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Ein Ort zum Abschiednehmen

29.09.2011 |

Das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin ist ein Ort zum Sterben. Schwerst- oder unheilbar kranke Kinder und Jugendliche finden dort mit ihren Angehörigen pflegerische und psychologische Unterstützung. Die Kinderkommission des Bundestages hat sich dort am Mittwoch, 28. September 2011, über die Arbeit von Kinderhospizen informiert – und viel gelernt über den Umgang mit dem Tod.


Die KiKo zu Besuch im Kinderhospiz

Der Teich der Erinnerung im Garten ist gemeinsamer Treff- und Ruhepunkt für Eltern und Kinder.
Ein Element zurück

Der Teich der Erinnerung im Garten ist gemeinsamer Treff- und Ruhepunkt für Eltern und Kinder. – © Timo Schmidt



Wie beginnt man einen Text über das Sterben? Mit dem Teddybären, der vor der Tür des Raumes sitzt, immer dann, wenn dort Angehörige Abschied nehmen von ihrem Kind? Oder mit den Namen der Verstorbenen auf den bemalten Steinen im Gartenteich des Sonnenhofs? Mit der dicken, weißen Kerze im Wintergarten, die bei jedem Tod angezündet wird? Vielleicht mit nichts davon, weil es im Sonnenhof, einem Kinderhospiz der Björn-Schulz-Stiftung in Berlin-Pankow – benannt nach dem verstorbenen Sohn des Gründers – nicht nur ums Sterben geht, sondern ums Leben.

Die gemeinsame Zeit genießen

Die Kinder, die mit ihren Familien hierher kommen, sind sehr schwer oder unheilbar krank. Manche haben noch einige Jahre, manche nur noch zwei Wochen zu leben. In dem alten, blassgelben Gebäude am Stadtrand mit seinem kleinen Park, der Terrasse und dem Streichelzoo haben sie einen Ort, um Abschied zu nehmen. Um die gemeinsame Zeit zu genießen. Es gibt Pfleger und Pädagogen, die sich um die Kranken kümmern – genauso wie um ihre Geschwister, Eltern oder Großeltern.

"Die emotionale Belastung ist hoch, aber die Arbeit mit den Menschen hier ist sehr bereichernd", sagt Nils Groß. Der Pädagoge arbeitet seit drei Jahren im Sonnenhof und hat Erfahrung im Abschiednehmen. "Mit solchen Situationen geht jeder anders um und jeder Fall ist  individuell. Mir hilft der klare Ablauf, der sich in Gang setzt, wenn eines der Kinder stirbt: Erst wird der Arzt gerufen, dann der Bestatter, es folgt die Waschung, das Kind kommt in den Abschiedsraum". Nach der Beerdigung kümmern sich Psychologen um die Angehörigen und auch für die Mitarbeiter gibt es Gespräche.

Es gibt keine spezielle Ausbildung für die Arbeit in Hospizen, die Mitarbeiter werden im Beruf zu Experten fürs Abschiednehmen. Nils Groß war selbst an Krebs erkrankt und will den Kindern und ihren Angehörigen das geben, was für ihn in dieser Zeit wichtig war. "Diesen Beistand können viele Freunde und Verwandte nicht leisten, weil sie die Situation nicht kennen."

Der Sonnenhof ist für alle offen

Die Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu tun – das ist es meistens, was Menschen im Umgang mit dem Tod hemmt. "Viele meiden das Thema, wollen damit nicht in Berührung kommen", sagt Nicole Bracht-Bendt. Die FDP-Abgeordnete ist die neue Vorsitzende der Kinderkommission des Bundestages. Als eines der drei Schwerpunktthemen für ihre neunmonatige Amtszeit hat sie "Kinder und Trauer" gewählt – ein Thema, das in ihren Augen noch zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.

An diesem Tag ist sie mit anderen Mitgliedern der Kommission zu Besuch im Sonnenhof. "Die Offenheit dieses Hauses finde ich toll", sagt sie. Den Streichelzoo, zum Beispiel, besuchen auch Kinder aus der Nachbarschaft. Zu den Begegnungsfesten jeden Freitag kommen genauso Familien, deren Kinder nicht mehr im Sonnenhof sind. Und das Schwimmbecken im Untergeschoss nutzen auch junge Mütter mit Kleinkindern aus der Umgebung.

Die KiKo will Kinderhospize unterstützen

"Was die Akzeptanz angeht, gibt es noch viel zu tun. Aber ich habe das Gefühl, dass die Gesellschaft darauf wartet, wachgerüttelt zu werden", sagt Frauke Frodl, Pressesprecherin des Sonnenhofs. Immer öfter melden sich bei ihr Schulklassen, die den Sonnenhof mit Spendenaktionen unterstützen wollen, oder Menschen, die sich mit praktischem Einsatz einbringen. "Die neue Teichanlage war zum Beispiel so ein Helfer-Projekt", sagt Pia Heinreich, die Leiterin des Pflegebereichs.

Auf solche Unterstützung ist der Sonnenhof angewiesen. Bis zu 1,5 Millionen Euro sind im Jahr an Spendengeldern nötig, um auch die Versorgung der Angehörigen sicherzustellen. Denn Hospize bekommen nur Geld für die Patienten, wie Sabine Kraft erklärt, die Geschäftsführerin des Bundesverbandes Kinderhospiz e.V. Dazu kommen im Sonnenhof aktuell die Umbauarbeiten, die notwendig sind, um die Pflegeplätze von sieben auf zwölf zu erhöhen.

Die Kinderkommission wird nun prüfen, wie sie die Kinderhospiz-Arbeit unterstützen kann. Denn ein würdevoller Abschied, der steht in Deutschland sogar gesetzlich jedem Menschen zu. Der Zeichner Peter Gaymann hat dazu für die Bundesstiftung Kinderhospiz folgendes Bild gemalt: Ein Kind liegt in einem Krankenbett. Über ihm eine Traube bunter Luftballons, die es gen Himmel tragen. Und im Gesicht ein Lächeln.


Kommentare

 

Antonietta schrieb am 19.08.2012 03:25

I read your post and wished I'd wriettn it

 

 

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Die Autorin

Schwarz-Weiß Bild eines Mädchens mit lockigen Haaren

Anna Frey (25)
Studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft


 

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