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USA-Stipendiat
Fietje, 16, Idaho Falls

20.01.2017 |

Donald Trump ist jetzt Präsident der USA. Fietje, der mit dem Parlamentarischen Patenschaftsprogramm des Bundestages ein Jahr in den Staaten verbringt, beobachtet die Bildung des Kabinetts.

Fietje vor dem Kapitol in Washington – © Fietje Becker

Donald Trump, seine Kandidaten & Russland

Während ich diesen Beitrag schreibe, sind es nur noch wenige Tage, bis Donald J. Trump 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein wird. Genau wie der deutsche Bundeskanzler ist auch der amerikanische Präsident umgeben von einem Kabinett, bestehend aus Ministern für verschiedene Fachbereiche.

Vorschlag. Bestätigung. Anhörung.

In den USA werden diese Minister vom amtsantretenden Präsidenten vorgeschlagen. Daraufhin müssen diese vom Senat bestätigt werden. Der Senat muss allerdings nicht jeden der vorgeschlagenen Minister ohne weiteres bestätigen. Aus diesem Grund finden in den Wochen vor dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Anhörungen im Kapitol in Washington D.C. statt, in denen sich die jeweils vorgeschlagenen Personen Fragen der 100 Senatoren aus dem ganzen Land stellen müssen. Einige der von Trump ausgewählten Personen müssen sich dabei dieses Mal besonders ins Zeug legen.

Die Schönen und Reichen

Viele der von ihm ausgewählten Kandidaten sind sehr reiche und prominente Personen und werden sowohl von Demokraten, als auch von Republikanern skeptisch betrachtet. Unter ihnen sind Unternehmer, Banker und Investoren mit eher wenig politischer Erfahrung – der erste Blick auf die Personen, welche ein paar der wichtigsten Positionen der US-amerikanischen Politik in den nächsten vier Jahren besetzen sollen, macht mir, um ehrlich zu sein, ein wenig Angst.

Schwieriger Kandidat

Mit am schwierigsten hat es wohl der Kandidat für das Amt des amerikanischen Außenministers (Secretary of State), Rex Tillerson. Seine vorherige Arbeit als Geschäftsführer des Öl- und Gas-Großkonzerns ExxonMobil macht ihn nämlich nicht nur zu einem weiteren Geschäftsmann im Trump-Kabinett, sondern impliziert auch eine von vielen Amerikanern eher skeptisch angesehene, freundliche Haltung zu Russland. Diese betonte Trump ja auch schon während des Wahlkampfes.

Ich denke, dass bei Herrn Tillerson die Chance am größten ist, durch eine einfache Mehrheit im Senat abgelehnt zu werden – in diesem Fall ist eine Einigung zwischen Demokraten und Republikanern sehr wahrscheinlich. Noch am Tag der Vereidigung Trumps zum Präsidenten will sich der Senat für erste Entscheidungen zusammensetzen.

Neue Freunde

Anders als viele seiner Vorgänger möchte Donald Trump auf Russland als Freund und Partner setzen. In seinem Wahlkampf sprach er mehrfach vom russischen Präsidenten Wladimir Putin als Vorzeigepräsident und verspottete Präsident Obama für seinen Umgang mit Russland. Trumps Haltung schien sich, auch nach seinem Wahlsieg und den letzten Anschuldigungen eines russischen Hackerangriffs auf Server der demokratischen Partei, nicht zu ändern. In einer Pressekonferenz betonte er, dass Russland bei weitem nicht das einzige Land sei, dass Hacking in den USA betreiben würde, und dass sich die Betroffenen hätten besser schützen können.

Alte Vorurteile

Ich war noch nie ein Befürworter der Anti-Russland-Haltung der Vereinigten Staaten von Amerika, und denke, dass trotz politischen und gesellschaftlichen Differenzen beide Länder auf eine internationale Partnerschaft statt auf Feindschaft setzen sollten. In meiner bisherigen Zeit auf der anderen Seite des Atlantiks habe ich allerdings lernen müssen, dass viele Menschen jeden Alters in den USA Russland weder leiden noch trauen können. Eine gute Beziehung zu Russland und Präsident Wladimir Putin lehnen viele Amerikaner daher von Grund auf ab.

