Digitale Arbeitswelt

Wie sieht die Berufswelt von morgen aus?

20.07.2021 – Das haben wir die Vorsitzende der Enquete-Kommission zur beruflichen Bildung, Antje Lezius (CDU/CSU), gefragt. Das Interview sowie mehr zum Abschlussbericht des Gremiums lest ihr hier.
Porträtfoto
Berufliche Bildung – ein Thema das der Enquete-Vorsitzenden Antje Lezius persönlich sehr am Herzen liegt. © Antje Lezius

Welche neuen Berufe gibt es im Jahre 2030? Wie stark verändert sich unsere Gesellschaft? Wo entsteht ein Fachkräftemangel? Ersetzt uns womöglich sogar ein Roboter im Job? Diese und viele weitere Fragen werden sich in den nächsten Jahren aufgrund der Digitalisierung immer häufiger stellen.

Wie wir damit umgehen und welche Chancen und Risiken sich auftun werden, untersuchte die Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“. Was es damit auf sich hat und was die Vorsitzende der Kommission, Antje Lezius (CDU/CSU), im Interview dazu meint, lest ihr hier.

Was ist eine Enquete-Kommission überhaupt?

Das Wort „Enquete“ kommt aus dem Französischen und bedeutet Untersuchung. Eine Enquete-Kommission untersucht einen politischen, gesellschaftlichen oder auch naturwissenschaftlichen Sachverhalt. Die Ergebnisse sollen dann den Politikerinnen und Politikern helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen oder neue Gesetze einzubringen.

Das Besondere an einer Enquete-Kommission ist außerdem, dass dort politischer Sachverstand auf wissenschaftliche Expertise trifft: Im Gegensatz zu einem regulären Ausschuss besteht eine Enquete-Kommission nämlich jeweils zur Hälfte aus Bundestagsabgeordneten sowie aus Wissenschaftlern oder Interessenvertretern. Umweltschutz, Globalisierung, Kultur und Medien oder bürgerschaftliches Engagement – das sind nur einige Beispiele, mit denen sich bisherige Enquete-Kommissionen des Bundestages beschäftigten.

Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt

Seit Juni 2018 gab es die Enquete-Kommission zum Thema „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“. Kurz vor der Sommerpause stellte die Kommission die Ergebnisse ihres Berichts dann in großem Rahmen vor: Im Paul-Löbe-Haus diskutierte die Vorsitzende Antje Lezius mit Vertretern aller Fraktionen und zahlreichen Experten – moderiert von einer Journalistin und live übertragen im Parlamentsfernsehen.

Auf ein Grußwort des Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble folgten drei Diskussionsrunden. Die erste Runde drehte sich um die Frage, was die Digitalisierung für die Arbeits- und Ausbildungswelt bedeutet. Danach debattierten die Sachverständigen, wie es gelingt, Betriebe und berufsbildende Schulen für die Zukunft zu wappnen. Und zu guter Letzt: „Wie sichern wir Aus- und Weiterbildung in der digitalen Arbeitswelt?“

Die Diskussionsveranstaltung könnt ihr euch hier nachträglich anschauen:

Was steht im Bericht?

Der Abschlussbericht der 38 Mitglieder der Enquete-Kommission umfasst insgesamt knapp 400 Seiten – mit Anhang sogar fast 550 Seiten. Wie der Name der Kommission vermuten lässt, geht es darin um Berufsbildung, Digitalisierung und um die Arbeitswelt von morgen.

Ziel der Kommission sei es gewesen, „die vielfältigen Chancen und den notwendigen Reformbedarf bei der beruflichen Bildung genauer zu untersuchen sowie eventuelle Risiken und Herausforderungen klar herauszuarbeiten“, heißt es im Bericht. So setze die Digitalisierung umfangreiche und langfristige Veränderungen in Gang, weshalb es wichtig sei, die damit verbundenen Konsequenzen frühzeitig zu erkennen. Denn nur so gelinge es, sich an eine digitale Arbeitswelt anzupassen. Dafür sei unter anderem eine „regelmäßige Fortentwicklung von Ausbildungsinhalten, von Lehr-, Lern- und Prüfmethoden sowie eine zeitgemäße Ausbildungsgestaltung“ erforderlich.

