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US-Stipendiat
Moritz, 16, Virginia Beach

15.03.2017 |

Moritz verbringt mit dem Parlamentarischen Patenschafts-Programm des Bundestages ein Jahr in den USA. Da darf natürlich ein Besuch in der Hauptstadt Washington DC nicht fehlen.

Im Zentrum der Macht

Ein junger Mann steht vorm Weißen Haus.

Beim Besuch in Washington posiert Moritz natürlich vorm Weißen Haus. – © privat

Das Foto zeigt das Jefferson Memorial.

Das Jefferson Memorial stand auch auf der Liste der anzuschauenden Sehenswürdigkeiten. – © privat

Eine Woche Hauptstadt

Anfang Februar durfte ich mit rund 90 anderen Stipendiaten des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) eine Woche in Washington DC verbringen. Die Hauptstadt der USA liegt mit dem Auto drei Stunden nördlich von Virginia Beach, doch mit dem Flugzeug hat es nur 40 Minuten gebraucht.

Washington DC wurde im 19. Jahrhundert erbaut und dient als Sitz des Congress, des Präsidenten und des Supreme Courts, dem höchsten Gericht der USA. Zahlreiche Monumente wurden hier errichtet, zu Ehren von ehemaligen Präsidenten, aber auch Kriegsdenkmäler und zahlreiche Museen.

Viel gelernt und gesehen

Wir Austauschschüler kommen aus 16 Staaten. Ich kannte nur einige von ihnen von meinen Vorbereitungstreffen in Deutschland. Viele andere Stipendiaten hatten den Hauptstadttrip bereits im November und Dezember, wir waren also die dritte Gruppe, die nach Washington DC geflogen ist.

Es gab einige Workshops. Außerdem haben wir uns Sehenswürdigkeiten wie das Lincoln Memorial, das Jefferson Memorial und das Weiße Haus angeguckt. Wir waren in zahlreichen Museen, die über die Geschichte der USA und die verschiedenen Kulturen informiert haben.

Außerdem haben wir uns ein Basketballspiel der Washington Wizards angeguckt und waren im Hard Rock Café. Wir haben viel über Politik in den USA gelernt und die Stadt besser kennengelernt, die man sonst nur im Fernsehen sieht.

Vieles drehte sich um Präsident Trump

An einem Tag haben wir die Möglichkeit bekommen, mit Mitarbeitern der Senatoren unseres Gaststaates zu sprechen und uns mit einem Mitarbeiter des jeweiligen Repräsentanten zu treffen. Besonders interessant war das Gespräch im Büro von Senator Tim Kaine, dem Vizepräsidentschaftskandidaten von Hillary Clinton.

Da Trump zur Zeit unseres Besuches erst wenige Wochen im Amt war, hat man im Senat und Repräsentantenhaus viel von ihm gehört, viele Gespräche drehten sich um den neuen Präsidenten.

Die drei Gewalten in den USA

Im Senat, der ersten Kammer des Kongresses der USA, sitzen 100 Senatoren, zwei aus jedem US-Staat. Die Senatoren werden jeweils für Sechs-Jahres-Perioden gewählt und bilden mit dem House of Representatives (dem Repräsentantenhaus) die Exekutive der USA. Das Repräsentantenhaus ist die zweite Kammer des Kongresses. Hier sind die Staaten je nach Größe der Bevölkerung vertreten. Der Kongress ist für die Gesetzgebung verantwortlich und kontrolliert die Legislative, also den Präsidenten, und die Judikative, den Supreme Court.

Dieses System der "Checks and Balances" stellt sicher, dass keine der drei Gewalten ihre Macht missbraucht und dass sich alle an die Verfassung halten.

Winter in Maine & Massachusetts

Moritz vor Christbaum

Den Jahreswechsel hat Moritz bei der Familie seines Gastvaters verbracht. – © privat

Am 20. Januar um 12 Uhr fand der Amtsantritt vom 45. US-Präsident Donald Trump statt. Dafür wurde in Washington D.C. eine große Parade vorbereitet, die im Internet und Fernsehen live übertragen wurde. Am Wochenende darauf fanden Proteste von Frauen statt. Die Zeremonie selbst wurde unter dem Motto "Uniquely America" – einzigartiges Amerika – gefeiert und stand für einen friedlichen Übergang von einem demokratischen zu einem republikanischen Präsidenten. Trump ist übrigens der bislang älteste Präsident und der erste Milliardär im Amt.