Ich allerdings glaube noch immer, dass diese Einstellung falsch ist. Eine stabile Beziehung und Zusammenarbeit zwischen Großmächten wie China, den USA oder Russland ist notwendig um internationalen Frieden herzustellen und aufrechtzuerhalten.

Schild mit der Aufschrift

Die Bewohner in Idaho scheinen überzeugt zu sein: Egal wer gewinnt, wir sind am A*** – © privat

Präsidentschaftswahl in den USA

Kein Tag vergeht, ohne dass die Präsidentschaftskandidaten, Donald Trump und Hillary Clinton, in den Schlagzeilen sind. Egal ob Zeitung, Radio, Fernsehen oder Internet – eine US-Präsidentschaftswahl ist ein unglaublich großes (und so für mich ungewohntes) Medienspektakel. Die TV-Spots, die in den letzten Tagen Sender wie FOX oder NBC beherrscht haben, verbreiten den Eindruck eines Kinofilm-Trailers.

Eine Wahl in den USA ist definitiv anders als eine Wahl in Deutschland. Seit mehr als zwei Jahren waren die Kandidaten nun mit dem Wahlkampf und den Vorwahlen beschäftigt. Dabei immer im Fokus: Medien. Bei den erst kürzlich stattgefundenen TV-Duellen schalteten Millionen von Menschen – nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Teilen der Welt – den Fernseher ein, um den republikanischen Kandidaten Trump und die Demokratin Clinton diskutieren zu sehen. Diese TV-Duelle haben einen großen Einfluss auf Wähler überall in den USA. In diesem Jahr ist die amerikanische Bevölkerung, bezüglich Politik und insbesondere der Präsidentschaftswahl, so gespalten und unentschlossen wie selten zuvor.

Wen wählt Idaho?

Mein Bundesstaat Idaho ist zutiefst republikanisch. Die Mehrheit der Bevölkerung ist aber auch sehr religiös. Weil Trump nicht gerade ein Vorzeige-Christ ist, tun sich viele schwer, einen republikanischen Kandidaten wie ihn zu wählen. Hillary Clinton hingegen ist hier aber auch kaum eine Option. Das Ergebnis ist, dass viele auf einen dritten Kandidaten mit weit geringer Popularität ausweichen werden. Für diesen Kandidaten ist es dann noch immer schwer und eher unwahrscheinlich, die Wahl zu gewinnen, jedoch würde es ein Zeichen setzen in dem Land, in dem sich längst ein Zweiparteiensystem – bestehend aus Republikanern und Demokraten – etabliert hat.

Die letzten Umfragen in Idaho zeigen zwar immer noch einen großen Vorsprung für Donald Trump. Dennoch stehen die Chancen für die Kandidaten Gary Johnson (Libertarian Party) und Evan McMullin nicht ganz schlecht. Letzterer hat zwar erst vor weniger als vier Monaten seine Kandidatur bekannt gegeben und steht nicht einmal in allen Staaten auf dem Wahlzettel, könnte aber dennoch die Wahl gewinnen und so nächster US-Präsident werden, theoretisch. Wie ist das möglich?

Die Außenseiterchance

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird grundsätzlich vom sogenannten Electoral College gewählt. Am 8. November wählen die Menschen in Amerika also den Präsidenten nicht direkt, sondern diese Gruppe von Wahlmännern, die, nach dem Anteil der Bevölkerung, auf die 50 Bundesstaaten aufgeteilt sind. Staaten mit vielen Einwohnern haben viele Wahlmänner, solche mit wenigen eben wenige. Insgesamt gibt es 538 Wahlmänner, sie müssen dann im Sinne der Mehrheit in ihrem Staat für einen Kandidaten stimmen. Um Präsident zu werden, benötigt ein Kandidat mindestens 270 Stimmen der Wahlmänner. Sollte keiner der Kandidaten diese Anzahl an Stimmen erreichen, weil in einigen Staaten Außenseiter gewinnen, wählt der zurzeit von Republikanern dominierte Kongress aus den drei Kandidaten den nächsten Präsidenten. So wäre ein Sieg für Evan McMullin rein theoretisch möglich.

