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Standpunkt // Die Linke.

Dr. Lukrezia Jochimsen

Dr. Lukrezia Jochimsen ist Mitglied im Kulturausschuss und kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke. Ihr Standpunkt zum Thema "Kultur":

Die Bundestagsabgeordnete Lukrezia Jochimsen (Die Linke.) © DBT/ A.MeldeLukrezia Jochimsen (Die Linke.)Deutschland hat eine großartige Kulturlandschaft - Opernhäuser, Theater, Museen, Bibliotheken, Musikschulen und Jugendzentren. Noch. Aber durch die Finanz- und Wirtschaftskrise sind sie genauso gefährdet, wie alles andere, vielleicht sogar noch mehr.

Staatsziel Kultur
Deshalb muss das Staatsziel "Kultur" endlich ins Grundgesetz aufgenommen werden. Dafür kann man sich zwar keine Theaterkarten kaufen, keine Konzertkarte, keinen Museumsbesuch und leider auch keinen Musik-, Mal-, Tanzkurs oder Bücher und Bilder. Es bringt auch den Städten nicht automatisch mehr Geld für Kultur in ihre Kassen. Aber es macht einen großen Unterschied, ob sich unser Staat, unsere Gesellschaft in der Verfassung ausdrücklich dazu verpflichtet, die Kultur zu schützen und zu fördern - oder eben nicht.

Und es gibt all jenen Rückhalt, die sich gegen das "Bibliothekensterben", das Schließen von Theatern und Jugendzentren und den Rückgang öffentlicher Kulturausgaben in den Ländern und Kommunen wehren. Dieser Rückgang muss gestoppt werden, denn Investition in Kultur ist eine Investition in die Zukunft, in die Demokratie wie auch in die Wirtschaftskraft unseres Landes. Die Kulturwirtschaft ist eine bedeutende Wachstumsbranche.

Kultur gegen die Krise - Kultur statt Konkurs!
Von Investitionen in die Kultur aber ist derzeit keine Rede. Da geht es um Milliarden für die Banken, für die Wirtschaft auch für das Bildungssystem. Gerade jetzt aber gilt es auf Kultur zu setzen: Kultur gegen die Krise – Kultur statt Konkurs! Dafür zwei Vorschläge: Wie wäre es z.B. mit einer Kulturprämie von 1000 Euro für Kinderbücher, Bücher, Tanz-, Mal- und Musikunterricht, mindestens fünf freie Museums – und fünf freie Theaterbesuche für die ganze Familie in diesem Jahr plus eine Kurzreise zu einem Festival? Ein Kultur-Bonus an alle Eltern mit Kind oder Kindern? Oder mit einem Kulturticket für jugendliche Theaterbesucher? In Großbritannien gibt es ein Gratis-Ticket-Programm für alle 18- bis 26-jährigen Theaterbesucher! Kostenpunkt: 2,5 Millionen Pfund. Das wäre doch mal eine gute Idee mitten in der Krise für uns. Also: Kultur nach vorn.

Ausbau statt Abbau
Antizyklisch handeln heißt die Devise der Stunde. Kein Abbau von Kultur, sondern Ausbau der Angebote. Kultur für alle Kinder und Jugendlichen unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern und überall in gleichem Maße - auf dem Umberto Eco © dpaSchriftsteller Umberto EcoLand, in den Städten und in den Problemvierteln. Darum geht es. Und das würde auch Arbeit schaffen, kostbare, kreative Arbeit. Es war der Bundespräsident, der bei der glanzvollen Wiedereröffnung der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar in einer bewegenden Rede auf das Sterben der Bibliotheken hingewiesen hat und dabei Umberto Eco zitierte. Eine Gesellschaft "...ohne Bücher ist wie ein Gemeinwesen ohne Habe, eine Festung ohne Truppen, eine Küche ohne Geschirr, ein Tisch ohne Speisen, ein Garten ohne Pflanzen, eine Wiese ohne Blumen, ein Baum ohne Blätter." Und da wir eine solche Gesellschaft nicht sein oder werden wollen, brauchen wir Bibliotheksgesetze in den Ländern, die den Unterhalt öffentlicher Bibliotheken zur Pflichtaufgabe machen.

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