Politik auf Stadtebene

Virginia Beach ist eine relativ junge Stadt, sie wurde 1963 gegründet, davor gab es hier nur ein paar versprengte Siedlungen. Seitdem hat sich die Stadt entwickelt und auch die Politik in der Stadt ist aktiv. So ist es zum Beispiel verboten für Jugendliche, nach 23 Uhr auf den Straßen zu sein. Mit meiner Politikklasse habe ich im Dezember das Gericht und das Gefängnis der Stadt besucht, welches eines der sichersten Gefängnisse in Virginia ist. Der Unterschied zu deutschen Gerichten ist eine "Jury". Für diese werden die Bürger der Stadt regelmäßig eingeladen, um über einen Fall abzustimmen, für gewöhnlich passiert das zweimal im Jahr.

Blick zurück: Weihnachten

Zu Weihnachten bin ich mit meiner Gastfamilie in den Norden, nach Portland, Maine, gefahren. Die Zeit dort habe ich sehr genossen, wir hatten Schnee und ich habe die Familie meines Gastvaters besser kennengelernt. Die Geschenke gab es am Morgen des 25. Dezembers. Maine ist der östlichste Staat der USA und auf unserer Reise haben wir einige Städte der Ostküste gesehen, wie New York City, die Hauptstadt des kleinsten Staates, Providence, Rhode Island und Boston, Massachusetts.

Boston ist die größte Stadt Neuenglands und spielte in der amerikanischen Revolution eine wichtige Rolle. Die Stadt ist zugleich historisch, wie auch modern und bekannt ist die Harvard Universität, die älteste Universität der USA.

An unserem letzten Tag in Boston haben wir uns ein Museum in der Präsidentenbibliothek von John F. Kennedy angeguckt, dem einzigen katholischen Präsidenten der USA. Er wurde im November 1963 erschossen. Wenn ein Präsident in seiner Amtszeit stirbt oder zurücktritt, wird der Vizepräsident zum Präsidenten, sodass immer jemand im Amt ist.

Politik auf Staatenebene

Anfang des Jahres gab es einen Blizzard in Virginia Beach, was eigentlich nur bedeutete, dass es 24 Stunden lang geschneit hat und die Straßen zugefroren waren. Da die Stadt nur einen Schneepflug besitzt, konnten nicht alle Straßen rechtzeitig geräumt werden, also fiel die Schule für drei Tage aus. In Virginia müssen die Schüler 180 Tage in einem Schuljahr zur Schule gehen, weshalb wir diese Tage aufholen müssen. Dafür werden als frei geplante Tage zu Schultagen. Festgelegt hat das der Staat Virginia. Weitere Gesetze, die der Staat festlegt, sind zum Beispiel Tempolimits oder Steuern. In Virginia kann man mit 16 Jahren und drei Monaten Auto fahren. In anderen Staaten ist dies jedoch unterschiedlich.

Thanksgiving & Christmas Time

Thanksgiving

Ende November habe ich ein ganz besonderes Thanksgiving erlebt, denn ich war mit meiner Gastfamilie in Philadelphia, der fünftgrößten Stadt der USA. Dort wurde einst die Verfassung geschrieben und auch der Kongress versammelte sich hier zum ersten Mal. Ich habe mir die Independence Hall (ehemaliges Parlamentsgebäude), Liberty Bell (historische Glocke) und mehrere andere geschichtsträchtige Plätze angeguckt.

Thanksgiving ist ein Feiertag in den USA, der an die Pilgerväter erinnert, die 1621 zusammen mit den Ureinwohnern in Massachusetts ein Erntedankfest feierten. Die Indianer halfen den Siedlern über den Winter zu kommen. In den ganzen USA finden sich an diesem Tag Familien zusammen, um gemeinsam zu essen, Football zu gucken und für alles Mögliche zu danken.

It’s the most wonderful time of the year

Nachdem wir zurück nach Virginia Beach gefahren sind, fing auch gleich die Weihnachtszeit an und obwohl es noch fast 20 Grad Celsius waren, spielten mehrere Radiosender rund um die Uhr Weihnachtsmusik. Da es aber so viele Religionen in den USA gibt, wird manchmal gar nicht von Weihnachten geredet sondern nur von den Feiertagen.