Es bleibt also spannend, wer das Weiße Haus für die nächsten vier Jahre bewohnen wird.

Sport, Gitarre und Mädchen

Fietje, sein Gstbruder und ihre Dates

Fietje (rechts) mit seinem Homecoming-Date Katie und seinem Gastbruder mit Date. – © Fietje Becker

Fietje sieht einem Football-Spiel zu

Beim Footballspiel fühlt sich Fietje wie im Film. – © Fietje Becker

Viele Hausaufgaben

Mehr als einen Monat besuche ich nun schon meine High School hier in den USA, und so langsam kehrt Routine ein. Die letzten Wochen sind unheimlich schnell vergangen. Ich bin mir nur schwer bewusst, dass ich schon so lange hier bin. Ich habe jeden Tag sechs Stunden an meiner High School und das sind immer dieselben Kurse in der gleichen Reihenfolge. Klingt öde, ist aber praktisch, da man so nicht unbedingt viel vergisst, wenn man weniger als 24 Stunden später das gleiche Thema schon wieder behandelt. Ein Nachteil ist hingegen, dass Hausaufgaben fast immer gleich zu machen sind – und das ist hier echt eine Menge.

Zwei Sportkurse

Mein Schuljahr ist in drei sogenannte Trimester aufgeteilt und ich habe für jedes Trimester einen anderen Stundenplan. Für das erste Trimester, in dem wir uns momentan befinden, habe ich Volleyball, Gitarre und Introduction to Sports (Einführung in verschiedene Sportarten) angewählt. Hinzu kommen die Pflichtfächer Mathe/Algebra, US History und Englisch, welche ich in allen drei Semestern belege. Das ist eine solide Mischung und erspart mir dank den zwei Sportkursen sogar noch ein paar Hausaufgaben.

Homecoming & Football

Bevor ich in die USA flog, war ich vor allem gespannt auf die großen Schulevents, die es in Deutschland in dieser Form nicht so wirklich gibt. Und glücklicherweise hatte schon der September einiges zu bieten.

Bereits in der zweiten Schulwoche besuchte ich mein erstes Football Game und es war teilweise wie im Film. School Spirit war der Ausdruck, den ich die ganze Zeit im Kopf hatte. Meine Erwartungen waren hoch, sie wurden größtenteils voll erfüllt. Auch wenn ich Football an sich immer noch nicht so ganz verstehe, hatte ich doch unheimlich Spaß! "Go, go, Tigers, go!" Bei einem Football-Spiel dabei zu sein bedeutet nicht nur, Zuschauer zu sein, sondern auch selbst aktiv zu werden. Viele Schüler feuern ihr Team mit Schulparolen, Choreographien und verrückten Aktionen, wie Babypuder in die Luft zu werfen, an, so als wäre man auf einem Holi-Festival (Hinduistisches Farbenfest).

Katie war mein Date

Ein weiteres langersehntes Highlight für mich war der Homecoming Dance (Feier für Ehemalige) am 17. September. Worüber ich mir aber nicht rechtzeitig Gedanken gemacht habe, war, mit wem ich zu Homecoming gehen könnte. Es ist hier üblich, dass sich der Junge ein "Date" für den Abend sucht und mit dieser Person und einer Gruppe von anderen Leuten den Tag und Abend verbringt. Meine Gruppe hatte ich bereits frühzeitig durch meinen Gastbruder, der ein Senior auf meiner High School ist. Mit dem "Date" war das irgendwie nicht ganz so einfach. Daher fragte ich erst zwei Tage vor Homecoming Katie, eine Volleyball-Spielerin meiner High School, nach ihrem Spiel, ob sie mit mir zu Homecoming gehen würde. Und sie sagte ja.

Der Abend war dann unglaublich spaßig mit leckerem Essen, witzigen Gesprächen und einer großen Tanz-Party in der Turnhalle, wo kaum jemand tanzen konnte. Welcome to IFHS (Idaho Falls High School)!

Fietje vor den Idaho Falls

Fietje vor den für seine neue Heimat namensgebenden Idaho Falls – © privat

Fietje mit Kumpel

Fietje und sein Hostbrother Ben, der selbst schon als Austauschschüler in Deutschland war. – © privat

Ankunft in den USA

Monatelang musste ich warten und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Am Tag bevor ich in die USA fliegen sollte, fragte ich mich, wo all die Zeit plötzlich geblieben ist. In quasi letzter Sekunde entschied ich mich dann doch einmal mit dem Kofferpacken anzufangen. Kaum zu glauben, dass ich nun tatsächlich in die USA fliegen sollte. Ein paar Tränen wurden noch einmal am Flughafen vergossen (glücklicherweise nicht von mir): Pünktlich um 10.45 Uhr hob mein Flieger in Berlin ab, um mich nach Frankfurt zu bringen, von wo aus mich mein Weg über Denver nach Idaho in die USA führen sollte.

Nach mehr als 19 Stunden auf Flughäfen und in Flugzeugen landete ich dann gegen 21 Uhr lokaler Zeit in Idaho Falls – meiner neuen Heimat für die nächsten zehn Monate. Und als ich das Flugzeug verließ, zitterte ich am ganzen Körper, was weniger mit dem Schlafmangel zu tun hatte, als vielmehr mit der enormen Aufregung und Nervosität. Doch nachdem ich dann jedes zukünftige Familienmitglied einmal umarmt hatte, legte sich diese Aufregung auch wieder und wir gingen erst einmal ein gutes "Sandpiper"-Steak essen. Ich bin angekommen.

Die ersten Tage in einer neuen Welt

Ach, habe ich gut geschlafen. Schlafmangel und Zeitverschiebung können echt anstrengend sein und so brauchte ich die ersten Tage, bevor die Schule losging. Ausschlafen und langsam anpassen war angesagt. Das Programm in meiner ersten Woche in den Staaten war einfach, aber perfekt: kennenlernen. Ich lernte die Stadt, die Familie, die Freunde und letztendlich auch meine Schule kennen.

Eine Fahrradtour durch Idaho Falls hat meiner Orientierung sehr gut getan. Ich liebe das Areal nahe den Wasserfällen, nach denen der Ort benannt ist. Viel grün, viel Wasser, sehr ruhig und entspannend. Ich stelle mir das als den perfekten Ort vor, um mit Freunden nach der Schule den Nachmittag zu genießen. Gleich zweimal hintereinander trafen wir Freunde zum standardmäßigen Barbecue-Abend. Dort lernte ich auch, wie man Pickle Ball spielt (das ist wie Tischtennis nur größer) und bekam zu spüren, was es heißt, mit Händen und Füßen kommunizieren zu müssen. Letztendlich habe ich mich aber doch sehr schnell an die Sprache angepasst. Zum Glück, denn weniger als eine Woche nach meiner Ankunft hieß es für mich "first day at school".

Meine High School

Viel kann und möchte ich noch nicht über meine Schule berichten, da ich erst zwei Tage dort war. Was ich aber sagen kann, ist, dass ich ein Junior (11. Klasse) auf der Idaho Falls High School sein werde. Unsere Schulfarben sind orange und schwarz, denn wir sind die Tigers. Und eins ist ganz klar: Eine amerikanische High School ist definitiv etwas anderes als ein sonst gewohntes Gymnasium in Deutschland. Eine andere Mentalität, eine andere Größenordnung, ein anderes Lernverhalten und dieser einzigartige School Spirit verstärkt durch die vielen Sportmannschaften und Schulclubs. Aber mehr dazu beim nächsten Mal...

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