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Kosovo: 10 Jahre
Teil einer Familie sein

30.07.2018 |

Jedes Jahr haben junge Akademikerinnen und Akademiker aus aller Welt die Möglichkeit, fünf Monate hinter die Kulissen des Parlaments zu schauen. Kosovo ist nun schon seit zehn Jahren beim Internationalen Parlaments-Stipendium dabei, Kaltrina nahm 2016 an dem Programm teil.

Kaltrina

Kaltrina 2016 während ihres IPS-Stipendiums unter der Kuppel. – © privat

Sie kommen aus Mittel- und Osteuropa, aber auch aus den USA, Frankreich, Israel, der Kaukasus-Region und Zentralasien: Junge Akademikerinnen und Akademiker aus rund 40 Ländern bekommen jedes Jahr die Möglichkeit, fünf Monate hinter die Kulissen der Arbeit des Deutschen Bundestages zu schauen. Kaltrina stammt aus dem Kosovo und hat 2016 am Interationalen Parlaments-Stipendium teilgenommen. Das Land ist seit zehn Jahren bei dem Programm dabei. Was sie heute macht, erzählt sie hier:

Ich bin Kaltrina Beqiri. Ich habe 2016 am Internationale Parlaments-Stipendium (IPS) teilgenommen. Heute bin ich Vorsitzende der IPS-Alumni aus dem Kosovo. Im Jahr 2016, dem 30. Jubilämsjahr des IPS, war ich gerade mit meinem Bachelor-Studium für Politikwissenschaft an der Universität Prishtina fertig und hatte wenig Berufserfahrung.

Unterwegs in Deutschland

Nach den unglaublichen fünf Monaten im Berlin als IPSlerin bin ich zurück ins Kosovo gegangen. In diesen Monaten habe ich nicht nur persönlich vieles erlebt, sondern auch beruflich sehr vieles gelernt. Durch die verschiedenen Stiftungsreisen, die wir in dieser Zeit gemacht haben, habe ich viel über die Arbeit der parteinahen Stiftungen in Deutschland erfahren. Unter anderem, dass sie auch außerhalb Deutschlands arbeiten, wie zum Beispiel bei mir zu Hause im Kosovo.

Vom IPS in den Auswärtigen Ausschuss

In den ersten Monaten, als ich zurück im Kosovo war, habe ich ein Praktikum an der Friedrich-Ebert-Stiftung in Prishtina gemacht. Da hatte ich die Möglichkeit, viel über die Arbeit der deutschen Stiftungen im Ausland zu erfahren. Danach arbeitete ich als Beraterin des Vorsitzenden des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten im Parlament von Kosovo. Das erworbene Wissen und die Erfahrungen im Bundestag durch das IPS haben natürlich eine große Rolle beim Erwerb dieser Position gespielt. Heute arbeite ich auch als Alumni-Koordinatorin an einem Privatkolleg im Kosovo.

Forschungsfeld Populismus

Während des IPS 2016 haben wir uns sehr viel mit dem Populismus und Rechtsextremismus befasst. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema hat mich sehr stark beeinflusst und ist später dann auch Thema meiner Master-Thesis geworden. Jetzt, zwei Jahre später, habe ich mich komplett dem Studium der populistischen Parteien gewidmet.

Netzwerk über 40 Nationen

Die fünf Monate in Berlin haben mein Leben in vielerlei Hinsicht verändert. Durch die Zeit in Berlin hatte ich die Möglichkeit, die Kultur Deutschlands kennenzulernen und gleichzeitig auch mit 116 anderen Stipendiaten aus über 40 Nationen zusammenzuleben und auch etwas über deren Kultur zu erfahren. Der kulturelle Austausch, die interessanten Diskussionen über alle möglichen Themen wie auch der Kontakt zu den anderen Stipendiaten ist für mich das Herzstück des IPS. Denn das IPS ist nicht nur ein Praktikum im Deutschen Bundestag, es ist sehr viel mehr. Durch das IPS fühlt man sich als Teil einer großen internationalen (deutschsprachigen) Familie.

Über Kaltrinas Heimat Kosovo:

Die Republik Kosovo liegt im westlichen Balkan, ist ungefähr halb so groß wie Mecklenburg-Vorpommern und erst zehn Jahre alt. Das Land ist das ärmste der Balkanländer, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Das Kosovo hat rund 1,8 Millionen Einwohner (rund 90 Prozent Albaner, Rest Serben und andere). Das Land war bis 2008 offiziell Teil Serbiens.

Hauptstadt: Prishtina mit geschätzt 400.000 Einwohnern

Landessprache: vor allem Albanisch und Serbisch

Religion: mehrheitlich Muslime; daneben Christen (v.a. serbisch-orthodoxe)

Regierungsform: Parlamentarische Demokratie