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USA-Stipendiat
Jon, 20, Alexandria

07.10.2016 |

Jon braucht einen Führerschein. Unerwartet kommt er so ins Pentagon, wo es ganz anders aussieht, als erwartet. Bislang das Highlight seines Stipendiums in den USA.

Jons erstes Baseballspiel

Beim Baseballspiel erlebt Jon die geballte US-Kultur an einem Tag. – © Jon Gorlo

Jon in der Kirche

In Deutschland geht Jon nicht in die Kirche, aber während seines Auslandjahres in den USA gehört es zu seinem Leben dazu. – © Jon Gorlo

Washington - hier bin ich!

In einem Bus, der runtergekült wurde, als ob es ein Kühlschrank ist, ging es Richtung Süden nach Washington D.C., der Hauptstadt der USA. Im Bus traf ich auch noch eine Reisegruppe aus Deutschland, mit der ich mich gleich etwas unterhalten habe. Schnell gingen vier Stunden Fahrt rum und nach einem Zwischenstopp in der Stadt Baltimore, kamen wir an der Union Station im Herzen von Washington D.C. an. Dort erwartete mich auch schon meine Gastfamilie.

Wir fuhren noch etwas durch das in abendliches rot gehüllte Washington, was so gegensätzlich zu New York City ist, aber ebenso atemberaubend schön. Alle Gebäude sind sehr viel flacher, weil keines höher sein darf als das Washington Monument – der marmorne Denkmalturm zu Ehren von George Washington, dem ersten Präsidenten der USA (1789 bis 1797) . Außerdem sieht alles sehr sauber und ziemlich europäisch aus. Washington hat unglaublich viele Denkmäler und den Einfluss des französischen Architekten Pierre L'Enfant, der die Stadt entworfen hat, kann man direkt sehen.

Ganz Amerika an einem Tag

Am nächsten Tag ging es für mich auch gleich zu meinem favourite american game – Baseball. Das ist eine meiner Lieblingssportarten und ich habe auch in Deutschland schon die Spiele der Mets, der Yankee's, der A's, der Red Socks, der Giants, Nationals' und all den anderen Mannschaften der beiden Top-Ligen verfolgt.

Für mich ging es zu einem Spiel einer Mannschaft der oberen Liga, aber nicht der Top-Liga. Dort sollte es mehr Unterhaltung geben, wovon es wirklich eine Menge gab. Getroffen haben wir uns da mit Mitgliedern aus einer Kirchengemeinde. Nach einem Hot Dog, einem funnel cake (eine Art frittiertes Gebäck), einem SnowBall (eine runde Marshmellowsüßigkeit), Pausenentertainment mit Wettkämpfen, wie Chickenwings-Wettessen, mehr Cola als ich je zuvor getrunken habe und einem Feuerwerk, endete der Tag auch schon. Mehr Amerika kann man wohl nicht an einem Tag zusammenfassen und so bin ich am Abend auch schon früh ins Bett gefallen.

Kirche auf Amerikanisch

Und das musste ich auch, denn es ging schließlich am nächsten Tag wieder früh raus. Es war Sonntag und es ging in die Kirche. Da heißt es: pünklich 9.30 Uhr losfahren. Zugegeben, gläubig bin ich nicht und ich gehe daher normalerweise auch nicht in die Kirche, aber da es Teil des Lebens meiner amerikanischen Gastfamilie ist, ist es jetzt auch Teil meines Lebens und vielleicht lernt man ja die ein oder andere Person kennen.

In der Kirche angekommen, kamen schnell altbekannte Gesichter vom Abend davor auf mich zu. Ich wurde einigen Leuten vorgestellt und dann ging es auch schon los. Die Messe ging eine Stunde und es wurde gesungen, gebetet und sich gegenseitig das 'peace be with you' ("Friede sei mit dir") gewünscht. Insgesamt war ich wirklich positiv überrascht und ich habe beschlossen, nun jeden Sonntag mit in die Kirche zu gehen. Und das sollte sich lohnen, wie ich später herausfand.

