Im Bundestagswahlkampf werden die Spitzenkandidaten der großen Parteien oft als Kanzlerkandidaten bezeichnet. Doch tatsächlich wählen wir Bürger diese Kandidaten nicht direkt. Bei der Bundestagswahl entscheiden wir nur über die Zusammensetzung des Bundestages, wir wählen die Abgeordneten.
Die Bundeskanzlerin wird dann von den Abgeordneten gewählt. Und dafür gelten einige Regeln: Es findet keine Debatte zur Kanzlerwahl statt und die Abgeordneten wählen einzeln mit einem Stimmzettel in einer Wahlkabine, denn die Wahl ist geheim.
Weil die Bundeskanzlerin über große Macht verfügt, wird für die Wahl im Bundestag nicht nur eine einfache Mehrheit (der gerade anwesenden Abgeordneten) verlangt, sondern eine absolute Mehrheit. Ein Kanzler oder eine Kanzlerin ist nur dann gewählt, wenn mehr als die Hälfte aller Abgeordneten des Bundestages in geheimer Wahl für einen Kandidaten stimmen. Nach der letzten Bundestagswahl gab es beispielsweise zunächst 622 Abgeordnete, das bedeutete für die Wahl von Angela Merkel, dass mindestens 312 Abgeordneten für sie stimmen mussten. Am Ende wählten sogar 322 Abgeordnete Angela Merkel, damit hatte sie die absolute Mehrheit deutlich erreicht.
Und wenn es beim ersten Mal nicht klappt?
Wenn eine Wahl beim ersten Mal übrigens nicht klappt, kann es weitere Wahldurchgänge geben. Das ist zwar noch nie passiert, aber es gäbe dann sogar erleichterte Regeln. Zum Beispiel muss beim ersten Wahlgang noch der Bundespräsident dem Bundestag einen Wahlvorschlag machen. In der zweiten Wahlphase, die 14 Tage dauern kann, können die Abgeordneten dann selbst einen Kandidaten vorschlagen. Allerdings müssen sich mindestens ein Viertel der Abgeordneten oder eine Fraktion in dieser Stärke auf einen Kandidaten einigen. Es können in der zweiten Wahlphase also auch mehrere Kandidatinnen oder Kandidaten zur Wahl stehen, in der ersten Wahlphase gibt es dagegen immer nur den Kandidaten, die der Bundespräsident vorschlägt. Es bleibt aber dabei: Wer gewählt werden will, braucht bei der Wahl die absolute Mehrheit.
Und wenn dann immer noch niemand gewählt ist? Dann gibt es die dritte Wahlphase und dort reicht dann sogar die einfache statt der absoluten Mehrheit.



