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Umwelt
Keime im Badesee

11.07.2018 |

Klingt unheimlich, ist aber völlig normal. Wenn Keime allerdings resistent gegen Antibiotika sind, kann es gefährlich werden. Experten zeigten sich im Umweltausschuss besorgt angesichts des Problems.

Bakterienkultur

Mit Bakterienkulturen wie dieser lassen sich multiresistente Keime nachweisen. – © dpa

Es ist Sommer und den deutschen Gewässern geht es nicht gut. Begünstigt durch viel Wärme und Sonne, gut versorgt durch Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft, sprießen Algen. Seen und Teiche drohen aus dem Gleichgewicht zu geraten. Allerdings ist das nicht das einzige Problem unserer Gewässer. Dort lauern auch multiresistente Keime. Was ist das denn?

Gefahr durch Super-Keime

Das sind zum Beispiel Bakterien, die gegen gängige Antibiotika unempfindlich geworden sind. Verschluckt man beim Baden zu viel Wasser mit den Erregern oder gelangen sie ins Trinkwasser, kann das böse enden. Sie können zu schweren Erkrankungen führen, die nicht gut zu behandeln sind. Umweltschützer machen die intensive Landwirtschaft mit ihrem hohen Antibiotika-Einsatz mitverantwortlich für die Ausbreitung resistenter Super-Keime. Wir berichteten darüber.

Den Grünen macht das Sorgen, in einem Antrag fordern sie, etwas dagegen zu unternehmen. In einer Anhörung von Experten vor dem Umweltausschuss am 13. Juni wurde eines sehr deutlich: Die Wissenschaft hinkt dem Problem hinterher.

Zu wenig Forschung

Der Forschungsstand zum Thema multiresistenter Keime im Wasser weist noch erhebliche Lücken auf, das war die einhellige Meinung der Sachverständigen in der öffentlichen Anhörung. Gewässerkundler Prof. Dr. Thomas U. Berendonk führte aus, dass resistente Bakterien eine biologische Verschmutzung darstellen, die bislang (anders als chemische Verschmutzung) überhaupt nicht betrachtet wurde. Darum wisse man auch wenig darüber, wie stark sich multiresistente Keime vermehren und wie die Resistenz weitergegeben wird, so der Forscher.

Antibiotika vorsichtig einsetzen

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Martin Exner vom Institut für Hygiene und öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn erklärte, bei der ganzen Aufregung um resistente Keime hätte die Wissenschaft eine Sache bisher wenig berücksichtigt: die Umwelt. Dabei spiele auch die Belastung durch Krankenhausabwässer eine Rolle. "Es braucht ein vorsorgendes, fachübergreifendes Handeln und einen sachgerechten Einsatz von Antibiotika bei Mensch und Tier, um die Entstehung an der Quelle zu bekämpfen", forderte Dr. Friederike Vietoris vom Umweltministerium des Landes Nordrhein-Westfalen. Um entsprechende Maßnahmen bei kommunalen Kläranlagen oder Krankenhäusern einleiten zu können, müssen erst grundlegende Forschungsergebnisse vorliegen.

Teure Filter für Kläranlagen

Das meint auch Dr. Issa Nafo vom Wasserwirtschaftsunternehmen Emschergenossenschaft/Lippeverband. "Der Stand heute ist, dass wir zwischen 90 und 99 Prozent der Keime eliminieren können. Wir sprechen also über den restlichen Prozentanteil", so der Wissenschaftler. Es sei vor allem mehr Zeit zum Forschen in Laboren und Pilotanlangen nötig, um konkrete Lösungsansätze zu finden. Prof. Dr.-Ing. Norbert Jardin vom Ruhrverband, der 65 Kläranlagen betreibt, meinte, dass diese weitere Reinigungsstufen benötigten, um die Keime aus dem Abwasser rauszufiltern. Damit würden aber auch die Gebühren deutlich steigen.

Problemkind Landwirtschaft

Dr. med. Wolfgang Straff vom Umweltbundesamt nahm die Landwirtschaft in den Blick. Mangelhafter Hygiene in Ställen könne man nicht durch den massenhaften Einsatz von Antibiotika kompensieren. "Der Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft hat sich zwar zwischen 2011 und 2016 halbiert, aber die Resistenzraten sind nach wie vor sehr hoch", erklärte Reinhild Benning von Germanwatch. Was helfen könne: Noch weniger Antibiotika einsetzen.

Wie es mit den zahlreichen Forderungen der Grünen in ihrem Antrag nun weitergeht, wird sich erst nach der Sommerpause zeigen, wenn der Bundestag sich weiter mit der Vorlage beschäftigt. Wenn ihr euch vorher über den aktuellen Stand der Wissenschaft schon mal schlau machen wollt, schaut euch doch einfach mal die Statements der Experten an.

(DBT/ah)

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