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Die Diäten

Das Abgeordnetenleben ist kein Zuckerschlecken - neben der vielen Arbeit tragen die Parlamentarier eine große Verantwortung. Dafür sollen sie auch was bekommen. Allerdings spricht man hier weder von Gehalt noch von Entlohnung: Sie bekommen eine Abgeordnetenentschädigung, oft als Diäten bezeichnet.

Grafik mit einem Mann im Anzug, im Hintergrund sieht man ein Auto, Geld, Handy und PC

Neben den Diäten erhalten die Abgeordneten eine Kostenpauschale und eine Amtsausstattung. – © Juliane Dorn


Das war nicht immer so: Solche Formen der Entschädigung gibt es in Deutschland erst seit dem Jahr 1906. Davor war die Mitgliedschaft im Parlament noch reine Ehrensache. Doch weil sich das Bundestagsmandat vom Zeit- und Arbeitsaufwand her zu einer Hauptbeschäftigung entwickelte, wurden die Diäten eingeführt. Früher waren sie bloß ein Ausgleich für Verdienstausfälle, heute entspricht die pauschale Entschädigung einem parlamentarischen Einkommen.

Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts müssen die Abgeordneten über die Höhe ihrer Diäten in den öffentlichen Plenarsitzungen debattieren und sie auch dort festlegen. Oft entsteht dabei der Eindruck, sie würden sich immer mehr Geld in die eigene Tasche stecken - aber nix da: Die Abgeordneten verzichten immer wieder auf eine Erhöhung ihrer Entschädigungen.

So viel gibt’s

Seit dem 1. Januar 2012 bekommen die Abgeordneten 7.960 Euro Entschädigung pro Monat, die sie natürlich versteuern müssen. Zum 1. Januar 2013 werden ihre Bezüge noch einmal um 292 Euro ansteigen: auf 8.252 Euro pro Monat. Darüber hinaus gibt es allerdings weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld. Die Diäten sind damit etwa so hoch wie das Durchschnittsgehalt eines Fluglotsen und nicht ganz so hoch wie das Einkommen eines Richters beim obersten Bundesgericht. Unternehmensberater oder Börsenanalysten zum Beispiel verdienen durchschnittlich deutlich mehr.

Allerdings: Das ist trotzdem eine Menge Geld. Die Idee dahinter: Ein Abgeordnetenmandat sollte jeder ausüben können, und zwar unabhängig von seiner individuellen Lebenssituation. Das sieht schon das Grundgesetz so und bestimmt deshalb  in Artikel 48 Absatz 3, dass Abgeordnete einen Anspruch auf eine angemessene, ihre Unabhängigkeit sichernde Entschädigung haben. Das bedeutet, es muss finanziell so ausgestattet sein, dass es für alle offen steht: für davor abhängig Beschäftigte genauso wie für Selbstständige oder Freiberufler. Es sollte auch für Besserverdienende nicht mit allzu großen Verlusten verbunden sein, Abgeordneter zu werden. Auch wenn es irgendwo immer eine Grenze gibt. Die Entschädigung muss vor allem die Unabhängigkeit der Parlamentarier sichern und eine Lebensführung gestatten, "die der Bedeutung des Amtes angemessen ist". So hat es das Bundesverfassungsgericht 1975 festgelegt.

Amtsausstattung on top

Zusätzlich zu den Diäten bekommen die Abgeordneten eine steuerfreie Kostenpauschale und eine sogenannte Amtsausstattung, die ihnen helfen sollen, ihr Mandat effektiv ausüben zu können. Durch die Kostenpauschale werden die Unterhaltungskosten von Wahlkreisbüros, Fahrtkosten im Wahlkreis, der Zweitwohnsitz in Berlin oder beispielsweise auch das Porto für Briefe und ähnliches gedeckt. Derzeit beträgt die Pauschale 4.029 Euro monatlich, sie wird jährlich zum 1. Januar an die Lebenshaltungskosten angepasst. Dafür kann ein Abgeordneter keinen Cent an Werbungskosten gesondert steuerlich geltend machen. Eine Idee hinter der Pauschale: Die Finanzämter gehören zur Exekutive und sollen nicht kontrollieren müssen, welche Ausgaben ein Abgeordneter für sein Mandat braucht und welche nicht. Immerhin ist es das Parlament, das die Exekutive kontrolliert und nicht umgekehrt. Die Pauschale soll also dem in der Verfassung verankerten Grundsatz des freien Mandats gerecht werden.

