Ich stehe mit Nicole Kristes in Lüdenscheid vor einem kleinen Restaurant. Draußen hängen schon die Schilder, die Schnitzel mit Pommes ankündigen. Da kommt Johannes Vogel auf uns zu. Seit zwei Jahren ist er Abgeordneter der FDP-Fraktion. Er trägt Jeans, ein weißes Hemd und eine Aktentasche über der Schulter. "Na“, sagt er, als er ankommt, "alles klar bei euch?“ Der Parlamentarier ist ganz schön jung, erst 29 Jahre alt. Nicole Kristes ist seine Referentin, die bei allen Terminen im Wahlkreis dabei ist.
Erste Station am Morgen: Pressekonferenz
Wir betreten das Lokal – aber nicht für Schnitzel und Pommes: Hier findet heute eine Pressekonferenz statt, mit der sein Tag beginnt. Die Atmosphäre ist locker. Hinter dem Parlamentarier hängen urige Kaffeetassen, im Radio läuft Musik, der Kellner sieht interessiert herüber.
Zwei Lokalzeitungen und ein Radiosender sind heute dabei, denn die Presse will informiert werden. Johannes Vogel berichtet von seiner Arbeit in Berlin und im Wahlkreis. Ungefähr eine Stunde dauert die Konferenz, denn die Journalisten stellen kritische Fragen zur Wirtschaftskrise, dem Euro und dem Arbeitsmarkt. Mit freundlichem Lächeln erklärt der Abgeordnete alles, auch ein zweites Mal als O-Ton fürs Radio.
Mittagessen und kurz an den Schreibtisch
Danach gehen wir mit dem FDP-Fraktionsvorsitzenden der Stadt essen. "Wenn ich hier bin, tausche ich mich oft mit anderen Politikern aus", sagt Johannes Vogel. In den Wahlkreiswochen gehe es ihm grundsätzlich um möglichst viel Kontakt: "Wichtig für mich sind vor allem die direkten Begegnungen mit den Bürgern, natürlich auch mit Jugendlichen. Ich muss wissen, was meine Wähler beschäftigt, was sie wollen und was sie von mir erwarten.“
Natürlich verbringt der Abgeordnete auch Zeit in seinem Büro, das nicht weit entfernt von der Innenstadt liegt. Doch nach nur einer Stunde Schreibtischkram geht es schon wieder los.
Moschee-Baustelle begutachten
Dieses Mal ist das Ziel Halver, eine kleine Stadt im Märkischen Kreis. Muslimische Bürger bauen dort eine Moschee. "Ihr" Bundestagsabgeordneter fährt regelmäßig zu ihnen. "Die Wähler müssen wissen, dass ich für sie da bin. Und wenn ich irgendwie helfen kann, dann können sie sich immer an mich wenden. Ich begleite zum Beispiel auch mal tageweise Arbeiter in einem Gartencenter oder besuche Vereine. Präsent sein ist unglaublich wichtig für mich."
Ständig unterwegs: das Auto als zweites Büro
Ein Bundestagsabgeordneter verbringt vor allem in ländlichen Wahlkreisen ganz schön viel Zeit im Auto. Leute besuchen, auf Veranstaltungen präsent sein, Einladungen zu Diskussionsrunden, ständig scheint man als Abgeordneter unterwegs zu sein. Auf den Fahrten arbeitet Johannes Vogel weiter, ruft zum Beispiel Bürger zurück, die Fragen zu Gesetzen haben. "Um ihnen helfen zu können, muss ich manchmal Kollegen anrufen, denn auch ein Politiker kennt natürlich nicht alle Gesetze auswendig."
Grundsatzdiskussion mit den Bürgern
Der letzte Termin an diesem Montag ist der längste und findet in einem kleinen Seminarraum statt. Zwanzig Mitglieder der FDP treffen sich hier zum sogenannten "Deutschlandsalon“. Sie diskutieren mit Bürgern über Grundsatzfragen der Politik, über Demokratie, Freiheit und Arbeit. Es wird hitzig debattiert, denn auch wenn alle einer Partei angehören, sind nicht immer alle einer Meinung.
"War doch gut“, sagt Johannes Vogel nach der Diskussion, die erst um 22 Uhr vorbei ist. "Es ist wichtig, dass die Wähler sich auch informieren können über das, was in Berlin so abgeht. Und für mich ist es natürlich interessant zu wissen, wie ich ihrer Meinung nach im Bundestag abstimmen sollte. Das kann ich dann in meine Überlegungen miteinbeziehen.“
Immer noch nicht müde
Auf dem Weg nach Hause wirkt der Parlamentarier gar nicht müde – im Gegensatz zu mir. "So ein Tag ist ganz normal, da hat man schon mal 16 Stunden Arbeit am Stück", erklärt er mir munter. "In Berlin kommt es vor, dass das Plenum bis ein Uhr nachts tagt und es morgens um acht schon weitergeht. Aber es macht ja Spaß, wenn man mit Herz und Seele dabei ist." Wenn er dann mal Zeit für sich hat, verbringt er die gerne "mit einem guten Buch auf der Couch" oder fährt an den Strand.
Als ich um 23 Uhr ins Bett falle, ist mir eines sonnenklar: So ein Tag im Leben eines Bundestagsabgeordneten ist ganz schön lang.