Ein neues Leben aufbauen

Für die anstehende Woche hatte ich mir ein paar Sachen vorgenommen. Ich musste ja schließlich mein neues Leben aufbauen. Für mich ging es am Montag mit dem Fahrrad zuerst zum DMV - Department of Motor Vehicles (Straßenverkehrsbehörde). Denn auch wenn ich Fahrradfahren mag, braucht man in einem so großen Land einfach ein Auto, außerdem ist mein College mehr als 50 Meilen entfernt und auch wenn dies erst Ende September beginnt, kann man bei Verwaltungen nie zu früh beantragen (eigene Berufserfahrung). Nach geschlagenen drei Stunden kam ich aus dem auf geschätzte 12 Grad gekühlten DMV wieder heraus und das lediglich mit der Information, dass ich einen sogenannten 'proof of residence' (Adressverifizierung) benötige. Na danke!

Um an dem Tag aber noch etwas Spaß zu haben, fuhr ich mit dem Fahrrad in eine Mall (großes Kaufhaus). Für mich war es das erste mal in einer Mall, aber es war definitiv so, wie ich mir das vorgestellt habe: groß, voll und viele Läden. Man kann jetzt natürlich sagen, nichts besonderes, aber für mich gehört die Mall einfach zu Amerika, wie Biergärten zu Deutschland und so war es für mich eine wirklich tolle Erfahrung.

Führerschein beantragen im Pentagon

Am Abend erzählte ich meinen Gasteltern von meinem nicht ganz so erfolgreichen Besuch beim DMV und die Idee war nun, dass einer meiner Gasteltern mit mir in das DMV kommt und angibt, dass ich bei ihnen wohne. Das sollte doch hoffentlich als 'proof of residence' reichen, haben wir gedacht. Da aber niemand meiner Gasteltern drei Stunden im DMV warten kann, da sie arbeiten müssen, hatte meine Gastmum eine Idee: Wir beantragen den Führerschein im Pentagon, dem Hauptsitz des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums. Völlig verwundert habe ich drei Mal nachgefragt, ob sie wirklich Pentagon gesagt hat, aber ich habe mich nicht verhört.

Am nächsten Tag schnappte ich all meine Unterlagen und es ging mit meiner Gastmum zuerst mit dem Auto in ihr Bürogebäude und von da an mit dem Bus zum Pentagon, welches ziemlich in der Nähe des Flughafens liegt und umgeben ist von den Stadtteilen Pentagon City und Crystal City. Das Ganze liegt ziemlich zentral in Washington und besteht aus riesigen Bürokomplexen der amerikanischen Regierung. Angekommen mit dem Bus, ging es für meine Gastmum direkt rein ins Pentagon mit ihrem Ausweis, da sie beim Militär arbeitet, hat sie ohne weiteres Zutritt. Ich musste mich bei der Besucherreihe anstellen und warten. Schon auf diesem Weg fragte mich der erste Soldat mit riesigem Gewehr davor, ob ich eine Führung besuchen möchte.

Etwas irritiert bejahte ich seine Frage und er ließ mich in das Gebäude. Jetzt war ich schon einmal drin. Hinter einer dicken Glasscheibe fragte mich nach kurzem Warten in der Reihe der nächste Mitarbeiter, was ich im Pentagon machen möchte. Auch ihm erklärte ich, dass meine Gastmutter mir das Pentagon zeigen möchte. Er registrierte meinen Reisepass und ich bekam eine Besucher ID. Es ging weiter zu einem Körperscanner oder auch Nacktscanner (heißt so, weil er wirklich alles durchleuchtet) und nachdem ich auch das geschafft hattee, sah ich meine Gastmum auch schon wieder. An der letzten Station musste ich noch darauf warten, dass mein Name aufgerufen wird und meine ID verfiziert wird.

