Großer Zapfenstreich

„Würdiges Gedenken an die Gefallenen“

15.10.2021 – Seit 2001 war die deutsche Bundeswehr in Afghanistan aktiv. Am Mittwoch endete der Einsatz mit einem Großen Zapfenstreich. Und auch Bundestagspräsident Schäuble würdigte die Soldatinnen und Soldaten.
Dutzende Soldaten in Uniform tragen Fackeln, gehen in Reihen, es ist dunkel
Der Zapfenstreich ist die größte und feierlichste Zeremonie der Bundeswehr. © DBT / Zahn / photothek

Fast 20 Jahre war die Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz. Ziel war es, das Land darin zu unterstützen, ein demokratisches System aufzubauen. Auch der Bau von Brunnen, Hilfe bei der Stromversorgung oder die Instandsetzung von Schulen war Teil der Mission. Immer wieder kam es während dieser Zeit aber auch zu Kampfhandlungen mit islamistischen Terrorgruppen.

Am Mittwochabend endete dieser Einsatz mit einem sogenannten Großen Zapfenstreich – eine zeremonielle Dankesfeier, mehr dazu später. Zuvor nämlich hatte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU/CSU) Soldatinnen und Soldaten des Einsatzes im Bundestag empfangen, um ihren Dienst zu würdigen. Dabei gedachte er auch den 59 deutschen Soldaten, die ums Leben kamen.

„Auftrag konnte nicht wie erhofft erfüllt werden“

„Sie sind die Bundeswehr – Ihnen gilt unser Respekt und unsere Anerkennung“, erklärte Schäuble in Richtung der anwesenden Soldaten. Gleichzeitig zeigt er sich jedoch auch selbstkritisch: „Wir, die Abgeordneten, die Sie in diesen Einsatz geschickt haben, haben gelernt: Der von uns erteilte Auftrag konnte nicht so erfüllt werden, wie wir es erhofft hatten.“

Zur Erklärung: In Deutschland haben wir eine sogenannte Parlamentsarmee. Das bedeutet, dass der Bundestag jedem Einsatz der Bundeswehr zustimmen muss. Nun sei es Aufgabe der Abgeordneten, so Schäuble, die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. „Das ist unsere Verantwortung, das sind wir Ihnen schuldig: den Veteranen, den Gefallenen, den im Einsatz Verstorbenen und ihren Familien und den Kameraden, die verseehrt zurückgekehrt sind“, so Schäuble.

Auch wenn es den Bürgern womöglich fremd sei, dass sich Soldaten „dem Dienst an der Waffe verschrieben haben“, so sei es wichtig, diese Leistung anzuerkennen. Es brauche „unsere Bereitschaft, uns stärker in die Lebenswelt der Streitkräfte zu begeben“. Der Große Zapfenstreich, der im Anschluss an seine Worte vor dem Reichstagsgebäude stattfand, stehe auch „für ein würdiges Gedenken an die Gefallenen“, so der Parlamentspräsident.

Erklärvideo „Die Parlamentsarmee“

Was war der Hintergrund des Afghanistan-Einsatzes?

Diese Bilder gingen um die Welt: Am 11. September 2001 entführten islamistische Terroristen Passagierflugzeuge und steuerten diese in das World Trade Center – zwei große Gebäude in New York. Als Antwort rief die sogenannte westliche Welt den „Kampf gegen den Terror“ aus.

Da die für den Anschlag verantwortliche Terrorgruppe Al-Qaida hauptsächlich aus Afghanistan operierte, beschloss die USA dort militärisch einzugreifen. Dabei wurde sie vom UN-Sicherheitsrat – dem höchsten Gremium der Vereinten Nationen – und dem Verteidigungsbündnis NATO unterstützt. Da auch Deutschland Teil der NATO ist, engagierten sich seitdem auch deutsche Soldaten und beteiligten sich am Krieg und am Wiederaufbau des Landes. Dabei waren 93.000 deutsche Soldaten und Soldatinnen im Einsatz, viele von ihnen mehrere Male.

Seit August dieses Jahres ist der Einsatz beendet und auch die militärische Aktivität der westlichen Verbündeten eingestellt. Dies sorgte in Windeseile für das Wiedererstarken der islamistischen Taliban, die 2001 entmachtet wurden. Viele Kritiker halten den gesamten deutschen Einsatz in dem südasiatischen Land daher für gescheitert. 

Was ist ein Zapfenstreich?

Der Große Zapfenstreich ist die größte und feierlichste Zeremonie der Bundeswehr. Ein Großer Zapfenstreich wird für Personen abgehalten, die sich für die Bundeswehr und die Sicherheit Deutschlands besonders eingesetzt haben.

Der Erzählung nach kommt der Begriff „Zapfenstreich“ daher, dass 1596 ein Offizier mit seinem Säbel über ein Bierfass oder dessen Zapfhahn gestrichen haben soll. Dies war dann das Zeichen für die Soldaten, dass kein Alkohol mehr ausgeschenkt wird und sie auf ihre Zimmer gehen sollten, um die Nachtruhe einzuhalten.

In der heutigen Form als musikalischer Aufmarsch wurde der Zapfenstreich zum ersten Mal im Jahr 1838 in Berlin aufgeführt. Er kann auf eine lange Tradition zurückblicken: So gab es ihn für die Streitkräfte der Kaiserzeit, in der Wehrmacht des nationalsozialistischen Deutschlands und bei der Nationalen Volksarmee der DDR. Heute, so Schäuble, sei er eine der „aus guten Gründen wenige(n) Zeremonien“, die für die Bundeswehr übernommen wurden.

Am gestrigen Zapfenstreich auf dem Platz der Republik, dem Platz vor dem Reichstagsgebäude, nahmen neben Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil.

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