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So lassen sich Schwimm- bäder, Bolzplatz und Co modernisieren

23.04.2021 – Rund 231.000 Sportstätten gibt es in Deutschland. Doch viele der Anlagen sind veraltet und müssten saniert werden. Wie das zu schaffen ist, wollte kürzlich der Sportausschuss in einer öffentlichen Anhörung von Experten wissen.
Kind mit Taucherbrille schwimmt unter Wasser
Gibt es weniger Schwimmbäder, gebe es mehr Nichtschwimmer. Die Gefahr zu ertrinken steige, befürchten Experten. © shutterstock.com/Max Topchii

Fußball, Turnen, Leichtathletik oder Schwimmen – das sind beliebte Sportarten in Deutschland, die eines gemeinsam haben: Um sie ausüben zu können, braucht es die passenden Sportanlagen. Denn ohne Fußballplatz kein Fußball, ohne Turnhalle kein Turnen, ohne Rennbahn kein Rennen und ohne Schwimmbad kein Schwimmen.

In Deutschland gibt es rund 231.000 Sportstätten. Zu diesen kommen noch einmal ungefähr 370.000 Kilometer an Laufstrecken, Reitwegen oder Loipen, also Langlaufpisten, hinzu. Doch viele dieser Sportanlagen sind veraltet und benötigen eine Sanierung, die laut Deutschem Olympischem Sportbund (DOSB) rund 31 Milliarden Euro kosten würde.

Der Sportausschuss hat sich kürzlich in einer öffentlichen Anhörung damit befasst: Die Abgeordneten wollten von den geladenen Experten wissen, wie die Politik die Sportstätten in den Kommunen fördern und modernisieren kann.

„Vom Weltmeister zum Kreisligisten“

„Moderne und nachhaltige Sportstätten sind die Grundlage für das Sporttreiben im Verein. Wir fordern daher, dass Bund, Länder und Kommunen ihre Förderprogramme ausbauen“, erklärte Andreas Silbersack, Vizepräsident für Breitensport und Sportentwicklung beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Die Coronapandemie verschlechtere die Situation der Sportstätten weiter, da ehrenamtliches Engagement abnehme, es mehr Mitgliederverluste gebe und Sportvereine zunehmend in wirtschaftliche Notlagen gerieten. Laut Silbersack sei Deutschland „vom Weltmeister zum Kreisligisten im Sportstättenbau geworden“.

Digitaler Sportstättenatlas gefordert

Dr. Lutz Thieme, der an der Hochschule Koblenz Sportmanagement lehrt, erklärte, dass Sportstätten „Voraussetzungen für soziale Interaktionsprozesse“ seien. So würde Sport neben den gesundheitlichen Aspekten auch verbinden und zusammenbringen.

Thieme sprach außerdem die schlechte Datengrundlage zu Sportstätten an, weshalb man erst mal versuchen müsse, „das Problem beschreiben zu können, bevor es überhaupt an eine Lösung herangehen kann“. So sei die letzte Erhebung im Jahre 2000 gewesen. Daher sprach sich Thieme für flexiblere Konzepte und für einen „digitalen Sportstättenatlas“ aus. Ein „digitaler Sportstättenatlas“ würde beispielsweise konkrete Informationen enthalten, wie viele Sportstätten es in ganz Deutschland gibt, wie sie beschaffen, genutzt und gefragt sind.

Bund soll Verantwortung übernehmen

Für einen digitalen Sportstättenatlas sprach sich auch der thüringische Sportminister Helmut Holter (Die Linke) aus. Er plädierte außerdem dafür, dass „die Sportstätten richtig auf Vordermann gebracht werden" müssten.

Hierfür müsse „der Bund in die Vorhand kommen und richtig investieren". Bei neuen Investitionen solle sich der Bund zu 90 Prozent und die Länder zu zehn Prozent an den Kosten beteiligen. Laut Grundgesetz liegt die Förderung des Spitzensports beim Bund, für Amateur- und Breitensport hingegen sind die Länder zuständig.

Immer mehr Grundschüler können nicht schwimmen

„Es ist eine gewagte Hypothese, nichtsdestotrotz nachvollziehbar: Fehlende Bäder bedeuten weniger Schwimmausbildung, bedeutet mehr Nichtschwimmer, bedeutet erhöhtes Ertrinkungsrisiko“, erklärte Achim Haag, der Präsident der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft).

Jährlich ertränken hierzulande zwischen 400 und 500 Menschen, was „in einem so hochentwickelten Land wie Deutschland unvorstellbar“ sei. Laut Haag gebe es immer mehr Grundschülerinnen und Grundschüler, die nicht schwimmen könnten. Der Experte erklärte, dass „nicht jeder ein Schwimmbad haben muss". So sollten Gemeinden stärker zusammenarbeiten, um sich die Kosten zu teilen.

Altersgerechte und barrierefreie Sportstätten schaffen

Thomas Härtel, der Präsident des Landessportbundes Berlin, kritisierte, dass „Sportstätten für Menschen mit Behinderungen nur eingeschränkt oder gar nicht zugänglich sind“. Härtel forderte, Sportstätten zukünftig altersgerecht und barrierefrei zu gestalten. Hierfür benötige es bestimmte Kriterien, um die Anforderungen von Gesundheits- und Rehasport zu erfüllen sowie Inklusionsfragen nachgehen zu können.

Mehr Unterstützung von Land und Bund, bitte!

„Sport gehört zur kommunalen Identität und ist ein unverzichtbarer Bestandteil kommunaler Daseinsvorsorge“, erklärte Uwe Lübking vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Die kommunale Ebene trage die Hauptlast der öffentlichen Sportförderung in Deutschland, jedoch hänge diese „von der kommunalen Finanzkraft ab und die ist nun mal sehr unterschiedlich“. Daher bedürfe es der Unterstützung von Land und Bund.

Bedürfnisse der Menschen beachten

„Hier wird immer nur über den Bau, die Baustruktur und nicht über die Menschen diskutiert. Wir finden, dass man viel mehr von den Bedürfnissen der Menschen ausgehen muss. Die Probleme, die sie hier diskutieren, sind ganz schmale Probleme“, erklärte Prof. Dr. Robin Kähler, der Vorstandsvorsitzende der Internationalen Vereinigung für Sport- und Freizeiteinrichtungen Deutschland (IAKS). Die Probleme, die die Bevölkerung hingegen tatsächlich beträfen, seien deutlich größer als das, womit sich die Expertenanhörung beschäftige.

Die komplette Anhörung könnt ihr auf bundestag.de nachlesen und im Video anschauen:

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