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Linksjugend
"Auf Jüngere kommt es an"

24.08.2018 |

Warum sollten junge Leute bei der Jugendorganisation einer Partei mit­mach­en? Fragen wie diese haben wir jungen Abgeordneten aller Fraktionen gestellt. Diesmal: Victor Perli (Linke).

Victor Perli

"Gegen die kalte Ellbogenmentalität und rechtes Denken": Victor Perli (Die Linke). – © Victor Perli

Sie haben sich bei der Linksjugend engagiert? Warum?

Das war im Jahr 2000. Ich war Schüler und nicht einverstanden mit der politischen Entwicklung. Damals gab es den ersten deutschen Kriegseinsatz nach dem Zweiten Weltkrieg – ausgerechnet unter einer SPD/Grünen-Bundesregierung (umstrittener Einsatz der Nato im Kosovo 1999, Anm. der Red.). Dann wollten sie überall Studiengebühren einführen, der Sozialstaat wurde schlecht geredet, die Atomkraftwerke sollten erstmal weiter laufen, obwohl der Atomausstieg versprochen wurde, und dann versuchten auch noch ein paar Neonazis den Jugendraum in meinem Dorf zu kapern. Also gründete ich gemeinsam mit Mitschülerinnen und Mitschülern eine Linksjugend-Gruppe. Wir wollten nicht weiter zuschauen und engagierten uns für eine solidarische Gesellschaft, Frieden und Klimaschutz, gegen die kalte Ellbogenmentalität und rechtes Denken.

Hilft Ihre Erfahrung von dort bei Ihrer Arbeit im Bundestag?

Auf jeden Fall. In einem Jugendverband lernt man unglaublich viel. Wie stelle ich vor Ort etwas auf die Beine? Wie sorge ich dafür, dass sich etablierte Politiker mit unseren Interessen auseinandersetzen müssen? Wie funktionieren politische Abläufe vom Antrag über einen Beschluss bis hin zur Umsetzung? Man lernt natürlich auch in Gruppen zu arbeiten, vor anderen Leuten zu reden, eigene Argumente zu schärfen und Medien und Öffentlichkeit zu erreichen. Das sind Fähigkeiten, die man im Leben immer wieder braucht und gut gebrauchen kann. Auch, aber nicht nur, im Bundestag.

Wie unterscheidet sich die Linksjugend von der Mutterpartei Die Linke?

Die Linksjugend ist weit mehr als der parteinahe Jugendverband der Linken. Viele werden – so wie ich damals– aktiv und Mitglied, ohne sich in der Partei zu engagieren. Es geht weniger um Wahlkämpfe und parlamentarisches Kleinklein, dafür sind die politischen Debatten auch mal grundsätzlicher: Ist der Kapitalismus das Ende der Geschichte oder wie können wir auf dieser Welt besser leben? Muss sich mein ganzes Leben um die Arbeit drehen oder wie kann der Ausspruch "Her mit dem schönen Leben!" für alle Wirklichkeit werden?

Als Neonazis vor 15 Jahren menschenverachtende Musik an Schulen verteilten, hat die Linksjugend gemeinsam mit den Fantastischen Vier, Jan Delay, Seeed und vielen anderen Künstlern das Projekt "aufmucken gegen rechts" gestartet. Sowas schafft nur ein Jugendverband.

Welche Rolle spielt die Linksjugend aktuell für Sie? Oder Sie für die Linksjugend?

Ich verfolge interessiert, wie sich der Jugendverband entwickelt und bin häufig zu Gast bei Treffen und politischen Aktionen. Dadurch bekomme ich ganz gut mit, welche Themen und Anliegen unter Jugendlichen angesagt sind. Und natürlich versuche ich im Gegenzug #diesejungenleute zu unterstützen, wo es geht und gewünscht ist.

Warum sollte ich bei der Linksjugend mitmachen?

Erstens, weil man bei der Linksjugend sehr viel rumkommt, eine Menge toller Menschen kennenlernt und Freundschaften fürs Leben schließt. Zweitens, weil du sofort aktiv werden kannst, ganz egal, wo du wohnst. Einfach Material über die Internetseite bestellen und los geht's. Drittens, weil unsere Gesellschaften in Europa auf der Kippe sind und es auf uns Jüngere ankommt, Solidarität, Frieden, Klimaschutz und Demokratie immer wieder aufs Neue durchzusetzen anstatt sich dem Kapitalismus und den Rechten zu unterwerfen.

Über Victor Perli:

Victor Perli, 34, ist Politikwissenschaftler. Seit 2017 sitzt er im Bundestag. Er ist Mitglied im Bundesfinanzierungsgremium und im Haushaltsausschuss. Sein Wahlkreis ist Salzgitter-Wolfenbüttel.

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