Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages kümmert sich seit 1988 um die Belange der Kinder. Sie sorgt dafür, dass Kinder zu ihren Rechten kommen. Als Unterausschuss des Familienausschusses zählt die Kinderkommission fünf Mitglieder – ein Mitglied von jeder Fraktion. In einer Wahlperiode wechseln sich diese fünf alle neun Monate ab. Nach Michaela Noll (CDU/CSU) hat Marlene Rupprecht (SPD) am 31. Juli 2007 den Vorsitz an ihre Nachfolgerin Miriam Gruß (FDP) übergeben. Auf einer Pressekonferenz im Jakob-Kaiser-Haus im Deutschen Bundestag haben die alte und die neue Vorsitzende die Arbeit der Kinderkommission vorgestellt.
© DBT/DorschHatte neun Monate den Vorsitz: Marlene RupprechtNeun Monate hatte die SPD-Abgeordnete Marlene Rupprecht die KiKo, wie die Kinderkommission auch genannt wird, geleitet. Nun wechselte der Vorsitz: Für die kommenden neun Monate wird Miriam Gruß (FDP) die KiKo leiten. Den anlässlich des Wechsels zahlreich erschienenen Pressevertretern im Jakob-Kaiser-Haus gewährte die scheidende Vorsitzende Marlene Rupprecht einen Rückblick.
Wie alle fünf Mitglieder der KiKo hat sich auch Marlene Rupprecht Schwerpunkte gesetzt, die in ihrer Zeit als Vorsitzende in den Mittelpunkt gerückt waren: Gesundheit, Behinderung und die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention. Neben diesen Bereichen standen in den vergangenen Monaten aber auch immer wieder aktuelle Diskussionen im Raum, zum Beispiel der so genannte Kinderlärm. Den fünf Mitgliedern der KiKo saßen im März 2007 fünf Experten gegenüber, mit denen sie gemeinsam nach Lösungen gesucht haben. Können Kinder überhaupt Lärm machen? Gehören Babygeschrei, Kinderstimmen, Toben und lautes Spielen vielleicht einfach zum Großwerden? Und wie viel Rücksicht müssen Kinder auf andere nehmen? Fragen, über die die Meinungen geteilt sind. Manche Erwachsene könnten mit Kindern nicht viel anfangen, sagt Rupprecht – sie seien schlicht "kinderentwöhnt". Rupprecht, selbst Mutter einer inzwischen erwachsenen Tochter, hat selbst viele Jahre als Lehrerin gearbeitet und täglich mit Kindern und Jugendlichen – und sicher einer Menge Lärm – zu tun gehabt.
Rechte verankern
© picture-alliance/ dpaDie KiKo möchte Kinderrechte im Grundgesetz verankernDie KiKo will sich weiterhin dafür einsetzen, dass Kinderrechte im Grundgesetz verankert werden sollen. In diesem Zusammenhang soll etwa Artikel 6 des Grundgesetzes erweitert werden. Hier ist unter anderem festgehalten, dass Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung stehen und dass die Eltern das Recht und die Pflicht haben, ihre Kinder zu pflegen und zu erziehen. Hier soll nach der Vorstellung der KiKo ein weiterer Absatz eingefügt werden: "Jedes Kind hat ein Recht auf Entwicklung und Entfaltung seiner Persönlichkeit, auf gewaltfreie Erziehung und auf den besondern Schutz vor Gewalt, Vernachlässigung und Ausbeutung. Die staatliche Gemeinschaft achtet, schützt und fördert die Rechte des Kindes und trägt Sorge für kindgerechte Lebensbedingungen".
Was wollen Kinder selbst?
© photocaseMehr als bisher sollen auch die Vorstellungen der Kinder selbst Beachtung finden. Deshalb wird im Herbst 2007 die erste Kinderstudie erwartet. Bisher gibt es vor allem Studien, die Jugendliche zwischen 12 und 25 Jahren unter die Lupe nehmen, etwa die so genannte Shell-Studie. In der World Vision Kinderstudie sollen Lebenssituation, Träume, Wünsche und Perspektiven von Kinder zwischen drei und zwölf Jahren erforscht werden. Durchgeführt wird die Kinderstudie unter anderem vom Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, der auch an der Jugendstudie mitgewirkt hat.
Mobilität und Kultur fördern
Die neue KiKo-Vorsitzende Miriam Gruß (FDP) stellte den Journalisten ihre Schwerpunkte vor: "Kinder und Mobilität", "Kinder und Kultur" sowie "Kinder und Alltag".
© DBT/DorschMiriam Gruß (FDP)Wenn die Eltern an verschiedenen Standorten seien, müsse das Kind die Möglichkeit haben, Mutter und Vater zu jeder Zeit besuchen zu können, sagte Gruß. Egal ob mit dem Flugzeug oder der Bahn. Kinder könnten zwar schon jetzt alleine reisen, aber das Angebot müsse noch ausgebaut werden. Um das voranzutreiben, will die KiKo demnächst Vertreter von Fluglinien und der Deutschen Bahn einladen. Neben der Mobilität von Kindern will Gruß in ihrer Amtszeit aber auch die kulturelle Bildung fördern. Der Grund: Musik, Bewegung und Kunst führen unter anderem zu einer besseren Konzentration, mehr Teamgeist und Durchsetzungsvermögen.
Immer dabei: der KiKo-Adler
Zum Vorsitzwechsel fehlte nur noch eins: der Adler!
Symbolisch erhielt die neue Vorsitzende der Kinderkommission vor den Pressevertretern den "Kiko-Adler", ein ungefähr 30 Zentimeter großes weiß-braunes Stofftier mit gelben Füßen,
© DBT/Dorscheinem gelben Schnabel und einer Kette um den Hals, auf der das Wort "KiKo" zu lesen ist. Die Kinderversion des Bundestagswappens hat die KiKo vor dem Vorsitz von Marlene Rupprecht auch schon während der Amtszeit von Michaela Noll (CDU/CSU) als Vorsitzende begleitet. Nun erhält Miriam Gruß das symbolträchtige Plüschtier. Für die Kinderexpertinnen ist die Adler-Figur nicht ohne Bedeutung: Das Stofftier ist zwar kuschelig-weich und zum Liebhaben gerade richtig. Nicht zufällig hat der Adler aber auch einen Schnabel und Krallen. Damit man bei Bedarf die Krallen zeigen und immer wieder nachbohren kann...