Inhalt


Recherche im Zentrum der Macht

Seit 2003 gibt es den Jugendmedienworkshop im Deutschen Bundestag. 30 Nachwuchsjournalisten bekommen seitdem jedes Jahr die Gelegenheit, unter der gläsernen Kuppel zu recherchieren. Anne war 2011 dabei und berichtet für mitmischen.de von ihrer Workshop-Woche.

Die junge Autorin Anne Wirt in der Besucherkuppel des Deutschen Bundestages

Der Medienworkshop in Berlin führte Anne auch in die Reichstagskuppel. – © Anne Wirth


Berlin – Heimat von Stars, Sternchen und außerdem das Zentrum der deutschen Politik. Hier lebt die Bundeskanzlerin, und hier werden im Bundestag Gesetze beschlossen. Einen Blick hinter die Kulissen des politischen Berlins kann man nicht einfach so werfen – eine perfekte Gelegenheit ist allerdings der Jugendmedienworkshop, den der Bundestag, die Bundeszentrale für politische Bildung und die Jugendpresse jährlich veranstalten. "Da rein" darf, wer eine Aufgabe erfüllt und damit überzeugt. In diesem Jahr war das ein Beitrag zum Thema "Zwischen facebook und Parteibuch. Politische Partizipation im 21. Jahrhundert". Nicht wirklich mein Thema – und trotzdem tippte ich 3000 Zeichen.

Jackpot geknackt

Einige Wochen später landete dann tatsächlich die Zusage in meinem Mailpostfach. Die Freude war groß. Aus über 200 Teilnehmern wurden 32 "Gewinnertexte" herausgefiltert. Und meiner gehörte tatsächlich dazu! Unser aller Hauptpreis: eine Woche Berlin mit allem Drum und Dran. Stadtrundfahrt, Kuppelrundgang, Diskussionsrunden, Hospitationen bei den wichtigsten Hauptstadtmedien und Treffen mit Parlamentariern.

Jeden Tag trafen wir bekannte, medienmachende Personen, darunter Eva Haacke vom Pressereferat des Deutschen Bundestages und den Journalisten Christoph Hickmann aus dem Hauptstadtbüro des "Spiegel". Beide berichteten exklusiv für uns aus ihrem Arbeitsalltag und stellten sich unseren neugierigen Fragen. Wir lernten, wie Pressearbeit funktioniert und was "Kuppel-Journalismus" so ausmacht. Für alle, die in diesem Jahr nicht dabei waren, hier eine kurze Zusammenfassung: Nichts geht über Kontakte, und Brötchen gibt's ständig und überall.

Bei Hospitationen in verschiedenen Berliner Redaktionen, etwa von ARD, RTL  oder dpa, ging es dann mitten rein in die praktische Arbeit. Mein persönliches Highlight: Ein Tag an der Seite von Martina Fietz, der parlamentarischen Korrespondentin bei "Focus Online". Ob Fernsehinterview im ARD Hauptstadtstudio, Recherchearbeit im Bundestag oder das anschließende Texten in der "Focus"-Redaktion, ich war immer mit am Start. Anschließend nahm sich Martina Fietz noch Zeit für meinen Berg an Fragen. An dieser Stelle: Danke fürs geduldige Beantworten und den Cappuccino!

Ein wenig elitär

Locker 60 Prozent der Zeit verbrachten wir allerdings in Bundestagsgebäuden. Knallrote Presseausweise verschafften uns überall Zutritt. Dank der kleinen Plastikkarte durften wir sogar, schwupps, an der knipsenden Touristen-Meute vorbeispazieren – die neidischen Blicke gab's inklusive.

Der Besuch im Plenum ließ uns Angela Merkel, Norbert Lammert und Co. mal ganz in Echt und aus der Nähe bestaunen – und bei der Debatte zur Kernenergie lernten wir dann, dass es im Bundestag heftig zugehen kann. (Franz-Walter Steinmeier von der SPD zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU/CSU): "Reagieren Sie doch nicht so angefressen!") Donnergrollen und Blitze im Plenarsaal – okay, nur im übertragenen Sinn, aber trotzdem spannender als jede Nachmittagssendung im Fernsehen! Und da wurde mir klar: Zwischen Mitarbeitern und Redakteuren fühlte ich mich schon richtig wichtig. Eben wie ein wahrer Hauptstadtredakteur.

Nachtschicht

Ob exklusives Mittagessen mit Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) oder einfach was Leckeres im Besucherrestaurant mit den anderen aus dem Workshop – der knurrende Journalistenmagen wurde stets verwöhnt. So gestärkt konnten wir dann auch die Nachtschichten antreten. Täglich um 19 Uhr wurde die Redaktionssitzung für die Veranstaltungszeitung "politikorange" eingeläutet – und oft genug erst spät beendet. Doch die durchgearbeiteten Nächte und der Schlafentzug haben sich allemal gelohnt. Wie auch der ganze Workshop. Wer wirklich Journalist werden will, dem kann ich nur empfehlen, hier Hauptstadtluft zu schnuppern.


Kommentare

 
 

Dein Kommentar