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Bericht // Öffentliche Anhörung bei der KiKo

Visionen gegen Kinderarmut

Kinderarmut bedeutet Mangel an Geld, aber auch an Bildung, Gesundheit und Integration in die Gesellschaft. Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages, die das Thema "Kinderarmut“ zu einem ihrer Arbeitsschwerpunkte erklärt hat, wollte von Experten wissen, wie man Kinderarmut überwinden kann. Dazu lud sie am 5. November 2008 sechs Sachverständige zu einer Ausschusssitzung in den Bundestag ein.

Mitglieder der Kinderkommission © DBT/MenzelMitglieder der KiKoIn einem Punkt waren sich die Experten einig: Der Hartz-IV-Regelsatz für Kinder muss erhöht werden. Zur Zeit stehen Kindern bis 14 Jahren 211 Euro, älteren Kindern 281 Euro im Monat zu. "Die Regelsätze sind viel zu niedrig“, fasste Marion von zur Gathen das Ergebnis eines Gutachtens des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zusammen, der vor allem die Berechnungsweise des Bedarfs kritisiert: Kindern stehen 60 Prozent vom Erwachsenenregelsatz zu. Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert, dass der Kinderregelsatz sich an den Lebenshaltungskosten von Kindern orientiert und errechnet in seinem eigenen Vorschlag Kinderregelsätze in Höhe von 276 bis 358 Euro, gestaffelt in drei Altersgruppen.

Vision Grundsicherung
Als Vision für die Zukunft stellte Barbara König, die Geschäftsführerin des im Jahr 2002 auf Initiative der Arbeiterwohlfahrt gegründeten Zukunftsforums Familie, das Modell einer Kindergrundsicherung vor. Die Kindergrundsicherung soll alle bisherigen Förderungen wie Sozialleistungen, Kindergeld oder Steuerfreibetrag ersetzen. Diskutiert würde in Fachkreisen ein monatlicher Betrag zwischen 300 und 500 Euro. "Ein solches Modell braucht Mut“, gab König zu.

Geladene Sachverständige in der Anhörung. © DBT/MenzelSechs Sachverständige nahmen Stellung.Unterstützung erhielt sie von Prof. Dr. Ronald Lutz von der Fachhochschule Erfurt. Er sprach sich für eine Kindergrundsicherung aus, die sich am tatsächlichen Bedarf an Ernährung, Kleidung, Bildungs- und Freizeitangeboten orientiert. „Erschöpfte Familien“ müssten zudem mehr Hilfsangebote erhalten, zum Beispiel durch den Einsatz von Ehrenamtlichen.

Alleinerziehende öfter arm 
Auch der Verband der Alleinerziehenden sieht Potenzial in einer bedingungslosen Grundsicherung für alle Kinder: „Eine Kindergrundsicherung könnte auch die Unterhaltsproblematik entschärfen“, erklärte Verbandsreferentin Sabine Schutter. Sie wies darauf hin, dass Alleinerziehende die „größte und dauerhafteste Gruppe“ sind, die von Armut betroffen ist.

Geld und Bildung
Brauchen Kinder mehr Geld oder mehr Bildung? „Nur beides zusammen ist eine sinnvolle Strategie“, sagte Barbara König vom Zukunftsforum Familie e.V., die dieses "Entweder-oder-Denken" kritisierte. Würde man zum Beispiel armen Familien einen Kochkurs zu gesunder Ernährung anbieten, bräuchten die Familien auch das Geld, um entsprechende Lebensmittel einkaufen zu können - umgekehrt ist Geld keine Garantie für gesunde Ernährung, wenn man nicht weiß, wie man sich gesund ernährt.

Modellprojekt aus NRW
Mitglieder der Kinderkommission © DBT/MenzelDie KiKo hatte einige Nachfragen.Prävention statt Reaktion lautet die Devise eines Vorzeigeprojektes, das Annette Berg vom Jugendamt Monheim am Rhein vorstellte. Eine Armutsfolge, die durch das kommunale Modell „Mo.Ki - Monhein für Kinder“ bekämpft werden soll, sind die niedrigen Bildungsabschlüsse. Seit 2002 wurde dazu die Kinder- und Jugendhilfe in Monheim systematisch umgebaut. Kinder und Jugendliche werden nun von der Geburt bis zur Berufsausbildung gestärkt, Eltern unterstützt und begleitet, Fachkräfte qualifiziert und ein Netzwerk aufgebaut. „Alle Akteure, die Kontakt mit Kindern haben, werden einbezogen“, betonte Berg.

Eltern brauchen Arbeit
Als Hauptursache von Kinderarmut diagnostiziert der Deutsche Gewerkschaftsbund in seiner Stellungnahme das Fehlen von Erwerbseinkommen in den Familien. Die arbeitsmarktpolitische Frage „Was wird getan, um Eltern zu integrieren?“, bezeichnete Dr. Wilhelm Adamy vom Deutschen Gewerkschaftsbund daher als wichtigen Ansatzpunkt. Außerdem fordert der Gewerkschaftsbund eine bundesweite Lernmittelfreiheit für alle Kinder während der gesamten Schulzeit.  

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