Weihnachten in den USA wird am 25. Dezember gefeiert und ich werde mit meiner Gastfamilie nach Maine, zu den Verwandten meines Gastvaters fahren. Die Geschenke gibt es dann am Morgen des 25. Dezembers, aber ansonsten wird Weihnachten ähnlich gefeiert wie in Deutschland.

Präsidentschaftswahlen

Zwar fanden die Wahlen, die darüber entschieden, wer der nächste Präsident der USA wird, schon im November statt, doch eigentlich haben diese Wahlen nur über die Wahlmänner entschieden, die nun am 19. Dezember formell den neuen Präsidenten wählten. Jeder Staat hat eine bestimmte Anzahl an Wahlmännern, abhängig von der Anzahl der Bewohner des Staates. Wie abzusehen war, ist Donald Trump nun offiziell als Präsident gewählt, denn er hat mehr Wahlmänner-Stimmen bekommen als Hillary Clinton.

Wahlschilder in den USA

Dass Donald Trump der nächste Präsident wird, damit hätte Moritz nicht gerechnet. – © Moritz Ludwig

Am 8. November haben die US-Bürger gewählt, unter anderem den 45. US-Präsidenten. Natürlich hat sich in den letzten Wochen alles um die Wahlen gedreht und nun ist klar, dass der Republikanerkandidat Donald Trump dem jetzigen Präsidenten Barack Obama folgen wird.

Das Wahlsystem in den USA ist anders als in Deutschland und so war es für mich sehr interessant, die Zeit mitten im Wahlkampf in dem Swingstate Virginia zu verbringen. In sogenannten Swingstates wird ein relativ knappes Wahlergebnis erwartet. Virginia hat für die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, gestimmt.

So funktioniert das System

Jeder Staat hat eine bestimmte Anzahl an "electoral votes", die je nach Größe der Bevölkerung im jeweiligen Staat unterschiedlich groß sind, Virginia hat 13 electoral votes. Anders als in Deutschland, wo eine Person genau eine Stimme hat, werden die Staaten nach dem Winner-takes-all-Prinzip entschieden, das heißt wenn ein Kandidat die Mehrheit der Stimmen in einem Staat erreicht, bekommt er alle electoral votes des Staates. Wenn ein Kandidat 270 electoral votes hat, hat er praktisch die Wahl gewonnen, auch wenn damit nur die Wahlmänner gewählt werden, die im Dezember dann für einen der beiden Kandidaten stimmen werden.

Die Swingstates

Die Swingstates spielen bei den ganzen Wahlen eine große Rolle, denn sie entscheiden meistens den Ausgang einer Wahl. Andere Staaten stimmen fast jedes Jahr gleich ab, doch Staaten wie Florida, Ohio, Pennsylvania oder Virginia sind sowohl wichtig, da sie viele electoral votes haben, als als weil sie jede Wahl anders stimmen könnten. Dieses Jahr haben Florida, Pennsylvania und Ohio entgegen vieler Erwartungen für Donald Trump gestimmt, was ihm geholfen hat, die Wahl zu gewinnen.

Straßenbahn gefällig?

Wählen kann man in den USA ab 18 Jahren und dieses Jahr wurde sowohl über die Präsidentschaftskandidaten, als auch über Senatoren und einige lokale Angelegenheiten abgestimmt. In Virginia Beach wurde zum Beispiel abgestimmt, ob man eine Straßenbahn bauen soll oder nicht. Die Bürger haben dagegen gestimmt, da es zu viel Geld kosten würde. Man muss sich vorher registrieren lassen, um wählen zu können. Gewählt wird in nahe gelegenen Kirchen, Schulen oder anderen öffentlichen Gebäuden.

Keine fünf Minuten

Am 8. November hatte ich keine Schule, da die Schule geschlossen war, weil sie als Wahllokal genutzt wurde. Mit meiner Gastmutter bin ich am Morgen zu unserer Kirche gefahren, wo sie wählen war. Die Wahlzettel sehen ähnlich aus wie in Deutschland und es hat wirklich nur fünf Minuten gedauert, bis sie wieder draußen war. Am Abend um 19 Uhr wurden dann die ersten Wahllokale an der Ostküste geschlossen und es wurde sofort mit dem Auszählen der Stimmen begonnen. Ich habe das mit meiner Gastfamilie im Wohnzimmer am Fernseher mitverfolgt.