Zur Amtsausstattung hingegen zählen Sach- und Geldleistungen für Mitarbeiter und Reisen. Die Abgeordneten haben ein Anrecht auf ein möbliertes Büro im Bundestag für sich und ihre Mitarbeiter (derzeit 54 Quadratmeter), Kommunikationsgeräte inklusive. Obendrauf gibt’s eine Freikarte für die Deutsche Bahn und auch die Kosten für Inlandsflüge werden ihnen erstattet. Im Stadtgebiet von Berlin können die Parlamentarier zudem Dienstfahrzeuge nutzen. Im Wahlkreis müssen sie mit ihren eigenen Fahrzeugen fahren.

Nebeneinkünfte

Grundsätzlich dürfen Bundestagsabgeordnete auch Nebentätigkeiten nachgehen. Nach dem Abgeordnetengesetz müssen sie Tätigkeiten und Einkünfte neben dem Mandat, die auf mögliche "Interessenverknüpfungen" hinweisen können, veröffentlichen - allerdings nur, wenn die einzelne Tätigkeit 1.000 Euro im Monat bzw. 10.000 Euro im Jahr übersteigt. Auch Beteiligungen an Kapital- oder Personengesellschaften und Vereinbarungen über künftige Tätigkeiten oder Vermögensvorteile sind anzeigepflichtig.


Ist die Höhe der Diäten fair? Stimmt ab!







Kommentare

 

Michael Pöhlmann schrieb am 27.05.2011 22:38

Hallo, danke für die Möglichkeit sich hier äußern zu können. Ich möchte sagen im Verhältnis zur armen Bevölkerung ist es zu viel. Und auch die Selbstverständlichkeit, mit der die Diätenerhöhungen ermöglicht werden, zeigt der Bevölkerung, dass die Abgeordneten nicht viel Respekt vor den Bürgern haben. Auch der Zuverdienst ist viel zu hoch. Bund, Länder und Gemeinden, die EU-Parlamentarier, usw., dies ist eine Schraube ohne Ende. (Allein das Umgeziehe von Straßburg nach Brüssel ein Mal pro Quartal). Viele Grüße nach Berlin. Michael Pöhlmann

 

Rolf Jacke schrieb am 04.06.2011 10:53

Hallo, ja das umgeziehe von Brüssel nach Straßburg kostet den Steuerzahler jährlich 50. Millionen €uro. Wenn ein Unternehmer spasseshalber alle 3 Monate zwischen 2 Büros hin und her ziehen würde, könnte es passieren das das Finanzamt entweder nö gibts nicht mehr sagt, oder veranlassen das der Unternehmer auf seinem Geisteszustand untersucht wird. Ich weiß nicht wie man es höflich ausdrücken soll, daher mal gerade heraus. Wer sich diese Umzieherei ausgedacht hat muß schon ziemlich bescheuert sein. Aber das die Eu- Abgeordneten das immer noch durchziehen zeigt doch, das sie nicht ganz normal im Kopf sind. Nicht nur Deutschland hat einen Arsch voll Schulden, aber für so eine gottverdammte Scheiße hat man Geld. L. G. R. Jacke

 

Peter Mannheim schrieb am 14.06.2011 09:59

Also ich finde, man sollte das anders nennen, Ich dachte, dass die erst eine Diät meinen, also ,dass sie abnehmen sollen. Liebe Grüße Peter Mannheim

 

Birgit schrieb am 28.06.2011 06:05

Alle müssen sparen, nur unsere Parlamentarier nicht. Die gönnen sich noch was.... Bekomme Magenschmerzen bei diesen Meldungen! Ich frage mich, wie lange das noch gut geht. Ohne nachzufragen werden Steuergelder verschwendet. Bin stocksauer!

