Der Aufzug zum Europasaal im Paul-Löbe-Haus nimmt auf dem Weg nach oben ordentlich Fahrt auf, und so entsteht, wenn man die Augen schließt, ein Gefühl des Abhebens. Das passt gut, denn oben tagt die Europäische Interparlamentarische Weltraumkonferenz (EIWK). Seit 1999 treffen sich jedes Jahr Parlamentarier aus zehn europäischen Ländern, um über aktuelle Fragen der Luft- und Raumfahrt zu diskutieren. Gäste aus der Europäischen Weltraumagentur (ESA), Beobachter aus den EU- und Nato-Parlamenten sowie Repräsentanten aus Wissenschaft, Industrie und den Ministerien sind ebenfalls in Berlin.
Eine Technologie des Friedens
"Die Raumfahrt steht exemplarisch für die Zusammenarbeit der Völker“, sagt der Parlamentarische Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums, Peter Hintze, und verweist auf die Internationale Raumstation ISS. "Wer im letzten Jahrhundert geboren wurde, sieht heute, wie sich die Welt verändert hat. Der Weltraum ist ein Frieden stiftender Raum – für eine friedliche Zukunft."
Der Titel der Konferenz "Parlamentarier für Raumfahrt" soll deutlich machen, dass die Raumfahrtpolitik auch die Parlamente beschäftigt, keine reine Regierungsangelegenheit ist. Die EIWK dreht sich vor allem um die europäischen Raumfahrt-Flaggschiffe, das Satellitennavigationssystem Galileo und die Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung GMES, besonders die künftige Finanzierung der beiden Projekte.
Sich treffen und austauschen
Der Präsident der Konferenz ist Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU), Vorsitzender der Parlamentsgruppe Luft- und Raumfahrt. Darin haben sich mehr als 100 Parlamentarier aller Fraktionen zusammengeschlossen, um sich über Themen der Raum- und Luftfahrt auszutauschen. Es ist eine der größten -derzeit wohl die größte- Parlamentsgruppen im Bundestag.
"Sehr zufrieden" ist Willsch mit der EIWK. Weil es große Übereinstimmung gebe und weil die Community hier zusammen gekommen sei. Es gehe vor allem darum, sich zu treffen und auszutauschen.
Motor des menschlichen Fortschritts
Johann-Dietrich Wörner, Vorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), betont den Beitrag der Raumfahrt zum menschlichen Fortschritt: "Wie kommen wir aus der Höhle, wie kommen wir weiter? Diese Frage hat den Menschen seit jeher bewegt." Auf die Beiträge der Raumfahrt zum alltäglichen Leben müsse man schauen.
Die öffentliche Akzeptanz und das öffentliche Bewusstsein sprechen mehrere Teilnehmer an. Ein russischer Vertreter schlägt vor, einfach mal den einen oder anderen Satelliten abzustellen, um Aufmerksamkeit zu erlangen – allgemeines Gelächter.
Für Christoph Becker, beim DLR zuständig für Strategie und internationale Beziehungen, ist klar, was an der Raumfahrt begeistert: "Sie verbindet Wissenschaft, technische Innovation und Faszination“. Seine Augen leuchten, während er das sagt. Die Konferenzteilnehmer wirken begeistert von der Raumfahrt – und scheinen auch andere begeistern zu wollen.
Die Raumfahrt hat auch ein militärisches Gesicht
Christian Schmidt, Parlamentarischer Staatssekretär des Verteidigungsministeriums, unterstreicht die Bedeutung der Raumfahrt für Sicherheit und Verteidigung: "Die Raumfahrt ist unverzichtbar für die Sicherheitspolitik." Die vorhin noch als friedlich gepriesene Technologie hört sich plötzlich gar nicht mehr so friedlich an.
Und während Schmidt fortfährt, fange ich an zu realisieren, wie weit der Traum vom Weltall schon fortgeschritten ist: von einem Wettbewerb zwischen zwei Supermächten während des Kalten Krieges zu einem technologischen Wunderwerk, das mein tägliches Leben beeinflusst. Ob wir nun die Wettervorhersage checken oder die unbekannte Adresse ins Navi eingeben. Ob wir versuchen, Naturkatastrophen vorauszusehen oder den Klimawandel zu verstehen. Die Zukunft ist schon lange da. Das Gefühl des Abhebens kommt wieder. Ganz leicht.









