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Autoindustrie
Der Menschen-Affen-Skandal

13.02.2018 |

Die Autoindustrie sorgt mal wieder für Negativschlagzeilen: Von sinnlosen Tier- und sogar von Menschenversuchen ist die Rede. Was ist da dran – und was sagen die Bundestagsfraktionen dazu?

Vier Stunden lang sollen Affen bei Tests solche Abgase eingeatmet haben. – © dpa

Deutsche Autokonzerne sollen nicht nur Abgas-Tests an Affen, sondern auch an Menschen mitfinanziert haben. Der Aufschrei über diese fragwürdigen Experimente war enorm, auch im Bundestag. Verkehrsminister Christian Schmidt (CDU/CSU) sprach am 2. Februar im Plenum von einer "absolut inakzeptablen ethischen Entgleisung". Was ist dran an dem Skandal?

Was ist passiert?

Fall Nummer eins: Bei einem Experiment in den USA mussten Affen vier Stunden lang Dieselabgase einatmen, damit wollte man herausfinden, wie schädlich die sind. Fall Nummer zwei: Bei einem Experiment in Deutschland atmeten 25 junge Menschen gering dosierte Mengen von Stickstoffoxiden ein. Sie taten das freiwillig. Stickoxide sind unter anderem auch in Dieselabgasen enthalten.

Wer steckt dahinter?

Zum einen muss man wissen: Tierversuche sind gängige Praxis, man mag davon halten was man will. Auch Menschenversuche sind legitim, solange sie freiwillig sind und niemand zu schaden kommt. Medikamente müssen sogar an Menschen getestet werden, bevor sie auf den Markt kommen.

Heikel an der ganzen Sache ist aber die Forschungsgemeinschaft EUGT, die hinter den Versuchen steckte (Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor). Die wurde 2007 von verschiedenen deutschen Autokonzernen gegründet und finanziert und soll eine reine Lobby-Einrichtung gewesen sein. Ziel seien Forschungen gewesen, die für die Autoindustrie positive Ergebnisse hervorbrächten, also schädliche Technologien reinwaschen, behaupten Kritiker. So sei zum Beispiel das Auto (ein VW Beetle), mit dessen Abgasen die Affen traktiert wurden, manipuliert gewesen. Es habe weniger Abgase ausgestoßen als im realen Straßenverkehr, so die Kritiker.

Grüne: "Realexperiment mit 80 Millionen Menschen"

Die Grünen verlangten aufgrund des Skandals eine Aktuelle Stunde im Bundestag. Ihr Redner Oliver Krischer nannte die Versuche "widerlich“ und "skrupellos". Im Abgas-Untersuchungsausschuss hätten Union und SPD behauptet, es sei "doch alles gar nicht so schlimm". Jetzt zeige sich: "Es ist alles noch viel schlimmer." Der erwähnte Untersuchungsausschuss der vergangenen Legislaturperiode sollte die Ursachen für das Auseinanderklaffen von Stickoxidwerten bei Diesel-Fahrzeugen zwischen dem Prüfstand und dem realen Betrieb auf der Straße sowie die Verantwortlichkeit des Staates klären.

Krischer hielt der Bundesregierung Heuchelei vor, wenn sie sich über die Tierversuche empöre, aber zulasse, dass die Automobilindustrie ein "Realexperiment mit 80 Millionen Menschen" durchführe.

Union: Hysterie ist unangemessen

Steffen Bilger (CDU/CSU) erklärte, die Wissenschaft dürfe "nicht zu Werbung oder Marketingzwecken missbraucht" werden. Doch "Hysterie" sei "völlig unangemessen". Er berichtete außerdem vom Rückgang der Stickoxidbelastung in den Städten und sprach sich gegen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge aus. Mit dem Wandel der Mobilität würde alles besser. Gemeint war damit z.B. die Entwicklung zu mehr E-Autos und saubereren Motoren.

SPD: Versuche ohne Erkenntnisgewinn

Kirsten Lühmann (SPD) ließ durchblicken, dass Tierversuche nicht unüblich sind, auch um Grenzwerte festzulegen. Der "Skandal" beim Versuch an Affen sei, dass die Tiere "ohne Erkenntnisgewinn gequält" worden seien. Versuche mit Erkenntnisgewinn seien legal und müssten weiter möglich sein, meinte sie mit Verweis auf die notwendige Freiheit von Lehre und Forschung. Sie setzte sich aber auch für mehr Transparenz ein: Es müsse klar sein, wer hinter den Versuchen steckt, außerdem forderte sie ein Lobbyregister.

AfD: Alles aufgebauscht

Detlev Spangenberg (AfD) warf den Grünen vor, sie würden die ganze Sache aufbauschen. Den Kritikern des Versuchs im Bundestag hielt er vor, "einen Skandal aufzubauen, der ohne Substanz ist." Die Menschenversuche seien legal gewesen: "So ist die Rechtslage."

FDP: VW hat nix dazugelernt

Judith Skudelny (FDP) meinte, ein Versuch könne "nicht schon deshalb unethisch sein, weil er von der Privatwirtschaft finanziert wird". "Weder ethisch nachvollziehbar noch duldsam" sei aber der Versuch an den Affen gewesen, meinte sie und fragte sich, warum sich VW nun schon wieder in den Schlamassel manövriere. Das Unternehmen habe aus dem Abgasskandal "nichts dazugelernt".

Linke: Ignoranz der Bundesregierung

Ingrid Remmers (Die Linke) nannte die Versuche an Tieren und Menschen "erbärmlich". Der Bundesregierung hielt sie "Ignoranz" gegenüber den Herstellern vor: "Wir alle werden zu Versuchstieren in Abgas-Untersuchungen gemacht." Die Folge seien Asthma, Krebs und Kreislauferkrankungen.

Die komplette Debatte mit den vollständigen Statements könnt ihr euch im Video anschauen.

(DBT/ah)

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