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Mobildatennetz
Zu schlecht und zu teuer

09.03.2018 |

Ziemlich mies sind die mobilen Netze in Deutschland verglichen mit anderen europäischen Ländern. Die Vorschläge der Abgeordneten: Masten, Apps und ein Ministerium.

Smartphone ohne Netz

Kein Netz, keine Seltenheit: Auf dem Land kommen Nachrichten aufs Smartphone oft nicht durch. – © dpa

Der Zustand des deutschen Mobildatennetzes lässt sich ganz leicht erforschen: zum Beispiel auf einer Fahrt von Berlin nach Dresden. Wer dort mobile Daten nutzen möchte, hat häufig folgende Meldung auf dem Bildschirm seines Smartphones: "Netzwerkfehler – Seite kann nicht geladen werden". Die A13 ist dabei kein Ausrutscher, man kann das Phänomen auch auf anderen Reiserouten durch die Republik beobachten. Deshalb macht sich die FDP Sorgen um das deutsche LTE-Netz, das sich "am unteren Ende der europäischen Rangliste" bewegen würde, und hatte dazu am 1. März eine Aktuelle Stunde einberufen.

LTE steht dabei für Long Term Evolution und bedeutet, dass – je nach Empfangssituation – Daten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 300 Megabit pro Sekunde übertragen werden.

Fraktionen: Zustände sind mies

Die Abgeordneten hatten viele Beispiele zu bieten, die den Zustand illustrieren sollten und waren sich einig: Das deutsche Mobilnetz ist vergleichsweise schlecht und eines der teuersten in Europa, wie Thomas Jarzombek (CDU/CSU) zu berichten wusste.

Frank Sitta (FDP) meinte, von "weißen Flecken" auf der Karte könne man schon gar nicht mehr sprechen, sondern eher von "weißen Flächen". Ähnlich äußerte sich Dr. Jens Zimmermann (SPD) und Matthias Büttner (AfD) bezeichnete den Zustand als skandalös.

Tech-Dinosaurier

Anke Domscheit-Berg (Die Linke) bemängelte, dass Roaming (also Datennutzung im Ausland) nicht gefördert werde und Margit Stumpp (Bündnis 90/ Die Grünen) beschwerte sich darüber, dass der Tech-Dinosaurier Telekom als großes Telekommunikationsunternehmen zu sehr gehätschelt werde und die Hälfte aller Förderungen abgreife.

Ideen: Apps und Masten

Während beim Benennen des Problems Einigkeit bestand, gingen die Lösungsvorschläge der Abgeordneten weit auseinander. Domscheit-Berg (Linke) bemängelte, die Bundesregierung habe bislang den Konzernen falsche Auflagen gemacht, das dürfe sich beim Ausbau des 5G-Netzes nicht wiederholen. 5G ist der schnellste Mobilfunkstandard, den es aktuell noch nicht gibt.

Zimmermann (SPD) forderte mehr Sendemasten, damit 5G diesmal auch flächendeckend aufgebaut wird und Nadine Schön (Union) brachte die Idee einer App ins Spiel, mit der Bürger die weißen Flecken auf der Mobilfunkkarte melden könnten. Stumpp (Grüne) beschwerte sich, dass es auch in der neuen Regierung kein Ministerium für Digitales gebe.

Viele Probleme lösten sich

Schließlich erinnerte allen voran die Fraktion der FDP daran, welches Potenzial ein Land auf hohem digitalen Stand bietet: Der ländliche Raum könne aufgewertet werden und so etwa angespannte Wohnungsmärkte in den Ballungsräumen entlasten. Digitalisierung könne hier im wahrsten Sinne des Wortes verbinden, sagte Sitta.

Der AfD-Abgeordnete Büttner pflichtete dem bei. LTE in der Fläche würde eine Diskussion über die Mietpreisbremse erübrigen, sagte er. Auch Redner der Unionsfraktion verwiesen auf die Chancen für ländliche Gegenden als Lebensräume.

Wenn ihr alle Fakten und Argumente der Abgeordneten zum Mobildatennetz noch einmal genauer haben wollt: Hier geht es zum Video-Mitschnitt der Debatte.

(DBT/ah)

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