Priska Hinz ist Sprecherin für Bildungs- und Forschungspolitik der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen und Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Bundestages. Ihr Standpunkt zum Thema "Bildungspolitik":
Keine Bildung? Keine Chance!
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Priska Hinz (Bündnis 90/ Die Grünen)„Schule - und dann?“ Zur Schule gehen müssen alle, schließlich herrscht in Deutschland Schulpflicht. Aber was dort und was danach passiert, ist noch immer ungerecht und unzureichend.
In Bildung und Ausbildung investieren
Alle sprechen davon, wie wichtig eine gute Aus- und Weiterbildung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene wie auch für die Gesellschaft und die Wirtschaft sind. Aus diesen Erklärungen und Sonntagsreden müssen dann aber auch politische Taten folgen. Und dabei geht es dann auch ums Geld! Wir Grüne wollen deshalb mit einem Bildungssoli die Bildungsinfrastruktur im ganzen Land fördern. Schulen, Berufsschulen, Hochschulen, sie alle brauchen mehr Mittel für bessere Angebote.
Lebenslanges Lernen fördern
Gute Bildung beginnt bereits im Vorschulalter. Deshalb wollen die GRÜNEN den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab einem Jahr durchsetzen. Bessere Ausbildung der Erziehungskräfte und mehr Qualität durch Bildungspläne und kleinere Gruppengrößen ist notwendig, um die individuelle Förderung schon früh zu beginnen. Längeres gemeinsames Lernen, die Unterstützung eines jeden Schülers, jeder Schülerin um die Bildungsstandards des mittleren Schulabschlusses zu erreichen, ist der nächste Schritt. Und nach der Ausbildung sind die Rahmenbedingungen für Weiterbildung zu verbessern. Ein Erwachsenen-Bafög und qualifizierte Beratung für Weiterbildung ist unabdingbar.
Allen die Teilhabe ermöglichen
Unser größtes Problem ist und bleibt die Ungerechtigkeit im Bildungssystem. Alle internationalen Untersuchungen zeigen, dass es keine Chancengerechtigkeit für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und aus bildungsfernen Schichten gibt. In Deutschland haben Arbeiterkinder bei gleicher Leistung noch immer eine fast dreimal kleinere Chance, ein Gymnasium zu besuchen, als Akademikerkinder.
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Mit dem Ganztagsschulprogramm hat Rot-Grün 2003 begonnen, mit der Chance auf mehr individuelle Förderung und besseres Lernen gegen diesen Skandal anzugehen. Statt hier weiterzumachen, hat die Große Koalition durch die Föderalismusreform 2006 neue Initiativen dieser Art praktisch verboten. Seitdem zeigen die Länder wenig eigene Anstrengungen, um die Ungerechtigkeit und Vergeudung menschlicher Potenziale endlich zu beenden. Deswegen fordern wir, dass sich Bund und Länder beim Bildungsgipfel im Oktober verbindliche Ziele setzen, wie unser Bildungssystem gerechter und besser werden kann.
Schulabschluss durch Produktionsklassen erleichtern
Auch in diesem Jahr haben längst nicht alle Jugendlichen die Schule mit einem Abschlusszeugnis verlassen. Ohne Schulabschluss gibt es aber keinen Ausbildungsplatz. Deswegen fordern wir: Der Schulabschluss muss in Produktionsklassen angeboten werden. Dort wird nicht theoretisch gelernt, sondern im Arbeitsprozess. Das hilft vielen beim Lernen und fast alle schaffen unter diesen Bedingungen den Abschluss.
Bildungsschritte statt Warteschleifen
Selbst für die Jungendlichen, die einen Hauptschulabschluss geschafft haben, gibt es noch immer nicht genügend Ausbildungsplätze. Da helfen weder Ausbildungspakt noch Ausbildungsbonus. Die gesamte Berufsausbildung muss neu strukturiert und in Modulen organisiert werden. Dabei bleibt das Berufsprinzip durch die Kammerabschlussprüfung erhalten. Jeder einzelne Ausbildungsschritt muss anerkannt werden, damit die Warteschleifen endlich abgeschafft werden.
Das Geld, das bisher in das Wirrwarr von Übergangsmaßnahmen gesteckt wird, kann für zusätzliche Ausbildungsplätze an überbetrieblichen Ausbildungsstätten (ÜBA) verwendet werden. Dort lernen Auszubildende nach dem dualen Prinzip mit einem hohen betrieblichen Anteil.