Überraschung Trump

Interessant war, dass eher urbane Zentren vorwiegend demokratisch stimmen und die mehr ländlichen Gebiete der USA republikanisch. Durch die verschiedenen Zeitzonen in den Vereinigten Staaten wurden die Wahlergebnisse von Osten nach Westen ausgezählt, was sehr interessant war. Am nächsten Morgen stand dann fest, dass Donald Trump der nächste Präsident wird, womit ich, ehrlich gesagt, nicht gerechnet hätte.

In den letzten Tagen hat er sich jedoch überraschend diplomatisch und fair verhalten. Auch fand zum Beispiel ein Treffen von ihm mit Barack Obama statt. Am 20. Januar wird er dann seinen Amtseid schwören und damit zum nächsten Präsidenten der USA werden.

Oktober in Virginia

Moritz vor ACHTERBAHN

Moritz im Vergnügungspark Busch Gardens – © privat

Nach nun schon zwei Monaten, die ich in der USA lebe, habe ich schon so viel erlebt, dass es sich wie eine viel längere Zeit anfühlt. Zwar wird es langsam kälter, doch das Wetter hier in Virginia Beach wechselt immer noch von fast 30 Grad zu 15 Grad und wieder zurück. Oktober wird auch der Horrormonat genannt, da hier ja am 31. Oktober Halloween gefeiert wird. Überall sieht man passende Deko, Geisterhäuser und vor allem Kürbisse, die dann später gleich noch für Thanksgiving im November verwendet werden.

Religion in den USA

Anfang Oktober war ich mit der Jugend meiner Gemeinde in einem großen Freizeitpark: Busch Gardens. Wir verbrachten den ganzen Tag im Park und sind Achterbahnen gefahren. Zwischendurch fand ein Gottesdienst statt. Jeden Sonntag gehe ich mit meiner Gastfamilie zum Gottesdienst, der immer ungefähr eine Stunde dauert. Das war für mich völlig neu, doch daran hab ich mich jetzt schon gewöhnt. Der Gottesdienst im Freizeitpark war jedoch etwas völlig Unerwartetes. Fast alle meine Freunde sind religiös, die meisten sind christlich. Religion spielte in der Geschichte der USA seit Beginn an eine große Rolle und so findet man überall religiöse Einflüsse, wie beispielsweise den Spruch "In God we trust" – "Wir vertrauen in Gott".

Trump vs. Hillary

Ein Thema, das mich selbst gerade sehr beschäftigt: Die Präsidentscahftswahlen. Virginia ist ein Swing State, das bedeutet, die Mehrheit der Wähler wählt mal Demokraten und beim nächsten Mal vielleicht Republikaner. Es ist also nicht klar, wie die Präsidentschaftwahl in diesem Staat ausgehen wird. Bei der Wahl 2012 gewann mit einer knappen Mehrheit Barack Obama, doch historisch gesehen ist Virginia eher ein Republikaner-Staat. Ich kenne sowohl Leute, die für Donald Trump sind, als auch solche, die Hillary Clinton als Präsidentin haben wollen. Die Gründe sind verschieden: Trump sei gut für die Wirtschaft, Clinton sei die erfahrenere Politikerin, Trump sei nicht ernst zu nehmen, man könne Clinton nicht trauen. Doch letzte Woche hat Trump seinen Wahlkampf in Virginia praktisch aufgegeben, er wird kein Geld mehr in den Wahlkampf hier stecken.

Die Rolle von Staaten

Die 50 Staaten der USA sind kaum zu vergleichen mit den Bundesländern in Deutschland. Dies liegt vor allem an dem etwas anders aufgebauten föderalen System. Das heißt, die Regierungen der einzelnen Staaten haben im Prinzip genauso viel politische Macht wie der Congress (das US-Parlament, bestehend aus Senat und Repräsentantenhaus). So kann zum Beispiel jeder Staat in bestimmten Bereichen eigene Gesetze bestimmen – zum Beispiel bei Themen wie Fahrerlaubnis, Tempolimit oder Umweltschutz. Aber es gibt auch einige staatenübergreifende Gesetze. Anders als in Deutschland dürfen Jugendliche hier in Virginia mit fünfzehneinhalb Jahren anfangen mit Fahrstunden, frühestens 9 Monate später können sie ihre Fahrerlaubnis bekommen. Gleichzeitig ist das Mindestalter für Alkohol deutlich höher und zwar 21 Jahre.

