Inhalt


Theater macht Schule

Bühne statt Bundestag: Die Kinderkommission (KiKo) hat sich an einer Berliner Grundschule über das Projekt "TUSCH Theater und Schule Berlin" informiert, mit Pädagogen und Schülern diskutiert – und gelernt, wie sich Kinder für Kultur begeistern lassen.


Vorhang auf für die KiKo!

Nicole Bracht-Bendt (FDP, rechts) lud die Schüler zum Gegenbesuch in den Bundestag ein.

Nicole Bracht-Bendt (FDP, rechts) lud die Schüler zum Gegenbesuch in den Bundestag ein. – © Carolin Weinkopf



Berlin-Steglitz am späten Nachmittag: Obwohl die meisten Schüler schon auf dem Heimweg sein müssten, hallen Schritte, Musik und ein Lachen durch die Gänge der Rothenburg-Grundschule. Der "Lärm" kommt aus der Aula. Dort erwartet ein Dutzend Grundschüler außergewöhnliche Gäste.

Der neunjährige Jonathan hat gleich einen Auftritt. Er ist "etwas aufgeregt", denn im Publikum sitzen am 25. Januar 2012 nicht nur Lehrer und die Schulleiterin, sondern auch Mitglieder der Kinderkommission (KiKo), Mitarbeiterinnen des Deutschen Bundestages und Pressevertreter. Die KiKo beschäftigt sich zurzeit schwerpunktmäßig mit Kultur für Kinder und will sich hier vor Ort einen Eindruck verschaffen, wie sich Kinder dafür begeistern lassen, denn in den Augen der Abgeordneten kommt das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung zu kurz. "Ich wünsche mir, dass alle Kinder in den Genuss kommen können, Theater zu spielen", sagt die KiKo-Vorsitzend Nicole Bracht-Bendt (FDP).

"Auf der Bühne macht man nichts falsch"

Selbstbewusst platzieren sich die Jungen und Mädchen auf der großen Bühne. Der Raum wird abgedunkelt, immer lauter werdende Musik erklingt – es geht los: Die jungen Schauspieler umarmen sich, streiten sich und hüpfen so hoch, dass die Bühnenbretter knallen. Ob ein Familientreffen, bei dem der Großvater plötzlich verschwindet, oder ein Kinobesuch mit Freunden: Die Schüler zeigen verschiedene Stücke, die alle mit Reichtum zu tun haben – in all seinen Facetten. Bracht-Bendt und ihre Kollegen verfolgen gebannt die Texte und Choreografien der jungen Künstler, die nach der Vorstellung viel Applaus ernten.

Anschließend beraten sich die Schauspieler in großer Runde: Was war gut, was kann verbessert werden? "Man gibt sich Tipps, konstruktive Kritik wird aufgenommen und eingebaut. Sie hilft den Schülern, sich zu verbessern", berichtet die Theaterpädagogin Eva-Maria Bartholomäus. Fehler im eigentlichen Sinne gebe es nicht: "Auf der Bühne macht man nichts falsch."

Ein Netzwerk der kulturellen Bildung

"Theater und Schule", kurz TUSCH, ist ein Netzwerk der kulturellen Bildung, an dem sich 123 Berliner Schulen und 36 Berliner Bühnen beteiligen. Die Schulen und Theater gehen jeweils eine dreijährige Partnerschaft ein. TUSCH initiiert diese, unterstützt sie inhaltlich, organisatorisch und finanziell.

Die Schüler der Rothenburg-Schule betreuen Profis vom Grips-Theater. "Die Zusammenarbeit mit den Kindern ist eine gelungene Abwechslung", findet Anne Herrmann, 27, die die Gruppe anleitet. Die Stücke werden im März beim TUSCH-Festival zu sehen sein. Dafür probt die Berlinerin einmal pro Woche mit den Nachwuchsschauspielern. "Unsere Schüler gewinnen durch den lebendigen Austausch mit den Theaterprofis Impulse für ihre Entwicklung. Sie können sich besser ausdrücken, ihre Fantasie wird geschult", erklärt die Theaterpädagogin Bartholomäus.

Kinder für Kunst sensibilisieren

Die KiKo-Vorsitzende will von den Schülern wissen, was Theater für sie bedeutet. "Lebensfreude, Spaß, Ablenkung und Zusammenarbeit", lautet die Antwort. "Man kann rumalbern und in andere Rollen schlüpfen." Am Anfang habe es noch Vorbehalte gegenüber dem Projekt gegeben, die jedoch schnell abgebaut worden seien: Theater sei "nichts Handfestes" und  liege nicht jedem. Inzwischen haben sich sogar Eltern zu einer eigenen Schauspielgruppe formiert.

TUSCH bringe die Schüler auf vielfältige Weise der Bühnenkunst, dem Theater als Kunstort und der künstlerisch-ästhetischen Auseinandersetzung mit aktuellen Themen näher, erklärt die Schulleiterin Brigitte Heinze.

Theater verbindet

Jörn Wunderlich, stellvertretendes KiKo-Mitglied, bedankt sich bei den Schülern für deren Mut. Er könne sich noch genau an seine erste Rede im Plenum des Bundestages erinnern, erzählt der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion. Damals sei er sehr nervös gewesen, "vor all den Menschen und dem Fernsehen zu sprechen". Jonathan versteht das nur zu gut: "Die Aufführungen sind ja vor freiem Publikum und das ist ganz komisch, weil ich jedem Menschen, der zugucken will, zeige, was ich drauf habe."

Die Kinderkommission wird nun prüfen, wie sie die kulturelle Arbeit an Schulen fördern kann. "Wir werden am Ende einen Bericht schreiben. Ich für meinen Teil wünsche mir, dass alle Kinder Zugang zu kulturellen Aspekten bekommen", resümiert die Vorsitzende Bracht-Bendt.


Kommentare

 
 

Dein Kommentar



Artikel bewerten: