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Kein Ausschluss im Ausschuss

Freund oder Feind? In Ausschusssitzungen tauschen sich Abgeordnete verschiedener Fraktionen aus und bereiten Gesetze vor. Ob sich die Parlamentarier dabei piesacken oder vermeintliche Gegner hinter verschlossenen Türen nett zueinander sind, weiß mitmischen.de-Autorin Anne.

Die beiden Mitglieder der SPD-Bundestagsfraktion Martin Gerster und die Vorsitzende des Sportausschusses Dagmar Freitag sitzen im Ausschusssaal.

© DBT/Johannes Backes


Auf dem Hosenboden

14.10 Uhr, Deutscher Bundestag, am Empfang vom Paul-Löbe-Haus. Der Mann vom Sicherheitspersonal winkt mich freundlich durch die Schleuse. "Fahrstuhl hoch bis in die 4. Etage, scharf rechts abbiegen und schon sind 'Se da." Das "schon" bedeutet gute 15 Minuten später, dann bin ich dem Labyrinth aus Gängen, Grautönen und gleich aussehenden Türen entkommen. Sitzungssaal 4.800 hat gigantische Glasfenster, das Sonnenlicht wird durch die vollautomatischen Rollläden in Schach gehalten. In einer öffentlichen Anhörung tagt der Sportausschuss zum Thema "Situation des Profisports in Ostdeutschlands". Und ich darf live dabei sein!

Die Besuchertribüne ist voll mit Neugierigen - so voll, dass mir nur der Boden als Sitzplatz bleibt. Auf dem Teppich lässt es sich aushalten, dennoch werfe ich neidvolle Blicke auf die, die einen bequemen Polsterstuhl ergattert haben. Einen Großteil davon enttarne ich als Journalisten: Gezückte Notizbücher, Kugelschreiber und knallrote Presse-Ausweise sprechen für sich.

Intim, klein, Ausschuss

Weil nicht jeder Abgeordnete bei jedem Thema 100-prozentig im Stoff stehen kann, gibt es die Ausschüsse. Hier werden die Bundestagsentscheidungen vorbereitet. Derzeit hat der Deutsche Bundestag 22 ständige Ausschüsse mit jeweils 15 bis 42 Mitgliedern und ebenso vielen Stellvertretern. Die Anzahl der Ausschussmitglieder richtet sich nach dem zu erwartenden Arbeitsaufwand - der Sportausschuss kommt auf 18 Abgeordnete. Verglichen mit zum Beispiel dem Rechtsausschuss (37 Mitlieder) ist der Sportausschuss also relativ klein.

Der Sportausschuss beschäftigt sich mit der Bedeutung des Sportes für die Gesundheit, Gesellschaft und auch für die Wirtschaft. Großereignisse wie etwa die Fußballweltmeisterschaft der Frauen 2011 bereiten die Sportpolitiker mit vor. Aber auch Forschung und Ehrenamt in den Vereinen gehören in ihren Bereich.

Nichts für Blindschleichen

14.35 Uhr: Recherche ist das tägliche Brot des strebsamen Nachwuchsjournalisten. Und wieder hat sich die gelohnt: Dank optimaler Vorbereitung erkenne ich die Vorsitzende Dagmar Freitag (SPD) auf Anhieb. Von der Gasttribüne aus hat man theoretisch einen guten Blick auf die Vertreter des Sportausschusses. Vom Boden aus (und bei geringer Körpergröße) halbiert sich die Aussicht leider. Ein weiteres Manko: Die Namensschilder sind mit so kleiner Schrift bedruckt, dass ich Blindschleiche sie nur schwer entziffern kann. Während ich rätsele und mir schwöre, beim nächsten Termin die Sehhilfe einzupacken, räuspert sich Frau Freitag. Kurz und knapp begrüßt sie die Abgeordneten, uns Besucher und den (einzigen) Gast.

Von den vier geladenen Sachverständigen sind drei verhindert, auf ihre Expertisen muss verzichtet werden. Allgemeines Grummeln, Kopfschütteln, hier und da ein "Schade!". Nur Bernd Hofmann, der Vorstandvorsitzende des F.C. Hansa Rostock, hat es nach Berlin geschafft. "Da verlängert sich meine Redezeit von fünf auf 20 Minuten", scherzt er. Ein "Oh Gott!" schießt durch mein Hirn. Kurzerhand wird Christian Sachs, Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), von der "Ersatzbank" berufen - passt ja irgendwie zum Sportthema.

Hofmann haut auf den Putz

Hofmann stellt sich vor, rasselt seinen Lebenslauf runter und findet klare Worte: "Die Situation des Profisports in Ostdeutschland ist nicht rosig, sondern jämmerlich!" Jetzt gehört ihm die volle Aufmerksamkeit aller Anwesenden. Emsig krakelt mein Sitznachbar diese Aussage nieder und unterstreicht den Satz mehrfach. Die Schlagzeile wird später durch die Medien geistern. Prompt stellt auch Ausschussmitglied Martin Gerster (SPD) das Arbeiten auf dem iPad ein. Modern, modern, diese Parlamentarier!

