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Jungpolitiker Grüne
"Ergebnis macht mir Mut"

20.10.2017 |

Danyal Bayaz (34) sitzt für die Grünen neu im Bundestag. Dass er sein politisches Ehrenamt zum Beruf macht, hat mit den Entwicklungen in Europa zu tun.

Bayaz

Ist hoch motiviert, hat aber auch Demut vor der großen Verantwortung: Danyal Bayaz – © PR

Als Sie die Nachricht bekamen, dass Sie in den Bundestag einziehen, was ging Ihnen da als erstes durch den Kopf?

Freude auf die neue Aufgabe und Motivation anzupacken, aber auch Demut vor der großen Verantwortung.

Haben Sie gefeiert und wenn ja, wie?

Los ging es mit Public Viewing der ersten Hochrechnungen um 18 Uhr auf unserer Grünen-Wahlparty in meinem Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen. Als die Nachricht zur erfolgreichen Wahl spät in der Nacht kam, bin ich mit guten Freunden noch ein paar Gin-Tonics trinken gegangen.

Warum sind Sie Politiker geworden? Gab es ein spezielles Erlebnis, das Sie auf diesen Weg gebracht hat?

Bislang war für mich Politik ein Hobby und Ehrenamt. Doch die Entwicklungen in Europa im letzten Jahr mit dem Aufstieg von Rechtspopulisten, dem Brexit und schwierigen internationalen Partnern wie Trump, Putin oder Erdogan haben mich dazu ermutigt, für den Deutschen Bundestag zu kandidieren.

Sie haben sich bereits mit Ihren Parteifreunden in Berlin im Bundestag getroffen. Wie waren die ersten Stunden im Hohen Haus?

Es gab schon ein Aufeinandertreffen alter und neuer Fraktionäre und auch mit Blick auf mögliche Koalitionsverhandlungen haben bereits erste Treffen von Arbeitsgruppen stattgefunden. Außerdem gibt es insbesondere für neue Abgeordnete viele Einführungsveranstaltungen zu inhaltlichen Themen, aber auch zu Fragen der Organisation des praktischen Alltags.

Drei Sätze, kurz und knapp: Was sollte in Deutschland am Ende Ihrer ersten Legislaturperiode anders sein als am Beginn?

Erstens: Die ökologische Modernisierung unserer Wirtschaft, unseres Verkehrs und des Finanzmarktes sollte einen großen Schritt weiter sein, damit wir als Bundesrepublik Deutschland das Pariser Klimaabkommen einhalten können.

Zweitens: Der Zulauf zu rechtspopulistischen und europafeindlichen Bewegungen sollte im Vergleich zu heute wieder eingedämmt und das Vertrauen der Menschen in demokratische Grundwerte gestärkt sein.

Drittens: Die Gestaltung der Digitalisierung sollte so weit vorangeschritten sein, dass Staat, Wirtschaft und Beschäftigte gemeinsam die richtigen Angebote entwickelt haben, um die digitale Arbeitswelt von morgen erfolgreich meistern zu können.

Bei der Juniorwahl in den Schulen hat Ihre Partei mit 17,9 Prozent viel besser abgeschnitten als bei der "richtigen" Bundestagswahl, bei der die Grünen auf 8,9 Prozent kamen. Wie erklären Sie sich das?

Dieses Ergebnis macht mir Mut. Übrigens nicht nur, weil wir Grünen doppelt so stark sind, sondern auch, weil das Ergebnis der AfD mit 6 Prozent nur halb so hoch ausfällt. Offensichtlich treiben die beiden Mega-Themen Klima- und Umweltschutz einerseits und die Verteidigung der offenen Gesellschaft andererseits gerade junge Menschen besonders stark um. Das sollten wir sehr ernst nehmen, schließlich geht ja um die Zukunft dieser jungen Menschen.

Danyal Bayaz (*1983) kommt aus Heidelberg, hat in Stuttgart Politik und Wirtschaft studiert und anschließend über Finanzmärkte promoviert. In den letzten Jahren war er für einen Beratungsfirma tätig, wo er sich insbesondere mit den Themen Arbeitsmarkt, Digitalisierung und Finanzmarktregulierung beschäftigte. Zur Bundestagswahl 2017 ist er im Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen (Baden-Württemberg) angetreten.

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