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Jungpolitiker Linke
"Menschen vor Profite"

16.10.2017 |

Hat morgens um fünf erfahren, dass er in den Bundestag einzieht: Michel Brandt (27) aus Karlsruhe. Der jüngste Abgeordnete der Linken will Menschenrechte und die Arbeitsbedingungen im Kulturbereich in den Fokus rücken.

Brandt

Michel Brandt ist Schauspieler. Im Bundestag möchte er sich vor allem für Kulturpolitk einsetzen. – © PR

Als Sie die Nachricht bekamen, dass Sie in den Bundestag einziehen, was ging Ihnen da als erstes durch den Kopf?

Ich hab es erst um 5 Uhr morgens erfahren und ehrlich gesagt, war das erste, was ich dachte nach dem anstrengenden Wahlkampf und dieser Zitternacht: Na Gott sei dank endlich schlafen.

Haben Sie gefeiert und wenn ja, wie?

Wir haben eine große Wahlparty mit über 170 Genossen und Sympathisanten in einer Karlsruher Kneipe veranstaltet und nach dem die wirklich sehr, sehr guten Karlsruher Ergebnisse kamen, wurde es auch eine richtige Feier!

Warum sind Sie Politiker geworden? Gab es ein spezielles Erlebnis, das Sie auf diesen Weg gebracht hat?

Ich bin seit meiner frühen Jugend in sozialen, ökologischen und antirassistischen Bewegungen aktiv. Durch den anhaltenden Rechtsruck in Politik und Gesellschaft war für mich klar, es muss was passieren. Zwar war ich immer überall aktiv, in der Schule, in der Uni, im Personalrat im Betrieb und trotzdem hat es mir nicht mehr ausgereicht.

Sie haben sich bereits mit Ihren Parteifreunden in Berlin im Bundestag getroffen. Wie waren die ersten Stunden im Hohen Haus?

Es war spannend. Ich hab auch eine Weile gebraucht, um zu begreifen, dass es jetzt tatsächlich geklappt hat. Jetzt geht es natürlich vor allem darum, wie ich mich inhaltlich in die Fraktion einbringen kann.

Drei Sätze, kurz und knapp: Was sollte in Deutschland am Ende Ihrer ersten Legislaturperiode anders sein als am Beginn?

Erstens, wir wollen, dass die gesellschaftlichen Fragen wieder von links gestellt werden, dafür werden wir die nächsten vier Jahre arbeiten. Zweitens, Menschenrechte müssen endlich in den Fokus der politischen Diskussion kommen; Menschen vor Profite muss die Handlungsmaxime sein. Drittens: Ich möchte mit dafür sorgen, dass Kulturpolitik und die Arbeitsbedingungen im Kulturbereich größere Aufmerksamkeit bekommen.

Bei der Juniorwahl in den Schulen hat Ihre Partei mit 7,3 Prozent schlechter abgeschnitten als bei der "richtigen" Bundestagswahl, bei der Die Linke auf 9,2 Prozent kam. Wie erklären Sie sich das?

Das hat mich gewundert, das war bisher eher anderes herum. In Karlsruhe habe ich eine andere Dynamik, gerade in den Schulen, wahrgenommen. Wir sind die einzige Partei, die gesellschaftliche Visionen konsequent vertritt und nicht nur im Vierjahresrhythmus denkt, genau das ist es, womit wir gerade bei jungen Menschen punkten können.

Michel Brandt (*1990) wurde in Achim (Niedersachsen) geboren, studierte bis 2012 Schauspiel in Stuttgart und ist am Theater in Karlsruhe engagiert. Bei der Bundestagswahl kandidierte er hier für Die Linke.

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