In aller Stille wurde heute, am ersten Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden, der Opfer vom 11. März 2009 gedacht. Bei einer Trauerfeier mit Bundespräsident Horst Köhler erinnerten Schülerinnen und Schüler an die Toten. Der nach dem Amoklauf von Winnenden eingesetzte Sonderausschuss im baden-württembergischen Landtag hatte am Dienstag seinen Abschlussbericht vorgestellt. Darin empfiehlt er deutlich mehr Stellen für Beratungslehrer und Schulpsychologen.
Die Zahl der Schulpsychologen müsse auf 200 verdoppelt werden, forderte der Vorsitzende des Ausschusses, Christoph Palm (CDU), bei der Vorstellung des 881 Seiten starken Abschlussberichts am Dienstag in Stuttgart. Zudem müsse das Land 250 zusätzliche Stellen für Beratungslehrer schaffen. Der Ausschuss schlägt zudem vor, einen Studiengang "Schulpsychologie" in Baden-Württemberg einzuführen. Ein neues "Kompetenzzentrum des Landes" soll die schulpsychologische Betreuung koordinieren. Weiterhin soll das Land schnell ein verbindliches Gewaltpräventionsprogramm anbieten. Dabei gehe es vor allem um die enge Zusammenarbeit von Schülern, Lehrern und Eltern.
Einheitliche Warnsignale
Außerdem sollen laut Palm zwei einheitliche Warnsignale für Schulen entwickelt werden. Eines solle signalisieren "alle raus", das andere "alle im Klassenzimmer bleiben und verriegeln", erläuterte er. Zudem soll die Entwicklung eines elektronischen Alarmsystems unterstützt werden. Handys oder E-Mail-Verkehr seien dafür nicht ausreichend geeignet, betonte Palm. Insgesamt legte der Ausschuss 100 Empfehlungen vor, bei 77 davon stützte er sich auf Empfehlungen des Expertenkreises der Regierung. Palm zufolge könnten die Vorschläge innerhalb von drei bis fünf Jahren umgesetzt werden. Dies würde gut 30 Millionen Euro pro Jahr kosten. Die Landesregierung habe bereits signalisiert, für schnelle Maßnahmen schon im Mai in einem Nachtragshaushalt Geld zur Verfügung zu stellen.
"Kein einheitliches Täterprofil"
Ziel des Ausschusses sei es gewesen, "Amokläufe weniger wahrscheinlich zu machen", stellte Palm klar. Eine komplette Vermeidung solcher Taten sei eine "Illusion". Bei der Prävention müsse man möglichst früh ansetzen, um Warnsignale zu entdecken. "Ein Amoklauf ist keine Kurzschlusshandlung." Die CDU-Obfrau im Ausschuss, Sabine Kurtz, sagte, ein Ergebnis der Arbeit sei, dass es kein "einheitliches Täterprofil" gebe. Daher sei "keine zielgerichtete Amokprävention" möglich. Der Konsum gewalttätiger Medieninhalte etwa sei nicht allein ursächlich für eine solche Tat. Ein Verbot sei daher "nicht der Schalter, den man umlegen kann". Nach Ansicht der CDU treffe das auch auf ein Verbot von Waffen zu. SPD und Grüne hingegen hatten vergeblich für schärfere Waffengesetze plädiert.
Fünf Themenfelder
Der Ausschuss hatte sich mit fünf Themenfeldern befasst: Gewaltprävention, Zugang zu Waffen, Gewaltdarstellung in Medien, Sicherheitsmaßnahmen an Schulen sowie die Stärkung des Erziehungsauftrags der Eltern. Der 18-köpfige Ausschuss hatte sich zehn Monate lang mit den Konsequenzen aus dem Amoklauf beschäftigt. Dabei wurden 16 Experten gehört sowie Betroffene, Verbände und Kirchen.
(Quellen: ddp/dpa)