 

Carlie schrieb am 08.08.2011 23:58

AFAIC that's the best anwesr so far!

 

Jan R schrieb am 16.08.2011 13:36

Politiker müssen bei uns wesentlich besser bezahlt werden aus vielerlei Gründen: Erstens senkt es das Korruptionsrisiko, wenn man bereits genug verdient. Zweitens ist der Politikerberuf der wahrscheinlich anstrengste überhaupt. Die wenigsten halten das viele Jahre durch. Da bin ich als Steuerzahler gerne bereit mehr für ihre Arbeit zu zahlen.

 

politiquecopine schrieb am 24.09.2011 22:28

Ich bin auch ganz der Meinung ,dass die Abgeordneten im Verhältniss zu viel verdienen. Denn eine Krankenschwester oder eine Friseurin müssen ihre Familie auch durchbringen und diese haben keine 7000 Euro zur Verfügung. Die Politiker arbeiten ja wirklich hart und haben ihr Geld wahrscheinlich auch verdient ,aber nicht wenn andere Menschen bei ähnlicher Arbeitszeit und Anstrengung noch nicht einmal die Hälfte verdienen.

 

Thomas schrieb am 04.12.2011 23:48

Hallo liebe Politikinteressenten. Aus diesem Thread geht für mich ein grosser Unmut hervor. Verständlicherweise. Ich bin aus der Schweiz und nicht direkt betroffen, aber begreiffe die Empörung. Die Entschädigungen sind im Nationalrat und Ständerat der Schweiz etwa gleich... allerdings in Franken, d.h. umgerechnet 1/5 weniger(!) Ich bin im Zürcher Kantonsrat (entspricht in etwa dem Landtag bei euch ) und wir bekommen gesamthaft rund 50.000 € / Jahr. Das ist 1/3 von einem Bundestagabgeordnetem! Klar zu viel. Bei uns würde das Volksaufstände geben, wenn wir uns auf Staatskosten so stark betuchen würden! Und ja Politiker ist nicht nur immer ein schöner Job das ist so, aber Legislativabgeordneter zu sein (gewagter Vergleich!), ist nicht besser wie Friseurin oder Krankenschwester, auch von diesen Jobs habe ich grossen Respekt. Zu behaupten, dass unser Job der schwerste überhaupt sei, ist ziemlöich übertrieben. Also die Diäten bei euch dürften auch ein wenig verlieren. Also wenn ihr eine Kundgebung veranstaltet wegen den zu hohen Entschädigung, kann man euch keinen Vorwurf machen. Lieben Gruss aus Zürich (Schweiz) Als Politiker ist der Chef das Volk und erst dann kommt Gott! (Christoph Blocher) Wenn der Wahlzettel gesprochen hat, hat die höchste weltliche Macht gesprochen! (Victor Hugo)

 

Priesinho schrieb am 02.01.2012 18:58

Ich denke man hätte einen deutlichen Spielraum nach oben. 1.) Ein Problem ist doch, dass es sich heutzutage mehr lohnt in die Wirtschaft zu wechseln als in die Politik. Dort kriegt man einfach mehr Geld für denselben Aufwand. Will man nun die fähigen Leute aus der Wirtschaft für die Politik begeistern braucht es eine angemessene Bezahlung. 2.) Verdienen die Abgeordneten genug, sind sie weniger anfällig für Korruption. Wobei dies so oder so unter Strafe steht. 3.) Verdienen die Abgeordneten mehr sind sie auch unabhängiger. Das Problem des Politikersjobs ist, dass er in Berlin nach vier Jahren vorbei sein kann z. B. sollte sich ein Abgeordnete gegen die eigene Fraktion stellen, sodass er bei der nächsten Wahl nicht mehr aufgestellt wird. Verdient er nun mehr könnte der A. sagen: "Liebe Fraktion ich habe hier in den vier Jahren genug verdient, ich muss nicht nochmal vier Jahre. Also stimme ich mal gegen euch" Die Folge gäbe es also eine Schwächung der Fraktionsdisziplin.