Die Kommission befasste sich insgesamt mit sieben Themenschwerpunkten, die in verschiedenen Projektgruppen besprochen wurden. Eine Gruppe untersuchte beispielsweise die „Herausforderungen der Digitalisierung für die berufliche Bildung“, während eine andere sich mit der „Finanzierung der Aus- und Weiterbildung“ beschäftigte.

Interview mit der Vorsitzenden

Die CDU/CSU-Abgeordnete Antje Lezius war seit September 2020 Vorsitzende der Kommission und somit für den Abschlussbericht maßgeblich mitverantwortlich. Wir haben sie im Interview nach den wichtigsten Ergebnissen gefragt  und, ob es auch mal Streit zwischen den Mitgliedern gab:

Frau Lezius, was sind die wichtigsten Ergebnisse der Enquete-Kommission?

Drei Jahre lang haben wir uns in der Enquete-Kommission mit der beruflichen Bildung beschäftigt und darüber diskutiert, wie diese zukunftsfest bleibt. Das ist enorm wichtig, weil wir gut ausgebildete Fachkräfte brauchen. Wir sind unter anderem zu folgenden Ergebnissen gekommen: 1. Die digitale Ausstattung in Berufsschulen und Betrieben muss eklatant modernisiert werden. 2. Schüler, Lehrer und Mitarbeiter in Unternehmen müssen sich digitale Kompetenzen aneignen. 3. Das Lernen von neuen Kompetenzen wird in einer sich wandelnden Arbeitswelt unumgänglich sein, das lebensbegleitende Lernen sollte daher konsequent vorangetrieben werden.

Was war der größte Streitpunkt unter den 38 Mitgliedern?

Die Enquete-Kommission bestand aus 19 Abgeordneten des Deutschen Bundestages und aus 19 sachverständigen Mitgliedern. Wir alle hatten stets das Beste für die berufliche Bildung im Blick. Uneinig waren wir uns beispielsweise darüber, ob es eine Ausbildungsgarantie oder eine übergeordnete Bildungsplattform geben sollte. Ob davon etwas umgesetzt wird, hängt von der nächsten Bundesregierung ab.

Bitte in drei Stichpunkten: Wie sieht zukünftig die berufliche Bildung in der Arbeitswelt aus?

Die Arbeitswelt und damit auch die Anforderungen an die berufliche Aus- und Weiterbildung werden sich enorm verändern. Das heißt: 1. Während einer Ausbildung wird es mehr digitale Angebote, wie etwa Onlinekurse und Onlineprüfungen, geben. Das Lernen von digitalen Kompetenzen wird immer wichtiger. 2. Digitale Technologien werden Arbeitsabläufe verändern, einfacher und sicherer machen. 3. Das lebensbegleitende Lernen muss vorangetrieben werden.

Was hat Ihnen persönlich an der Arbeit Spaß gemacht, was war nervenaufreibend?

Ich habe früher selbst Einzelhandelskaufleute ausgebildet. Daher lag mir das Thema schon immer sehr am Herzen. Die Zusammenarbeit mit den Enquete-Mitgliedern, das Suchen nach Kompromissen und die Leitung der Sitzungen haben mir viel Spaß gemacht. In den letzten Wochen vor der Abgabe des Berichts mussten noch Textteile fertiggestellt werden. Das war nervenaufreibend, hat aber gut funktioniert.

Über Antje Lezius

Antje Lezius gehört dem Bundestag seit 2013 an. Sie ist Abgeordnete für die Landkreise Bad Kreuznach und Birkenfeld in Rheinland-Pfalz. Neben ihrem Vorsitz in der Enquete-Kommission „Berufliche Bildung“ ist sie auch Mitglied im Ausschuss Arbeit und Soziales. Mehr Infos findet ihr auf ihrem Profil auf bundestag.de.

(Interview: loh)

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