Inhalt

Jungpolitiker AfD
SMS am Wickeltisch

17.10.2017 |

Mit 26 Jahren gehört Markus Frohnmaier (AfD) zu den jüngsten Abgeordneten des Bundestages. Der junge Vater will sich unter anderem für ein kinderfreundliches Deutschland einsetzen.

Frohnmaier

Ist skeptisch gegenüber einem allzu positiven und naiven Menschenbild: Markus Frohnmaier (AfD). – © PR

Als Sie die Nachricht bekamen, dass Sie in den Bundestag einziehen, was ging Ihnen da als erstes durch den Kopf?

Ich habe – ehrlich gesagt – nicht viel darüber nachgedacht. Man hatte ja schon davor eine ungefähre Ahnung gehabt, ob es klappt oder nicht, und bei so einem guten Gesamtergebnis war es dann eben sofort klar, dass es geklappt hat. Insofern war ich natürlich glücklich, erleichtert und habe mich über die vielen Gratulanten gefreut. Die haben mich sogar angerufen und gesimst, als ich gerade die Windeln meines mehrere Wochen alten Sohnes gewechselt habe.

Haben Sie gefeiert und wenn ja, wie?

Natürlich habe ich zusammen mit Familie und Freunden am Wahlabend angestoßen und war auch ausgelassen, aber richtig "durchfeiern" kann man sich als Ehemann und Vater nicht mehr so ausgiebig leisten wie früher – obwohl unser großartiges Ergebnis von 12,6 Prozent es sicherlich gerechtfertigt hätte. Insofern war ich dann nach Mitternacht auch schon im Bett, um am nächsten Tag die ersten Parteitermine nach der Bundestagswahl wahrzunehmen.

Warum sind Sie Politiker geworden? Gab es ein spezielles Erlebnis, das Sie auf diesen Weg gebracht hat?

Ich war schon immer ein politisch tickender Mensch, aber ich denke, eines der für mich prägendsten Erlebnisse war in der Grundschule. Nach den Terroranschlägen vom 11. September haben sich muslimische Klassenkameraden Stift und Lineal genommen, daraus eine Art Flugzeug gebastelt und damit die schrecklichen Anschläge auf das World Trade Center voller Elan nachgespielt.

Einige christliche Klassenkameraden wurden auch gedemütigt und wurden dazu gezwungen, vor den Muslimen in der Klasse auf dem Boden zu kriechen. Das hat mich früh dazu gebracht, einige fundamentale Annahmen unserer nur auf Toleranz und Multikulturalismus gepolten Politik einmal kategorisch zu hinterfragen.

Aus dem Hinterfragen ist dann aber kein tumbes rassistisches oder islamophobes Ressentiment geworden, sondern die für Konservative typische Skepsis gegenüber einem allzu positiven und naiven Menschenbild, das wir leider auf der linken Seite des politischen Spektrums viel zu häufig antreffen. Deshalb bin ich auch Mitglied der AfD geworden, nachdem die CDU angefangen hat, auch diesem Menschenbild nachzulaufen.

Sie haben sich bereits mit Ihren Parteifreunden in Berlin im Bundestag getroffen. Wie waren die ersten Stunden im Hohen Haus?

Man geht nicht in das deutsche Parlament, ohne Ehrfurcht und großen Respekt zu haben. Der Reichstag wurde im Kaiserreich erbaut. 1918 wurde hier an einem Fenster die erste demokratische Republik in Deutschland ausgerufen. 1933 wurde er niedergebrannt und damit der Vorwand für die beginnende NS-Gewaltherrschaft gelegt.

Und erst seit 1999 tagt hier wieder das Parlament eines vereinten Deutschlands. Wer sich dessen bewusst ist, kann in den ersten Stunden wohl nicht anders, als auch an die große Verantwortung zu denken, die auf jedem Abgeordneten lastet, zum Wohle des deutschen Volkes zu handeln und die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

Aber es war natürlich nicht nur eine reine Andacht, sondern es war auch schön, mit den freundlichen Mitarbeitern der Bundestagsverwaltung und den Parteikollegen zu sprechen. Mit Letzteren zusammen habe ich dann auch an der Konstituierung unserer Bundestagsfraktion mitgewirkt und gleich gemerkt: In den nächsten vier Jahren wird von allen Abgeordneten kompetente Arbeit auf hohem Niveau erwartet. Ich freue mich darauf!

Drei Sätze, kurz und knapp: Was sollte in Deutschland am Ende Ihrer ersten Legislaturperiode anders sein als am Beginn?

Erstens: Deutschland soll die Kontrolle über seine Grenzen zurückerlangt, die illegale Migration gänzlich gestoppt und ein Einwanderungssystem nach australischem Vorbild (Punktesystem) eingeführt haben.

Zweitens: Deutschland soll wieder eine unabhängige und souveräne Außenpolitik verfolgen, in der wir nicht nur unseren Bündnispartnern (z.B. den USA) blind hinterherrennen und beispielsweise durch eine unbedachte Interventionspolitik wie in Syrien bestehende Konflikte verschlimmern, sondern eigene Interessen formulieren.

Drittens: Deutschland soll junge Familien mehr fördern, indem Steuern und Abgaben gesenkt werden und in dem wir auch in den Köpfen der Bürger für mehr Kinderfreundlichkeit werben.

Bei der Juniorwahl in den Schulen hat Ihre Partei mit 6,0 Prozent schlechter abgeschnitten als bei der "richtigen" Bundestagswahl, bei der die AfD auf 12,6 Prozent kam. Wie erklären Sie sich das?

Ich denke, dass vor allem an Schulen ein komplett falsches Bild von der AfD vermittelt wird. Es ist leider so, dass viele Lehrer eher linke Parteien wählen und daher auch viele Vorurteile gegenüber der AfD haben, die sie dann – das ist menschlich ja absolut nachvollziehbar, wenn auch nicht begrüßenswert – in den Unterricht einfließen lassen. Auch haben meines Wissens nach bei der Juniorwahl Nichtdeutsche ebenfalls wählen dürfen, was das Ergebnis sicherlich weiterhin in eine für die AfD ungünstige Richtung verzerrt hat. Es gilt aber natürlich auch der Spruch: "Wer in jungen Jahren nicht links ist, hat kein Herz, wer es später noch immer ist, hat keinen Verstand."

Die Wahlanalyse der "echten" Bundestagswahl zeigt insofern auch deutlich, dass wir schon bei Menschen ab dem 25. Lebensjahr überdurchschnittlich oft gewählt werden – das hängt ja auch meistens damit zusammen, dass man als junger Mensch irgendwann zum ersten Mal ein richtiges Gehalt von seiner Hände Arbeit bezieht und plötzlich feststellt, dass es gar nicht so toll ist, wenn einige Parteien lauter soziale Wohltaten versprechen und dafür Steuern oder Sozialabgaben erhöhen wollen. Nur die ganz Jungen und die ganz Alten, die dieses Problem nicht haben, wählen uns unterdurchschnittlich.

Markus Frohnmaier (*1991) wurde in Rumänien geboren und ist in Weil der Stadt aufgewachsen. Er machte an einem Wirtschaftsgymnasium Abitur und studiert in Tübingen Rechtswissenschaft mit Schwerpunkt Kriminologie. Er trat bei der Bundestagswahl 2017 in Böblingen an.

Kommentare

 
 

Dein Kommentar



Artikel bewerten: