicht sehr nah gekommen – dies möchte ich mit all den besagten Problemen deutlich machen.
Kommentare
ryuusanosuke schrieb am 07.09.2012 15:53
Ich finde man sollte das Tierschutzgesetz weder lockern noch verschärfen. Eine Gesetzesänderung wäre meiner Meinung nach sinnvoller.
JayyVonMonroe*botdf* schrieb am 08.10.2012 21:39
Ich kann die Sicht von Vicky nicht verstehen. Ihre Argumente sind mehr als erbärmlich. Fakt ist, dass die Menschen sich im laufe der Zeit selbst zur dominanten Rasse erklärt haben. Wir sind weder stärker als ein Elefant, noch sind wir schneller wie ein Tiger, können fliegen wie ein Adler oder schwimmen wie ein Fisch. Menschen können nichts als unterdrücken. Es stimmt, dass Tierversuche einen Nutzen für den Menschen habe, aber ist es das wirklich Wert, dass Tiere für das neue Make- Up der kleinen Prinzessin, die dies' unterstützt, sterben müssen. Natürlich ist es auch viel besser die Gesetze zu lockern, damit Haustiere jetzt legal und öffentlich sexuell missbraucht werden dürfen, sonst machen das doch die Leute heimlich und das wäre ja schrecklich. Und das mit dem Schützen des Lebensraums der Tiere ist genau so sinnvoll. Wenn durch einen Lebensraum der Tiere eine Stromleitung gelegt wird, dann schützt das den Lebensraum indem Strom in die Stadt befördert wird. Das ich diese Logik nicht schon vorher hatte ist ja wahnsinn. Es ist ja auch viel zu viel Papierkram. Soetwas verwirrt die Menschen ja. Ein bisschen Papierkram gegen mehrere Tierleben? Stimmt, da ist die Arbeit mit den Papieren natürlich viel zu lästig, als das man Tiere retten würde. Die Menschen müssen aufhören die Tiere für ihren Nutzen zu missbrauchen und endlich mal nachdenken. Wenn die Tiere ein schönes leben haben, dann geben sie den Menschen mehr, als wenn sie gezwungen werden Sachen zu tun, die sie nicht möchen und wenn Menschen das nicht verstehen müssen sie halt durch gesetze dazu gezwungen werden und nur durch Faulheit das Problem nicht anpacken zu wollen finde ich persönlich lächerlich und armselig.
Vicky schrieb am 09.10.2012 08:28
Lieber JayyVonMonroe*botdf*, ich respektiere deine Meinung und würde dich bitten, es mir gleich zu tun. Beleidigend sollte keiner werden. Ich habe nichts gegen Tierschutz, immerhin haben wir in Deutschland die strengste Gesetzeslage in Europa.Auch wenn wir nicht so schnell wie ein Tiger und so stark wie ein Elefant sind, so sind wir um einiges klüger. Dennoch hilft ein schnelles Umsetzen der Energiewende auch den Tieren. Kein Vierbeiner soll dafür mit seinem Leben bezahlen. Das Problem ist ganz einfach, das der Mensch im Grundgesetz an erster Stelle steht. Hier schneiden sich zwei juristische Bereiche, die sinnvoll miteinander vereinbart werden müssen.
JayyVonMonroe*botdf* schrieb am 09.10.2012 10:50
Liebe Vicky es ist doch so, dass die Menschen nur denken sie wären klüger. Sie sind einfach so selbstverliebt, dass sie sich für die ersten in der Nahrungskette halten. Fakt ist, dass ich eher einen Menschen töten könnte als eine kleine Katze oder einen Hund. Es stimmt das die Tiere mit im Grundgesetz verankert werden müssen, aber ich denke wenn die Menschen die Tiere nicht respektieren wollen, dann müssen es halt mehr Gesetze geben. Wenn wir nicht zwischen Mensch und Tier unterscheiden würden, sondern alles als Lebewesen betrachten würde, dann bräuchten wir auch keine Gesetze mehr für den Schutz der Tiere, aber solange es noch solch eine Ausbeutung gibt müssen die Tiere geschützt werden und im Gesetz stärker verankert werden und deswegen kann ich deine Ansicht eifnach nicht nachvollziehen.









