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Ausstellung
Take no Seat, Please!

09.01.2018 |

Sie sind wieder da: vier historische Klappsessel aus dem alten Bundestag in Bonn. Platz nehmen sollte man darin dennoch nicht, denn die Sitzgelegenheiten sind Ausstellungsstücke. Der Bundestag ist nämlich auch ein Museum.

historisches Gestühl

Frisch restauriert: Die historischen Abgeordnetensessel aus Bonn werden wieder eingebaut. – © DBT/Achim Melde

Wir hätten in der Überschrift ja gern geschrieben: "Take a Seat, Please". Aber vermutlich hätte es dann Ärger gegeben. Denn die frisch restaurierten vier historischen Abgeordnetensessel aus dem alten Bonner Bundestag sind heute Ausstellungsstücke. Was sagt uns das? Genau: Der Bundestag ist auch ein Museum. Gleich drei Dauerausstellungen sind im Reichstagsgebäude und im Berliner Untergrund zwischen selbigem und anderen Bundestagsgebäuden zu finden.

Welche Ausstellungen gibt es?

In der Glaskuppel des Reischstagsgebäudes geht es – ums Reichstagsgebäude. In der Ausstellung "Vom Reichstag zum Bundestag – Daten. Bilder. Dokumente." dreht sich alles um die wechselvolle Geschichte dieses Bauwerks. In der "Verfassungs- und parlamentsgeschichtlichen Ausstellung" im unterirdischen Durchgang zwischen Reichstagsgebäude und einem Gebäude mit dem Namen Paul-Löbe-Haus geht es hingegen um die wesentlichen Stationen der deutschen Parlaments- und Verfassungsgeschichte.

Die vielleicht spannendste Ausstellung trägt den Titel "Deutsche Parlamente im Spiegel ihrer Gebäude". Sie ist spannender als ihr Titel klingen mag. Denn hier wartet objektgewordene Geschichte – wie zum Beispiel die besagten Sessel. Doch dazu später.

Von Spaten und Urnen

Was begeistert einen Anhänger der deutschen parlamentarischen Demokratie? Richtig, ein Spaten. Den soll Kaiser Wilhelm I. bei der Grundsteinlegung zum Reichstagsgebäude am 9. Juni 1884 in der Hand gehalten haben. Seinerseits vermutlich mit wenig Begeisterung, denn er war kein großer Freund des Parlamentarismus. In der Ausstellung im unterirdischen Durchgang vom Reichstagsgebäude zum daneben liegenden Gebäude mit dem Namen Jakob-Kaiser-Haus geht es aber nicht nur um das Reichstagsgebäude, sondern die vielfältigen und teilweise fast schon in Vergessenheit geratenen Orte, an denen seit 1848 deutsche Parlamente und verfassungsgebende Versammlungen getagt haben.

Viele Jahrzehnte lang war das in Bonn der Fall, von hier stammt auch die Urne, in der die Stimmzettel für die Wahl des ersten Bundespräsidenten und des ersten Bundeskanzlers 1949 eingesammelt wurden. Oder die vier geheimnisvollen Sessel.

Historisches Gestühl

Diese vier lederbezogenen schwarzen Klappsessel wurden 1949 angefertigt, auf ihnen nahmen Generationen von (west-)deutschen Parlamentariern im Plenarsaal des Bundeshauses in Bonn platz. Sie stehen nun wieder in der Ausstellung im Berliner Untergrund auf einem Stück des Original-Parketts aus dem alten Bonner Plenarsaal.

Bereits Anfang 2017 waren Schäden an Sesseln festgestellt worden, darunter lange Risse im Leder bei den Polsterungen der Rücken- und Armlehnen. Zu Beginn der parlamentarischen Sommerpause Anfang Juli 2017 gingen die Sessel deshalb zu einer Spezial-Polsterei nach Hannover, Anfang Januar 2018 konnten sie nun wieder aufgestellt werden. Nicht hineinsetzen könnt ihr euch übrigens nur im Rahmen einer öffentlichen Führung mit dem Schwerpunkt Parlamentsgeschichte. Dafür ist der Eintritt frei.

(DBT/ah)

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