Zwischen Schule, Kirche und Kampf-Jets

Moritz nach dem Bodyboarden

Moritz nach dem Bodyboarden an der amerikanischen Ostküste. – © Moritz Ludwig

Moritz und Football

Moritz' Gastfamilie ist begeistert von Football. – © Moritz Ludwig

Seit über drei Wochen bin ich jetzt in den USA und in der Zeit ist schon viel passiert. Nachdem ich in Norfolk gelandet war, hat mich meine Gastfamilie am Flughafen empfangen und wir waren als erstes Burger essen. Virginia Beach ist eine Stadt an der Ostküste des Landes und sehr grün. Das normale Bild einer amerikanischen Großstadt mit Wolkenkratzern und Stau kann man hier nicht finden.

Die ersten anderthalb Wochen hatte ich noch Ferien. Wir sind zum Strand gegangen, in die Blue Ridge Mountains, einem bergigen Naturpark, gefahren und waren in einem Camp auf der Delmarva-Halbinsel, einem dünn besiedelte Küstenstreifen am Atlantik. Meine Gastfamilie das sind meine Gasteltern, mein 16-jährigen Gastbruder und meiner 13-jährigen Gastschwester. In der kurzen Zeit sind sie mir echt ans Herz gewachsen.

Am 6. September ging die Schule los. Jeden Morgen fahre ich mit dem Schulbus zur First Colonial High School. Meine Fächer für das Jahr sind: Mathe Analysis, US-Geschichte, Meereskunde, US-Politik, Französisch, Business, Theater und Englisch. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Stundenplan und der Unterricht ist interessant.

Patriotismus in den USA

Überall in den USA begegne ich Patriotismus, oder auch Vaterlandsliebe. In jeder Straße, an fast jedem Haus und in allen Klassenzimmern findet man die Flagge der Vereinigten Staaten. Mir sind diese Sachen sofort aufgefallen, denn das kenne ich so gar nicht aus Deutschland. Nur während der Fußball-Weltmeisterschaft oder den Olympischen Spielen sieht man viele Flaggen.

Patriotismus wird in den USA eher mit positiven Eigenschaften verbunden, mit den Freiheitskämpfern und mit dem Land, das sich durch Vaterlandsliebe selber aufgebaut hat. Die Hymne der USA wird mit Stolz gesungen und jeden Morgen in der Schule die "Pledge of Allegiance"– das Treuegelöbnis der Nation – gesprochen.

Militär in Virginia

Virginia Beach und die Nachbarstadt Norfolk sind der Sitz einer Air Station für Kampfflugzeuge und dem Nato-Hauptquartier. Dementsprechend gibt es hier mehr Militär als in anderen Städten. Mindestens einmal in der Woche hört man Kampfflugzeuge über die Stadt fliegen.

Letzte Woche bin ich mit meiner Gastfamilie zur jährlichen Air Show gegangen, ein Event, bei dem man verschiedene Flugshows sehen und Kampfhubschrauber, wie auch -flugzeuge besichtigen kann. Einerseits war es echt cool, einen Blick auf die Maschinen zu werfen, doch wenn man kleine Kinder sieht, die für ein Foto ein Maschinengewehr in der Hand halten, fragt man sich schon, ob das so gut ist.

Football, Kirche und Musical

Meine Gastfamilie und besonders mein Gastvater sind große Football- und Baseballfans, weshalb wir oft die Spiele im Fernsehen schauen. Jeden Freitag ist ein Schulspiel, bisher war ich bei zweien und langsam verstehe ich die Regeln des Sports ein bisschen besser.

Jeden Sonntag gehen wir zum Gottesdienst in die Kirche. Das bin ich aus Deutschland zwar nicht gewöhnt, doch trotzdem finde ich das nicht schlimm, denn den Gottesdienst auf Englisch zu erleben ist für mich etwas ganz Neues.

Letzte Woche war das Vorsprechen für das Musical, das Ende Oktober an meiner Schule aufgeführt wird. Da die Try-outs für die Sportarten schon in den Ferien stattfanden, bin ich in keinem Sportteam und dachte mir, warum nicht etwas ganz Anderes ausprobieren? Die sogenannten Auditions liefen recht gut und nun bin ich einer von 20 Schülern, die jeden Tag für das Musical proben. Ich habe keine allzu große Rolle, bin damit aber sehr zufrieden.

Moritz

Moritz ais Niederndodeleben, hier noch in der Heimat. – © privat

Moritz aus Sachsen-Anhalt.

Ich heiße Moritz, bin 16 Jahre alt und komme aus Sachsen-Anhalt. Im Juni habe ich die 10. Klasse eines Gymnasiums abgeschlossen. Mein ursprünglicher Plan war es, nach meinem Abitur ein Auslandsjahr zu machen, doch dann stellte ein ehemaliger Stipendiat das PPP in unserer Schule vor. Ich habe mich daraufhin für ein Stipendium beworben, was jeweils nur ein Schüler oder Azubi pro Wahlkreis bekommt.
Ich mache gerne Sport und will in den USA eine neue Sportart ausprobieren. Außerdem mag ich Musik, ich spiele selber Klavier. An meiner Schule werde ich die Möglichkeit bekommen, aus einer Vielzahl von Sportarten auszuwählen, daneben gibt es aber auch viele andere Aktivitäten, wie zum Beispiel Theater.

Meine Stadt und mein Staat

Meine Gastfamilie habe ich schon im Mai, während einer meiner Vorbereitungstagungen zugeteilt bekommen. Ich komme in den Bundesstaat Virginia, welcher im Osten der USA liegt, südlich von Washington D.C. und nördlich von North Carolina. Virginia hat eine vielfältige Landschaft, mit den Blue Ridge Mountains im Westen, der Küste im Osten und dem Chesapeake Bay, das die Delmarva-Halbinsel vom Rest Virginias trennt. Einige Städte bilden im Südosten des Staates eine Metropolregion.

Die größte Stadt und Teil dieses Ballungsraumes ist Virginia Beach, mit rund 450.000 Einwohnern. Hier werde ich mein Auslandsjahr verbringen und auf die First Colonial High School gehen. Die Stadt hat einen 45 km langen Sandstrand und wird aufgrund der Nähe zum Atlantik und zum Chesapeake Bay auch Neptune City genannt, nach dem Meeresgott der römischen Antike.

Meine Gastfamilie besteht aus den beiden Gasteltern, meinem 16-jährigen Gastbruder und meiner 13-jährigen Gastschwester. Außerdem haben sie einen Hund und ein Aquarium. Wir haben schon oft geskyped und schreiben uns fast jeden Tag.

Weshalb ich ein Auslandsjahr in den USA mache

Die USA sind ein riesiges Land, dem man überall begegnet, ob in den Nachrichten, in der Weltpolitik oder bei den Olympischen Spielen. Es war schon immer ein Traum von mir, einmal in die USA zu fliegen und mir ein eigenes Bild davon zu machen. Das PPP-Stipendium war die einmalige Chance, diesen Traum wahr werden zu lassen. Vor allem politisch gesehen wird es ein spannendes Jahr, denn die Präsidentschafts-, Repräsentantenhaus- und Senatswahlen stehen im November an. Vielleicht bekomme ich auch die Möglichkeit, nach Washington D.C. zu kommen, denn meine Stadt liegt nur dreieinhalb Autostunden von der Hauptstadt entfernt.

Doch das Auslandsjahr geht nicht erst los, wenn ich in ein paar Tagen in den Flieger steige, sondern es begann schon als mich die Bundestagsabgeordnete Frau Waltraud Wolff im Februar als Stipendiat ausgewählt hat. Vielen Dank noch einmal dafür! In den letzten Monaten durfte ich zwei Vorbereitungstagungen besuchen, eine davon mit 29 anderen PPP-Stipendiaten in Berlin, bei der wir viel über die deutsche und die amerikanische Kultur erfahren und außerdem Berlin und den Bundestag besichtigt haben. Die Vorbereitungstagungen haben mir die Angst und Nervosität in Bezug auf das Neue genommen, das mich in der USA erwartet.

Kommentare

 

Moritz schrieb am 14.11.2016 16:11

Hallo Alena, Sei einfach selbstbewusst und freundlich, du musst dich nicht großartig darauf vorbereiten. Was abgefragt wird ist jedes Mal anders, es geht auch gar nicht so groß darum, was du sagst, sondern eher ob du geeignet für das Stipendium bist. Viel Glück!

 

 

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