Medien und Krieg

Journalisten leisten wichtige Arbeit

11.03.2020 – Können Berichterstatter in Krisengebieten dazu beitragen, Gewalt zu verhindern? Darüber diskutierte ein Unterausschuss im Bundestag. Experten stellten Positivbeispiele vor.
Kriegsreporter fotografiert zwischen bewaffneten Soldaten.
Die Arbeit von Journalisten in Krisengebieten ist oft gefährlich – aber sie ist wichtig. © shutterstock.com/Presslab

Wo Krieg herrscht, ist es gefährlich. Trotzdem wagen sich immer wieder Journalisten in Krisengebiete, um von dort aus zu berichten, um dem Rest der Welt zu zeigen, wie es vor Ort aussieht. 

Über die Rolle der Medien in Konflikten diskutierte ein Unterausschuss des Auswärtigen Ausschusses, der sich mit ziviler Krisenprävention beschäftigt, am 10. Februar. 

Selbstzensur aus Angst

In Deutschland haben wir Pressefreiheit: Journalisten können hier frei berichten, ihre Arbeit wird nicht beeinträchtigt und es gibt keine Zensur. So ist es nicht überall auf der Welt. Vor allem in Krisen-Regionen werden Medien-Vertreter oft gewaltsam eingeschüchtert oder bedroht, damit sie nichts berichten, was die Machthaber nicht verbreitet wissen wollen. 

Auf einer Delegationsreise nach Kamerun haben die Ausschuss-Mitglieder vor Kurzem hautnah erlebt, wie Redakteure unter Druck gesetzt werden. Nicht nur die Geheimpolizei im Land, sondern auch die Separatisten-Bewegung nähmen Einfluss auf die Berichterstattung, erfuhren die Bundestagsabgeordneten. Viele Journalisten zensierten sich daher aus Angst selbst, statt die Wahrheit über das zu berichten, was sie erleben.

Medienarbeit als Friedensarbeit 

Dabei spielen Journalisten gerade in Krisen eine wichtige Rolle. Sie werden manchmal auch als „vierte Gewalt“ bezeichnet, weil sie Regierungen, Parlamente und andere staatliche Stellen überwachen und Missstände aufdecken. Der Vorsitzende des Unterausschusses bezeichnete die Berichterstattung durch unabhängige Medien als einen „direkten Beitrag zur Krisenprävention“.  

Auch Jürgen Deile, Sprecher des Konsortiums „Ziviler Friedensdienst“, meint, dass die Medien eine zentrale Rolle bei der Förderung des Friedens haben. Seine Organisation fördert deshalb „Friedensjournalismus“ in 29 Ländern.

Projekte, die Mut machen 

Eine Maßnahme etwa sei das Projekt „The Story Kitchen“ aus Nepal. Dort interviewt ein Radio-Sender Vergewaltigungsopfer, um ihnen so eine Stimme zu geben. Über 1.000 Gespräche wurden schon aufgezeichnet. Mit diesem Vorgehen habe man dort schon einige positive Effekte erzielen können. So hätten sich viele der interviewten Frauen entschlossen, selbst die Geschichten anderer Betroffener publik zu machen. Auch arbeiteten sie vermehrt zusammen und entwickelten gemeinsam politische Forderungen.

Frank Domhan, Geschäftsführer von „Weltfilme“, setzt Film-Projekte mit Filmemachern in Entwicklungsländern um. Ihm sei es wichtig, dass auch Personen aus bildungsfernen und sozial schwächeren Schichten Zugang zu den Filmen haben. Die Nachfrage würde ständig wachsen. Eine DVD würde zum Beispiel in Schulen und Polizei-Akademien geschickt, um die Menschen dort für bestimmte Themen zu sensibilisieren und zu ermutigen, eigene Projekte zu starten. 

Was will der Ausschuss?

Viele Medienvertreter, die versuchen, aus Krisen-Regionen zu berichten, sind in Schwierigkeiten oder mussten schon aufgeben und ihr Land verlassen. Zum Teil finden ihre Mitarbeiter nun Schutz in Deutschland. 

Der Ausschuss will solche Medienmacher schützen und in ihrer Arbeit unterstützen. Dafür sollen Förderprogramme ausgebaut werden. Man arbeite intensiv mit dem Auswärtigen Amt zusammen, hieß es im Experten-Gespräch. Zum Beispiel seien Trainings für Medienmacher in Krisen-Ländern geplant. Man wolle dazu beitragen, nachhaltig „Institutionen des Vertrauens“ zu schaffen und für einen offenen Dialog in diesen Ländern zu sorgen. 

Hier könnt ihr euch das Fachgespräch in ganzer Länge anschauen: 

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