Das Thema Profisport im Osten wurde auf Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vor dem Hintergrund deutlicher Zahlen diskutiert: Von 68 Erstligisten im Fußball, Handball, Eishockey und Basketball kommen nur fünf Vereine aus dem Osten und davon drei aus Berlin. Dies ist eine "ernüchternde Bilanz", urteilte der Abgeordnete Frank Steffel (CDU).

Als Hauptgrund für die Misere macht der Hansa-Boss "wirtschaftliche Standortnachteile im Osten" aus. Er redet und redet, spielt gekonnt mit seiner Stimme. Fragen beantwortet Hofmann ausführlichst. 15.40 Uhr: Christian Sachs ist dran. Er spricht ebenfalls von einer schwierigen Situation für ostdeutsche Profivereine, weist jedoch darauf hin, dass sich die Situation in den olympischen Sportarten im Osten positiv entwickelt habe. Beispiel dafür seien die Erfolge im Biathlon. Derweil wird das Zuhören meiner Sitznachbarin offensichtlich zu anstrengend, sie verziert ihren Schreibblock mit Blumenmustern. Eigentlich eine gute Idee... Ob ich mir ihre Buntstifte ausborgen darf?

Nett und sachlich

Kurz nach 16 Uhr: "Sport ist das Spiegelbild einer Gesellschaft", beginnt Katrin Kunert (Die Linke) ihren Kommentar. Viola von Cramon-Taubadel (Bündnis 90/ Die Grünen) nickt und schlägt einen "Nachwuchsfonds" vor, der "von extrem erfolgreichen Mannschaften" finanziert werden solle. Zustimmung bleibt aus, Kritik aber auch. Man benimmt sich angemessen, lässt sich gegenseitig ausreden, der Umgangston ist höflich. Und das, obwohl hier Vertreter von fünf verschiedenen Fraktionen versammelt sind! Sehr konstruktiv alles. Meine These: Geladene Gäste und das Thema einer Sitzung haben enormen Einfluss auf deren Stimmung. Kommen Fotografen und Kameraleute noch hinzu, gewinnen die Auseinandersetzungen an Schärfe.

Ende gut, alles gut

Allmählich leert sich der Sitzungsraum, einige Abgeordnete verlassen die Ausschusssitzung - anderweitige Termine rufen. Jens Petermann (Die Linke) bringt es auf den Punkt: "Wir haben ganz klar verpennt." Apropos: Auch meine Augenlider kämpfen nun langsam gegen bleierne Schwere. Ganz schön anstrengend, so eine Ausschussanhörung. Das merkt wohl auch Dagmar Freitag, vielleicht ergeht es ihr aber auch ähnlich. Jedenfalls erklärt sie die heutige Sitzung für beendet. Mein Teppichboden-geplagter Po dankt es ihr.

Doch für den Sportausschuss ist das Thema noch lange nicht vom Tisch. Wie können große Konzerne als Sponsor für Ost-Vereine gewonnen werden? Welche Möglichkeiten der Nachwuchsförderung sind am effektivsten? Und wie finanzieren? Mit diesen und mehr Fragen werden sich die Mitglieder weiter beschäftigen. Bernd Hofmann lieferte dazu wertvolle Einblicke und Denkansätze. Er hofft, dass sich nun was tut.


Sollten Ausschüsse öffentlich tagen?







Kommentare

 

Peter Mannheim schrieb am 14.06.2011 10:20

Ich wollte nur mal Hallo sagen!!

 

Jan R schrieb am 16.08.2011 13:41

Ich denke es ist ganz wichtig, dass die Abgeordneten in den Sitzungen frei reden können. Nur so kann man wirklich das Beste für unser Land finden. Der Wählerwillen sitzt bei den wirklich wichtigen Entscheidungen den Parlamentariern sowieso oft genug im Nacken.

 

Alexandra schrieb am 25.10.2011 09:46

A million thakns for posting this information.

 

Zabrina schrieb am 28.10.2011 03:50

Well maacadmia nuts, how about that.

 

Runa schrieb am 12.03.2012 10:23

Ein wertvoller Beitrag um zu verstehen, wie der Bundestag arbeitet - danke!

 

Liiz schrieb am 18.08.2012 16:40

Dein Toast-Ei Verhltnis stimmt nicht. Du Bre4uchtest diese Japanischen Megascheiben die so dick sind das nur verhe4ltnisme4dfig wingee in die Packung passen. Auch ist deine Toastfluffigkeit eine andere, aber im Film war es wahrscheinlich nicht jenes schmack-o-fatz-brot ^^Egal, die einfachen Sachen sind immer die besten

 

 

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