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Der 9. November

09.11.2017 |

Kein Tag wie jeder andere: Der 9. November schrieb in vielerlei Hinsicht Geschichte – wer hier nur an den Fall der Berliner Mauer denkt, kennt diese wichtigen Jahrestage noch nicht.

Schild Platz des 9. Nopvember 1989

Am Grenzübergang Bornholmer Straße fiel die Berliner Mauer. Heute ist hier ein Stück Straßenpflaster nach dem Ereignis benannt. – © picture alliance/Eventpress

Der 9. November, da war doch was... Genau. Eine ganze Menge war da sogar, schauen wir ein wenig zurück in die Geschichte, ist der 9. November mit einigen ziemlich dramatischen Begebenheiten aufgeladen. Wer hier nur an den Fall der Berliner Mauer denkt – das letzte der besagten dramatischen Ereignisse an einem 9. November –, denkt zu kurz. Also schauen wir, was an diesem Tag alles passiert ist.

9. November 1918

Vor genau 99 Jahren war der Erste Weltkrieg für das damalige Kaiserreich im Herbst so gut wie verloren. Doch Ende Oktober wollte die deutsche Seekriegsleitung die Flotte gleichwohl erneut gegen England schicken. Die Matrosen meuterten, wenig später kam es zu einem allgemeinen Aufstand von Arbeitern und Soldaten. Am 9. November erreichte die Revolution Berlin.

Vom Kaiser wollten die Revolutionäre nichts mehr wissen, wie eine neue Republik aussehen sollte, darüber gingen die Vorstellungen allerdings sehr auseinander. Noch am selben Tag rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann von einem Fenster des Reichstagsgebäudes die "deutsche Republik" aus. Wenige Stunden später proklamierte Karl Liebknecht vom Spartakusbund, einem Vorgänger der Kommunistischen Partei, von einem Balkon des Berliner Stadtschlosses die "freie sozialistische Republik".

Ebenfalls am 9. November 1918 beschloss eine Berliner Soldatenversammlung, in den Betrieben und Garnisonen der Hauptstadt Arbeiter- und Soldatenräte zu wählen, die am Tag darauf eine neue provisorische Regierung einsetzen sollten. Um linksradikale Kräfte von der Macht fernzuhalten, einigten sich die beiden sozialdemokratischen Parteien, die es damals gab, darauf, eine gemeinsame Regierung zu bilden. So geschah es dann auch. Die neue Regierung nannte sich "Rat der Volksbeauftragten" und beschloss zwei Tage später die Einführung des Wahlrechts für Frauen und am 30. November Wahlen zur Verfassunggebenden Nationalversammlung für den 19. Januar 1919.

9. November 1938

Zum nächsten Showdown kam es dann 20 Jahre später. Die nach 1918 entstandene Weimarer Republik war schon wieder Geschichte, seit fünf Jahren waren die Nazis an der Macht. Dass die Juden in Deutschland unter deren Herrschaft wenig zu lachen hatten, war in diesen fünf Jahren schon klargeworden. Mehr als 100.000 Deutsche jüdischer Herkunft hatten ihre Heimat bereits verlassen, in München, Nürnberg und Dortmund wurden im Sommer 1938 Synagogen gesprengt. Die Lage eskalierte schließlich in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, als die Nazis in ganz Deutschland die meisten der noch bestehenden 400 Synagogen verwüsteten und in Brand steckten, Friedhöfe schändeten und jüdische Geschäfte und Wohnungen verwüsteten.

Nach offiziellen Angaben kamen während des Pogroms rund 100 Menschen ums Leben, tatsächlich jedoch waren es vermutlich mehr. Rund 30.000 Juden wurden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Die Besitzer zerstörter Geschäfte mussten auf eigene Kosten "das Straßenbild wiederherstellen". Mit dem Pogrom begann zugleich die Phase der völligen Rechtlosigkeit, wurden Juden durch Gesetze und Verordnungen vollends aus der deutschen Gesellschaft ausgeschlossen. Aber auch das reichte den Nazis noch nicht: Ab 1941 betrieben sie die sogenannte Endlösung, die systematische Ausrottung der europäischen Juden. Bis zum Kriegsende 1945 starben rund sechs Millionen von ihnen in den Gaskammern der Konzentrationslager und bei Massenhinrichtungen.

9. November 1989

Deutlich erfreulicher waren die Ereignisse am 9. November 1989. Dabei war die ganze Sache wohl eigentlich ein Unfall. Schon seit Monaten gärte es in der damaligen DDR, die Ostdeutschen wollten sich mit dem kommunistischen Regime nicht mehr abfinden. Mit ständigen Demonstrationen setzten sie die Regierenden unter Druck – und mit einer Massenflucht über Ungarn und die damalige Tschechoslowakei in den Westen. Die Parteiführung und die Regierung in der DDR sahen sich zu immer mehr Zugeständnissen genötigt. Schließlich versuchten die schon schwer angeschlagenen Machthaber, die Sache mit einem neuen Reisegesetz in geordnete Bahnen zu lenken. In einer eilig erlassenen Verordnung hieß es, dass "Visa zur ständigen Ausreise unverzüglich zu erteilen" seien und: "Ständige Ausreisen können über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD beziehungsweise zu West-Berlin erfolgen." Wohlgemerkt: Es ging hier eigentlich nicht um Reisefreiheit, sondern um Emigration – ohne Rückfahrkarte.

Der endgültige Auslöser des Mauerfalls war dann die Frage eines italienischen Journalisten, der wissen wollte, ab wann die Regelung den gelte. Auf einer Pressekonferenz der Parteiführung geriet deren Sprecher Günter Schabowski ins Stammeln: "Das tritt nach meiner Kenntnis, äh, ist das sofort, unverzüglich." Da die Pressekonferenz live im DDR-Fernsehen übertragen wurde, zogen nun Tausende Berliner zu den Grenzübergangsstellen und verlangten deren Öffnung. Die Grenzer dort wussten von nichts und waren völlig überfordert. Am Ende beugten sie sich dem Druck der Massen. Als erstes ließ der Grenzübergang Bornholmer Straße die Menschen durch, es folgten sämtliche Übergänge in Berlin, die Leute tanzten auf der Berliner Mauer. Damit war die nach 28 Jahren gefallen und die mehr als 40 Jahre dauernde Teilung Deutschlands ging zu Ende.

(DBT/ah)

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