 

Hans Peter schrieb am 19.02.2012 11:07

Hallo, ich wollte nur sagen , dass ich das Gehalt an sich für einen Abgeordneten der an Sitzungswochen und auch in seinem Wahlkreis viel zu tun hat, in Ordnung finde. Zudem dieser Job auch viel Zeit in Anspruch nimmt, die man für die Familie oder den eigl. Hauptberuf bräuchte. Doch ich finde es nicht so gut, dass sie neben diesem hohen Gehalt noch eine freie Bahnkarte bekommen und Dienstwagen und bezahlte Inlandflüge. Das kann auch schnell mal außerhalb des Geschäftlichen bebraucht werden, was ja nicht sinn und zweck der Sache ist. Da sollte man vllt. auch besser kontrollieren, dass es echt nur im Rahmen des Dienstes genutz wird und nicht Privat für einen schönen Flug zum Ostseeurlaub oder ähnliches :)

 

Karl Heinz schrieb am 25.06.2012 08:33

Genau, der Vorredner hat Recht. Es sind die Zusatzleistungen, die gerade so mal mitlaufen. Von den Privilegien, die nebenbei anfallen, ganz zu schweigen. Dann die Zusatz-Pöstchen und zusätzlichen Jobs und Funktionen. Und an die Alterversorgung denkt keiner. Für die zahlen die Herrschaften keinen Cent - und sie ist üppig. khw

 

o0Alea0o schrieb am 25.07.2012 18:41

Wieso heißt es Diät - ob wohl es doch eher "Vollkost" heißen müsste?

 

bundeskanzlerin schrieb am 01.10.2012 11:59

Stimmt ! Ach keine ahnung ...

 

Holger_27 schrieb am 03.03.2013 22:04

Hallo, leider war für mich nicht die richtige Antwort vorgegeben. Ich bin der Meinung das die eigentlichen Bezüge für die Abgeordneten nicht üppig aber ausreichend sind, nun bin ich aber der Meinung das unseren Abgeordneten Nebentätigkeiten in der Wirtschaft untersagt werden sollten.Der wer im Aufsichtsrat eines Betriebes sitzt ist in meinem Augen bei vielen politischen Entscheidungen Voreingenommen. Sollten unsere Abgeordneten denn nicht eigentlich das Volk vertreten und nicht wie es meisten ist die Wirtschafts- und Finanz-Lobbyisten. So langsam aber sicher bekomme ich das Gefühl das man den Schriftzug der über Haupteingang des Reichstagsgebäudes in „Der internationalen Wirtschaft“ ändern sollte. Ich weiß meine Worte mögen sich ziemlich drastisch anhören aber wie sonnst kann man sich sonnst manche neuen Gesetze erklären wie z.B. das neue Meldegesetz, die Maßnahmen wie 1€Jobs die zum größten Teil aufgaben erledigen die die öffentliche Hand sonst an Kleinbetriebe mit voll bezahlten Arbeitskräften hätte vergeben müssen und so manch anderen zwielichtigen Gesetzesentwurf. Das finde ich ist der wahre Skandal!

 

Dorfpolitiker schrieb am 01.04.2013 09:58

Auch wenn es öffentlich passiert: Es ist doch eine Schande, dass die Parlamentarier selbst über ihr Gehalt bestimmen. Da finde ich das Brandenburgische System bei weitem besser, wo die Diätenentwicklung an die Lohnentwicklung im Land gekoppelt ist. Und diese wird vom Amt für Statistik Berlin Brandenburg ermittelt.

 

 

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Die Autorin

Vicky_68x68px

Victoria Gütter (21)
Studiert Politikwissenschaft und Geschichte