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Botanik
Königin im Bundestag

16.05.2018 |

Kürzlich war eine echte Hoheit im Bundestag zu Gast, nämlich die aktuelle deutsche Baumkönigin. Zusammen mit dem Agrar-Ausschuss würdigte sie den Baum des Jahres: die Ess-Kastanie.

Baumkönigin Anne Köhler

Im Nebenberuf Königin: Anne Köhler, 24, angehende Landschaftsarchitektin. – © Deutscher Bundestag / Achim Melde

In einer überschaubaren, aber begeisterten Fangemeinde ist sie bereits ein Star. Sie hat eine eigene Botschafterin, sie hat eine eigene Stiftung, die ihren Ruhm verbreitet – unter anderem mit Merchandising-Artikeln wie Schlüsselanhängern und Goldbarren (!). Nein wir reden hier nicht von einer Musik-Ikone oder einem aufstrebenden Wundersportler, sondern über Castanea sativa. Sie stammt aus südlichen Gefilden und erreicht eine beeindruckende Größe von bis zu 35 Metern. Castanea sativa, die Ess-Kastanie, ist der Baum des Jahres 2018.

Majestät gibt sich die Ehre

Anne Köhler, 24, angehende Landschaftsarchitektin, ist im Nebenberuf Königin. Genauer gesagt: Baumkönigin. Als solche ist sie die schon erwähnte Botschafterin der Ess-Kastanie. Eine ihrer Aufgaben in diesem Jahr ist es, möglichst medienwirksam möglichst viele Ess-Kastanien zu pflanzen – und den Ruhm des Baumes zu vermehren.

Vorgänger der Kartoffel

Letzteres tat sie am 25. April des Jahres auch im Bundestag und zwar im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft. Das deutet schon auf zwei wichtige Eigenschaften der Ess-Kastanie hin: Man kann sie essen und sie hat eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung. Die Castanea sativa sei das "Dessert der Reichen und das Fleisch der Armen", sagte die Baumkönigin und begründete die Auswahl der Baumart mit deren Nützlichkeit.

So wurden die stärkehaltigen und lange haltbaren Früchte des Baumes in frühen Jahrhunderten, bevor die Kartoffel ihren Weg nach Europa fand, vom Volk als Nahrungsmittel verzehrt. Heute finden sie als Delikatesse vor allem in Desserts, Torten, Suppen sowie als Füllung der Martinsgans Verwendung. Und das Holz der Ess-Kastanie ist sehr haltbar, resistent gegen Verrottung und es hat einen hohen Brennwert.

Für Bäume sensibilisieren

Eine "gute Wahl", meinte der Ausschussvorsitzende Alois Gerig (CDU/CSU), zum aktuellen Baum des Jahres und bedankte sich im Namen der Abgeordneten für das Engagement der Dr. Silvius Wodarz Stiftung. Die kürt nämlich jährlich den Baum des Jahres und das schon seit 1989. Ziel der Stiftung ist es, "Menschen an Bäume heranführen und Sensibilität für dieses lebendige Naturgut zu schaffen".

Das ist anscheinend auch notwendig, wenn man bedenkt, dass Bäume in den privaten Höfen und Gärten auf dem Rückzug sind. Denn sie machen ja Dreck. Besonders im Herbst, wenn viele von ihnen ihre Blätter abwerfen. Da siegt der Pragmatismus der Gartenbesitzer oft über das ästhetische Empfinden und der Baum muss weichen oder wird gar nicht erst gepflanzt.

Im Falle der Ess-Kastanie wäre das wirklich schade, denn sie ist mit ihrem imposanten Wuchs, den eleganten, gezähnten Blättern und der reichen Blüte im Frühsommer ein ausgesprochen schöner Baum. Und im Herbst liefert sie dann die schon erwähnten Nussfrüchte, die von einer Stachelhülle umschlossenen Maronen.

Attraktion für Bienen

In unseren nördlichen Breiten ist die Ess-Kastanie mit diesen allerdings eher geizig, denn der ursprünglich in Italien, Spanien und südlich des Kaukasus heimische Baum mag es lieber warm. Vielleicht ändert sich das mit dem Klimawandel. Der sorgt zumindest dafür, dass die Ess-Kastanie auch bei uns vom reinen Zierbaum wieder mehr und mehr zum Nutzbaum wird. Denn ihr Holz ist qualitativ mit dem der Eiche vergleichbar.

Anders als die Eiche kann die Ess-Kastanie aber Trockenheit im Frühjahr viel besser ab und sie wächst doppelt so schnell. Außerdem blüht sie lange und ist damit eine Attraktion auch für Bienen. Zum Basteln von Kastanienmännchen wird die Ess-Kastanie allerdings seltener verwendet. Dafür muss meist die weiter verbreitete und auch viel bekanntere Rosskastanie herhalten. Deren Früchte sehen ähnlich aus, schmecken aber höchstens Rössern. Ansonsten haben die beiden Bäume auch rein gar nichts miteinander zu tun, sie sind nicht mal verwandt.

(DBT/ah)

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