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Drogen
Cannabis weiter umstritten

05.07.2018 |

Kiffen erlauben? Mehrere Oppositionsfraktionen fordern das Parlament auf, Cannabis zu legalisieren, mehrere Sachverständige warnen und mahnen. Wir bringen euch auf den neusten Stand.

wandelndes Hanfblatt

"Gebt das Hanf frei": Aktivisten, darunter einige vom Deutschen Hanfverband, kämpfen seit Jahren für eine Legalisierung der Droge. Im Bundestag sprachen sich Experten dafür und dagegen aus. – © dpa

Kiffen - harmlos oder nicht?

Ist Cannabis eine "Alltagsdroge" wie Alkohol? Sollte man deshalb legal kiffen dürfen? Linke, Grüne und Liberale argumentieren in diese Richtung. Sie sind – nicht zum ersten Mal – mit verschiedenen Vorlagen am Start, mit denen sie das Hanf-Verbot zu Fall bringen wollen. Dagegen steht wie ein Bollwerk vor allem die Union. Und im Gesundheitsausschuss meinten am 27. Juni einige Experten sinngemäß, dass Kiffen Psychosen auslöst und die geistige Entwicklung stören kann. Andere hielten dagegen und meinten, die Verbotspolitik sei gescheitert.

Der Stand der Dinge

Wir unterscheiden unter anderem zwischen legalen und illegalen Drogen. Zu den legalen Drogen zählen solche, die gesetzlich erlaubt sind und gesellschaftlich akzeptiert werden, also zum Beispiel Alkohol und Nikotin im Rahmen von bestimmten Altersbeschränkungen. Die meisten Drogen fallen unter das Betäubungsmittelgesetz (BtmG) und dürfen somit nicht frei gehandelt werden.

Werden Pflanzenteile der weiblichen Hanfpflanze (wissenschaftlicher Name Cannabis) so konsumiert, dass sie eine berauschende Wirkung hervorrufen, spricht man von Cannabis als Rauschmittel. Umgangssprachlich wird dies auch "Gras", "Weed", "Marihuana" oder etwa "Haschisch" genannt.

Der Konsum von Cannabis ist nach geltendem Recht straflos. Strafbar ist jedoch der Besitz. Bereits bei 0,1 Gramm Marihuana in der Hosentasche handelt man illegal. Allerdings gibt es oft eine "Toleranz-Regelung" für eine "geringe Menge", bei der von einem Strafverfahren abgesehen werden kann. Wie hoch diese Grenze ausfällt, ist je nach Bundesland verschieden.

FDP: Modellprojekte

Die FDP-Fraktion schlägt nun in ihrem Antrag vor, Modellprojekte für einen liberaleren Umgang mit Cannabis zu ermöglichen. Ihr Ziel ist, die (legale) Verbreitung von Cannabis zu kontrollieren und gleichzeitig den Gesundheits- und Jugendschutz zu verbessern.

Linke: Legale Kleinmengen

Die Linke fordert in ihrem Antrag legale Kleinmengen: Bis zu 15 Gramm Gras oder entsprechende Mengen anderer Cannabiserzeugnisse oder bis zu drei Cannabispflanzen soll jeder Volljährige haben dürfen.

Grüne: Cannabissteuer

Die Grünen wollen mit ihrem Gesetzentwurf Cannabis aus dem BtmG herausnehmen. Stattdessen sollte ein kontrollierter legaler Markt für Cannabis eröffnet werden mit einer staatlich regulierten Handelskette. Der Verkauf an Minderjährige wäre (wie bei Schnaps) verboten, eine Cannabissteuer würde eingeführt.

Die Pro-Hanf-Experten

Die Expertenwelt spaltet sich bei dieser Angelegenheit im Prinzip in zwei Lager. Leute wie der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Justus Haucap argumentieren, dass der seit über 40 Jahren laufende Krieg gegen die Drogen nicht zu gewinnen ist. Mit der Freigabe von Cannabis könnte dem organisierten Verbrechen jedoch die Kontrolle über den Markt wirksam entzogen werden. So ließen sich Nutzer besser schützen, denn Cannabis sei heute auch für Jugendliche problemlos zu bekommen und die Qualität oft übel: Die Dealer würden den Drogen oft extrem schädigende zusätzliche Substanzen beimischen.

Auch Prof. Dr. Lorenz Böllinger sieht das so. Cannabis sei heute leichter, in größeren Mengen und billiger zu haben als früher. Abschreckung und Prävention funktionierten nicht. Es sei deshalb ein Mythos, wonach das BtmG die Volksgesundheit schütze. Vielmehr erzeuge das Gesetz erst den profitträchtigen Schwarzmarkt und kriminalisiere im Grunde harmlose Menschen. Hinzu kämen Kosten in Milliardenhöhe für die Strafverfolgung.

Die Hanf-Kritiker

Die andere Seite, wie Prof. Dr. Rainer Thomasius, meint: Das Verbot sei richtig. Bei einer Legalisierung kämen auf die Gesellschaft enorme Belastungen zu durch konsumbedingte Notfallbehandlungen, Verkehrsunfälle und Suizide, so der Suchtforscher. Auch an ein Ende des Schwarzmarktes glaubt er nicht.

Uwe Wicha, Leiter einer Klinik für Drogenrehabilitation, machte anhand des Beispiels Alkohol deutlich, was eine Freigabe von Cannabis aus seiner Sicht bewirken würde. Beim Alkohol könne auch nicht von einem kontrollierten Markt und einer sinnvollen Prävention gesprochen werden. Jugendliche sähen in Alkohol schon deswegen kein Problem, weil er legal sei. Das werde bei Cannabis genauso sein.

Auch die Bundesärztekammer und der Psychiatrieverband DGPPN warnten vor der Droge: Es sei nicht abschließend geklärt, ob der Cannabiskonsum Psychosen auslösen könne. Nach Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer gibt es Hinweise auf mögliche Schäden insbesondere bei häufigem Cannabiskonsum junger Leute, so etwa Störungen der geistigen Entwicklung und in der Folge Schulprobleme.

(DBT/ah)

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