Norbert Lammert

„Ein Porträt zeigt, wie jemand wirkt“

29.09.2020 – Im Bundestag geht es nicht immer nur um Politik, sondern manchmal auch um Kunst. So gibt es etwa eine Galerie mit Porträts ehemaliger Bundestagspräsidenten. Dort neu: Ein Bildnis von Norbert Lammert. Jacob hat ihn unter anderem gefragt, wie er auf den Künstler kam.
Porträt von Norbert Lammert, rechts der Porträtierte, ganz links Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, daneben der Künstler
Bei der Einweihung des Kunstwerks waren natürlich der porträtierte Norbert Lammert (rechts) anwesend, außerdem der Künstler und der aktuelle Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (ganz links). © DBT/Simone M. Neumann

Seit Kurzem hängt ein Porträt von Ihnen im Bundestag. Wie gefällt es Ihnen?

Ich bin persönlich ganz zufrieden, auch wenn ich mir schon vor der Auftragsvergabe fest vorgenommen habe, mir diese Frage selbst gar nicht zu stellen. Ich weiß wohl, warum gemalte Porträts im Unterschied zu Fotos dem Porträtierten oft nicht gefallen: Ein gutes Foto zeigt einen Menschen, wie er aussieht. Ein gutes Porträt zeigt ihn, wie er ist und auf seine Umgebung wirkt. Deswegen sollte man sich als Porträtierter die Frage, gefällt mir das oder hätte ich das lieber anders gehabt, gar nicht stellen.

Saßen Sie Modell und wenn ja, wie war das?

Nein, zu meiner eigenen Überraschung und Freude musste ich nicht Modell sitzen. Der Künstler Oliver Jordan hat in meiner Anwesenheit keinen einzigen Pinselstrich gemacht. Er wollte gerne mit mir reden, um mich besser kennenzulernen. Wir haben uns zweimal getroffen und jeweils länger miteinander gesprochen. Den flüchtigen Eindruck, den er von mir aus dem Fernsehen oder von Fotos hatte, wollte er durch einen eigenen Eindruck ergänzen. Auf dieser Basis hat er sich dann ans Malen gemacht, was mir natürlich sehr recht war. Ich hätte mir dieses stundenlange Modellsitzen als außerordentlich quälend vorgestellt. Insofern war ich sehr erleichtert, dass mir das erspart geblieben ist.

Haben Sie selbst entschieden, wer Sie porträtiert? Und wenn ja, warum dieser Künstler?

Ja, das konnte ich selbst entscheiden. Das Prinzip dieser kleinen Galerie ist ja, dass die ausgeschiedenen Präsidenten sich selber einen Maler aussuchen können. Dieser wird dann gegebenenfalls mit der Erstellung des Porträts beauftragt. Aus meiner Sicht liegt darin auch der Reiz, dass sich die unterschiedlichen Auffassungen der letzten Jahrzehnte, wie ein Porträt gemalt werden sollte, in dieser Galerie sehr schön wiederfinden. Dadurch hat jedes Porträt eine andere Perspektive und Handschrift.

Mit meinem Vorschlag wollte ich einen Beitrag zu einer solchen ganz neuen, eigenen und kräftigen Handschrift leisten, über die der Künstler Oliver Jordan zweifellos verfügt. Auf ihn bin ich vor etwa 20 Jahren durch große Komponistenporträts aufmerksam geworden, die er für das Konzerthaus in Dortmund angefertigt hat. Insofern kannte ich ihn gewissermaßen über einzelne Bilder, aber wir haben uns persönlich vorher nicht gekannt.

Mal angenommen, Sie hätten sich selbst porträtieren müssen. Wie könnten wir uns das Ergebnis vorstellen?

Entsetzlich. Es wäre sichergestellt worden, dass man überhaupt nichts hätte erkennen können – jedenfalls mich nicht. Eine Begabung zum Malen ist bei mir schlicht nicht vorhanden und deswegen wäre ich selbst für ein solches Gedankenexperiment nicht einmal theoretisch in Frage gekommen.

Über Norbert Lammert

Prof. Dr. Norbert Lammert, 71, stammt aus Bochum und ist studierter Sozialwissenschaftler. Er saß von 1980 bis 2017 für die CDU im Bundestag und war zwölf Jahre Parlamentspräsident. Seit 2018 ist er Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung.

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