Corona-Pandemie

Eventbranche akut in Gefahr

22.12.2020 – Veranstalter von Messen, Konzerten oder Weihnachtsmärkten sind durch die Corona-Pandemie besonders betroffen. Wie steht es konkret um die Eventbranche? Zu diesem Thema hat der Bundestag Experten angehört.
Mikrofon im bunten Scheinwerferlicht
Die Eventbranche leidet in der Corona-Pandemie. Und Experten warnen: Weniger Jugendliche planen eine Ausbildung in der Veranstaltungs- und Tourismusbranche. © picture-alliance/ZB | Britta Pedersen

Auf den Weihnachtsmarkt mit Freunden, ein Besuch im Theater, ein Konzert am Wochenende oder tanzen auf einem Musikfestival – durch die Corona-Krise war all das im gesamten letzten Jahr kaum oder gar nicht möglich.

Clubbetreiber, Musiker, Messebetreiber und viele andere Menschen, die in der Eventbranche arbeiten, sind durch die Pandemie besonders betroffen. Viele müssen um ihre Existenz bangen und sind auf staatliche Unterstützung angewiesen. Nun hat sich der Bundestag mit dem Thema beschäftigt. Genauer: Der Ausschuss für Tourismus. Dort haben sich Experten aus der Eventbranche in einer öffentlichen Anhörung geäußert.

„Unsere Branche liegt am Boden“

Borhen Azzouz, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Eventverbandes, zeigte auf, wie viele Menschen in der Eventbranche durch die Einschränkungen betroffen seien: „Wir sprechen von über 1,5 Millionen Beschäftigten in der Veranstaltungsbranche und 2,9 Millionen Beschäftigten in der Tourismusbranche.“

Laut Azzouz habe die Branche im Normalfall einen jährlichen Umsatz von rund 130 Milliarden Euro. Das sei der sechstgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland. Durch die Corona-Pandemie habe sich das aber geändert. „Unsere Branche liegt am Boden und verzeichnet seit März Umsatzrückgänge von 60 bis 100 Prozent“, so Azzouz.

Musik- und Eventreisen „komplett heruntergefahren“

Wie sehr „Musik- und Eventreisen“ den gesamten Tourismus beeinflussen würden, erklärte Axel Ballreich, der Vorsitzende des Verbandes der Musikspielstätten „LiveKomm“. Im Jahr 2019 wären  von 600 Millionen Übernachtungen in Hotels oder Jugendherbergen alleine 40 Millionen dieser Branche zu verdanken gewesen.

Seit dem ersten Lockdown sei nun „dieser Bereich komplett heruntergefahren“. „Wir haben Umsatzeinbußen von 95 bis 100 Prozent“, so Ballreich. Er gestand: „Unser Geschäftsmodell beruht auf Enge, Schwitzen, Zusammenhalt. Wir werden die letzten sein, die wieder in den Normalbetrieb gehen dürfen.“

„Sonderopferrolle“ entschädigen

Auch Ingrid Hartges, die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), nannte die Situation „dramatisch“. Besonders besorgt zeigte sich Hartges darüber, dass durch die Pandemie deutlich weniger Jugendliche eine Ausbildung in diesem Bereich anfangen würden.

Hartges kritisierte: „Um die allgemeine Wirtschaft aufrechtzuerhalten und damit die Schulen offen bleiben können, wird unserer Branche eine Sonderopferrolle zugemutet. Dies gilt es zu entschädigen.“

Arbeitsplätze „akut gefährdet“

Vom Ausstellungs- und Messeausschuss der Deutschen Wirtschaft war Jörn Holtmeier geladen. Er gab zu verstehen, dass Deutschland in normalen Zeiten weltweit „Messestandort Nummer eins“ sei. Die deutschen Messen hätten aber durch die Pandemie 22 Milliarden von normalerweise 28 Milliarden Umsatz verloren.

Holtmeier sagte außerdem, dass von den deutschlandweit 231.000 Arbeitsplätzen der Messebranche aktuell 185.000 „akut gefährdet“ seien.

„Ein Konzerthaus ist kein Schwimmbad“

Ilona Jarabek, die Präsidentin des Europäischen Verbandes der Veranstaltungs-Centren, bedankte sich für die bereits geflossenen staatlichen Hilfen. Damit sei schon viel erreicht. Ausreichen aber würde dies „bei Weitem noch nicht“. Sie forderte eine Strategie für den Zeitpunkt, ab dem es für ihre Branche „wieder losgehen kann“.

Zudem kritisierte Jarabek, dass die Eventbranche im gleichen Atemzug mit Freizeiteinrichtungen schließen musste. „Ein Konzerthaus ist nicht dasselbe wie ein Schwimmbad“, so Jarabek.

„Verfassungsrechtliche Klärung“

Seine Branche habe das letzte Mal auf den Weihnachtsmärkten 2019 Geld eingenommen, sagte Albert Ritter, der Präsident des Deutschen Schaustellerbundes. Dies sei „äußerst dramatisch“. Um hierfür adäquate staatiche Entschädigungen zu erhalten, ziehe er auch eine „verfassungsrechtliche Klärung“ in Erwägung.

Die gesamte Anhörung könnt ihr euch im Video anschauen.

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