Das Pentagon

Nach etwa 20 Minuten Sicherheitsprozedur ging es endlich ins Pentagon. Rolltreppen, gerahmt von mit riesigen Amerika-Flaggen beschmückten Wänden, beföderten uns auf die nächste Ebene. Dort erwarteten uns eine Menge hastig umherlaufende, gut gekleidete Menschen und Militärs, die vermutlich zu ihrem nächsten Termin oder Meeting hasteten. Doch dann kam etwas, was ich nicht gedacht habe: Hier standen Boutiquen, Einkaufsläden, Schmuckläden und eben ein DMV. Das Pentagon ist riesig und wie eine kleine Stadt, damit die Leute nicht ständig das Pentagon verlassen müssen, sind dort Läden, wie in einer normalen Mall.

Und tatsächlich, wir warteten beim DMV nur 15 Minuten und kamen dran. Jedoch konnte ich auch hier noch keinen neuen Führerschein in den Händen halten. Die Sachbearbeiterin kopierte meinen deutschen Führerschein und sagte uns, dass sie es in Deutschland abgleichen müssen. Das dauert etwa zwei Wochen (übrigens, ich schreibe dies hier Ende September und habe immer noch keine Antwort). Jedoch könnte ich die State Troopers (Verkehrspolizei) anrufen und fragen, ob ich denn mit meinem deutschen Führerschein in Verbindung mit dem internationalen Führerschein fahren darf. Etwas ernüchtert ging es wieder zurück durch diese langen, fensterlosen Gänge im schlichten Weiß, vorbei an den hetzenden Leuten und Läden der kleinen Stadt 'Pentagon' zu den Rolltreppen.

Jetzt bemerkte ich aber auch noch etwas, und zwar, dass auf den Flaggen links und rechts Namen waren. Mir wurde erklärt, es sind die Namen der Verstorbenen vom Terroranschlag am 11. September, denn nicht nur in New York gab es diese Terroranschläge, sondern auch in das Pentagon wurde ein Flugzeug gelenkt, welches großen Schaden angerichtet hat und viele Menschen in den Tod gerissen hat. Ein bisschen nachdenklich und mit Ehrfurcht, genau dort gewesen zu sein, verließen wir dieses Gebäude wieder.

Und hier trennten sich unsere Wege für den Tag erst einmal wieder, da meine Gastmum natürlich arbeiten musste und es für mich nun das erste Mal mit der Metro nach Washington D.C. ging. Sie kaufte mit mir noch eine Metrokarte und erklärte mir die Linien und dann ging es auch schon los.

Jon in New York City

Jon in New York City – © privat

kl_Skyline NYC Downtown

New York, New York! – © privat

kl_Times Square NYC

Times Yquare, NYC – © privat

kl_View One World Trade Center Richtung Staten Island (1)

Das ist nicht der Blick aus dem Flugzeug, sondern vom neuen World Trade Center. – © privat

Aschersleben-New York

Ja, wie fängt man am besten solch einen Blog an? Ich stelle mich am besten erst einmal vor. Aschersleben ist meine Heimatstadt, der Harz die Region, aus der ich komme. Da das aber niemand kennt, komme ich aus der Nähe von Magdeburg und für die Amerikaner aus der Nähe von Berlin. Wird aber eigentlich Zeit, dass Aschersleben und die Umgebung mehr Leute kennenlernen, denn die Region ist toll und lädt geradezu zum Entdecken ein. Die Landschaft mit ihrer Geschichte in den Burgen und Schlössern kann man am besten mit dem Rad oder beim Wandern erleben.

Nur Fast-Food und dicke Autos?

Da es sich aber immer lohnt, auch mal über den Tellerrand hinauszugucken, werde ich ab August 2016 ein Auslandsjahr machen. Und wo sonst, wenn nicht in DEM Traumland: USA. Wie komme ich denn dazu? Ehrlich gesagt war es purer Zufall. Im Juli 2014 hatte ich schon die Ausschreibung für das PPP – das Parlamentarische Patenschafts-Programm – gesehen. Schon nach meinem ersten Urlaub in den Staaten Ende 2013 war klar, da muss ich wieder hin. Im August 2015 habe ich mich dann für das PPP beworben, so eine Chance kann man nicht auslassen!

Das Bewerbungsprozedere kostete schon etwas Mühe und Zeit, aber es hat sich gelohnt. Denn das PPP lockt mit einem Vollstipendium! Nachdem die Zusage im Februar kam, folgte Anfang April dann noch ein Vorbereitungsseminar in der beschaulichen aber geschichtsträchtigen Kleinstadt Geisa in Thüringen. Zusammenfassen kann man die Erkenntnis aus diesem Seminar wohl so: Neben dem ausgeprägten Hang zu Fast-Food und großen Wagen haben die US-Amerikaner noch viele andere kulturelle Unterschiede zu Europa. Wie es damit wirklich aussieht, werde ich ja nun herausfinden.

Frank Sinatra im inneren Ohr

Am 2. August 2016 ging es für mich nach unzählbaren, schweren Verabschiedungen endlich los. Zuerst von Leipzig nach Frankfurt, wo es das große Wiedersehen mit den anderen Teilnehmern vom Vorbereitungsseminar gab. Nach einem letzten Foto bestieg ich dann diese riesige Boeing 747 und nach über acht Stunden Flug setzten die Reifen des Flugzeuges zum ersten Mal wieder auf den Boden auf, diesmal jedoch auf amerikanischem. Nach der Landung in New York City ging es weiter mit dem Bus zu unserem Hotel in Manhattan.

Zugegeben, groß waren die Zimmer nicht, aber wer braucht schon große Zimmer in einer Stadt, wie New York City? Was soll ich sagen – auch wenn ich 2013 schon einmal in NYC war, war es wieder eine unglaubliche Erfahrung diese Stadt mit ihrer Vielfalt und Architektur zu erleben. Ein Hochhaus an dem anderen, Parks, alte Gebäude, qualmende Gullideckel, Live-Bands, Hot-Dog-Stände, Restaurants und so weiter. Halt so, wie man es aus dem Fernsehen kennt, bloß mehr davon, als man sich vorher hätte vorstellen können. Wenn man so durch die Straßen dieser Stadt wandelt, atmet man praktisch das Klischee des "american way of life" und manchmal, so meine ich es gehört zu haben, läuft leise "New York, New York" von Frank Sinatra im Hintergrund.

Von New York nach Virginia

In den letzten Tagen gab es dann noch einige Seminare in einem Gebäude gegenüber von den Vereinten Nationen. Und auch diese Location war wieder atemberaubend. Der Abend wurde immer vollständig für Sightseeing genutzt und so bin ich jeden Abend mit schmerzenden Füßen, aber mit einem Kopf voller neuer Bilder und Impressionen ins Bett gefallen.

Nach dem besten Steak meines Lebens, einem Besuch im One World Trade Center, einer Fahrt mit der Staten Island Ferry, einer Stadtrundfahrt und Sightseeing am Times Square und Central Park und natürlich jeder Menge Seminar, ging es nach vier Tagen wieder weiter. Doch bevor die nächste Station auf dem Programm stand, musste ich geschlagene drei Stunden auf meinen Bus warten, mit 30 Kilo Gepäck und bei gefühlten 50 Grad Celsius. Von einem Restaurant ins andere wechselnd, bekam ich aber die Zeit relativ schnell rum, der Bus kam und die Fahrt begann.

Mein Zuhause für die ersten zwei Monate ist in Alexandria, Virginia. In diesem typisch amerikanischen Vorort von Washington D.C. wurde ich herzlich von einer jungen Familie mit zwei kleinen Kindern aufgenommen. Wie es weitergeht, erfahrt ihr dann in meinem nächsten Eintrag.

Kommentare

 

Kimi schrieb am 29.01.2017 01:46

Hallo Jon, toller Bericht. Noch bin ich 14 möchte mich jedoch unbedingt auch bei ppp für 201819 bewerben. Ich habe es im letzten Jahr schon versucht, bin jedoch leider sechs Tage nach dem Stichtag zur Welt gekommen (p.P). Was wurde für das Auswahlverfahren alles verlangt? Ich möchte es unbedingt schaffen. Es ist ein großer Traum von mir.

 

 

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