Inhalt

Wölfe
Kein Märchen

08.02.2018 |

Seit 18 Jahren leben wieder Wölfe in Deutschland. Manche meinen mittlerweile: Zu viele. Andere wollen den Wolf schützen. Im Bundestag gab es dazu jetzt vier Anträge.

Wolf

"Großmutter, was hast du für ein großes Maul?": Canis lupus lupus, der europäische Grauwolf – © dpa

Wölfe kennen die meisten nur aus dem Märchen. Doch auf leisen Sohlen hat es der Canis Lupus Lupus jetzt sogar nach Berlin geschafft: In den möglichen Koalitionsvertrag zwischen SPD und Union. Ein ganzer Absatz widmet sich der Zukunft des grau-braunen Rudeltiers. Im Bundestag war er schon vorher angekommen und zwar gleich in vierfacher Ausführung: FDP, AfD, Die Linke und die Grünen haben ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, wie es den Wölfen in deutschen Wäldern zukünftig ergehen soll.

Wieder da

In Deutschland wurden Wölfe im 18. Jahrhundert ausgerottet. Jedoch kamen vereinzelt Tiere aus Nachbarländern wie Polen zurück und siedelten sich schließlich wieder bei uns an. Mittlerweile leben in allen östlichen Bundesländern Wolfsrudel und auch im Rest der Bundesrepublik werden es immer mehr - im Zeitraum bis 2017 lebten circa 60 Wolfsrudel in 77 Territorien. Die Größe eines Rudels und ihres Reviers ist dabei sehr unterschiedlich: Sie hängt unter anderem davon ab, wie viele Beutetiere den Wölfen zur Verfügung stehen. In Mitteleuropa gibt es Territorien, die bis zu 350 Quadratkilometer groß sind - das ist ungefähr die Fläche der Stadt München.

Aber nicht alle Menschen freuen sich über die neuen Bewohner: Während Tierschützer die gerade wieder neu angesiedelten Wölfe schützen wollen, sorgen sich Bauern um ihre Schafe und Ziegen. Die Debatte um den Wolf ist daher auch in der Politik angekommen.

FDP fordert Wolfmanagement

Der Wolf steht in Deutschland unter besonders strengem Schutz. Die FDP sieht das positiv, sieht sich aber auch mit deutlichen Zahlen konfrontiert: Wölfe hätten 2016 mehr als 1.000 Nutztiere gerissen, heißt es in ihrem Antrag. Die Fraktion fordert darum ein "bundesweites Wolfsmanagement" und die Aufnahme des Wolfes ins Jagdgesetz. Als jagdbares Tier würde der Wolf dann nicht zwangsläufig zum Abschuss freigegeben. Die Entscheidung dazu träfe der Jäger im betroffenen Bezirk.

Karlheinz Busen (FDP) meinte, es seien vor allem "Hobbyexperten", die den Wolf schützen wollen. Was seine Fraktion mit Wolfsmanagement meint, beschreibt der Abgeordnete so: "Wenn man Verbreitungsgebiete festgelegt hat und die Population im jeweiligen Verbreitungsgebiet gefestigt ist, dann kann und muss man Wölfe außerhalb dieser Gebiete auch entnehmen."

AfD: Problemwölfe jagen

Die AfD möchte, so legt es ihr Antrag nahe, erst mal herausfinden, welche Wölfe wirklich geschützt sind. Mischungen zwischen Wolf und Hund könnten dabei zum Beispiel keinen Schutzstatus mehr erhalten. Außerdem will die Fraktion stärker gegen "Problemwölfe" vorgehen: das sind zum Beispiel solche, die Schafe und Ziegen reißen. Außerdem sollen Wölfe auch dann gejagt werden können, wenn es in einem Gebiet recht viele von ihnen gibt.

Karsten Hilse (AfD) meinte, viele Menschen in Deutschland hätten einen zu romantischen Blick auf den Wolf und daran seien die Medien schuld. Wölfe hätten vielerorts die Scheu vor dem Menschen verloren und würden deshalb zu einer Gefahr.

Linke: Wolf erforschen

Die Linke weist in ihrem Antrag darauf hin, dass der Wolf durch verschiedene internationale Abkommen und Richtlinien streng geschützt sei – und dass Wölfe vermehrt Nutztiere reißen, was ein Problem sei. Die Fraktion hat deshalb eine lange Liste mit Maßnahmen für einen besseren Herdenschutz aufgestellt und fordert wissenschaftliche Forschungen zur Entwicklung der Wolfspopulation.

Dr. Kirsten Tackmann (Linke) erklärt, dass es den Schäfern in Deutschland schon lange schlecht gehe, auch ohne den Wolf. Sie zitierte einen Schäfer, der meinte, es nütze gar nichts, den Wolf zu bejagen, denn einer kann genauso gefährlich werden wie zehn. Was helfen würde, sei Unterstützung beim Herdenschutz, bessere Preise für die Produkte der Schäfer und eine Weidetierprämie.

Grüne: Umfassender Schutz

Die Grünen weisen auf das weltweite Artensterben hin und ziehen einen Vergleich zwischen Wölfen und Elefanten: Wie wir von afrikanischen Staaten fordern würden, dass sie ihre Elefanten schützen, seien auch wir verpflichtet, unsere Wölfe zu schützen. Eine Jagd auf Wölfe lehnen die Grünen grundsätzlich ab, da die aktuelle Population in Deutschland noch nicht stabil sei (was bedeutet, die Wölfe könnten in Deutschland jederzeit wieder aussterben). Nur ganz schlimme Problemwölfe sollen getötet, dafür soll der Herdenschutz verbessert werden.

Steffi Lemke (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte, Wildschweine würden genauso viele Probleme machen wie Wölfe. Man solle aber nicht Angst und Panik verbreiten, sondern versuchen, die Probleme effektiv zu lösen. Sie erwähnte mehr Unterstützung für die Schäfer, und dass es richtig sei, "auffällige Wölfe zu kontrollieren".

CDU: Ganze Rudel entnehmen

Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU/CSU) sprach über die Schwierigkeiten beim Herdenschutz. Der könne nur durch jede Menge Zäune gewährleistet werden, und das sei erstens teuer und zweitens würden dadurch wertvolle natürliche Lebensräume zerschnitten. Der Abgeordnete will deshalb die Wolfspopulation eher klein halten. In Gebieten, wo Zäune schwierig sind, sollten "ganze Rudel" entnommen werden.

SPD fordert mehr Entschädigung

Carsten Träger (SPD) erklärte, was die FDP in ihrem Antrag wirklich fordere: Senkung des Schutzstatus, "Abschüsse von Wölfen". Die von der AfD erwähnten Wolfsmischlinge bezeichnete er als "kompletten Unfug". Träger plädierte für besseren Herdenschutz und vor allem mehr Entschädigung für betroffene Tierhalter.

Die Anträge wurden nun erst einmal an den Umweltausschuss überwiesen. Wer sich die Wolfsdebatte vom 2. Februar 2018 anschauen möchte, findet sie hier im Video.

Der Wolf und die GroKo

Und was genau wollen eigentlich Union und SPD, die ja als einzige keinen Wolfsantrag in den Bundestag geschickt haben? Das steht im Koalitionsvertrag: Problemwölfe entnehmen, Schutzstatus überprüfen und den Bestand regulieren.

(DBT/ah)

Kommentare

 
 

Dein Kommentar



Artikel bewerten: