Inhalt

Jungpolitikerin SPD
Haare blau, Klamotten bunt

17.10.2017 |

Hat am Wahlabend alle Gefühlslagen durchgemacht: Josephine Ortleb (30) aus Saarbrücken. Die neue SPD-Abgeordnete will sich für eine Gesellschaft engagieren, in der alle Menschen die gleichen Chancen haben, unabhängig vom Aussehen, Geschlecht oder der Herkunft.

Josephine Ortleb

Will auch Umweltthemen stärker nach vorne bringen: Josephine Ortleb – © PR

Als Sie die Nachricht bekamen, dass Sie in den Bundestag einziehen, was ging Ihnen da als erstes durch den Kopf?

Am Wahlabend habe ich wirklich alle Gefühlslagen durchgemacht – als wir um 18 Uhr die ersten Zahlen hatten, war das natürlich erstmal bitter für uns. Als wir dann aber spät am Abend wussten, dass ich das Direktmandat gewonnen habe, war die Freude riesig.

Haben Sie gefeiert und wenn ja, wie?

Klar haben mein Team und ich gefeiert. In dem Moment, in dem klar war, dass wir das Direktmandat für die SPD zurückgewonnen haben, waren alle erleichtert und die Anspannung der letzten Wochen ist abgefallen. Wir sind dann von der Wahlparty der SPD Saar weitergezogen in unsere Stammkneipe am Sankt Johanner Markt in Saarbrücken.

Warum sind Sie Politikerin geworden? Gab es ein spezielles Erlebnis, das Sie auf diesen Weg gebracht hat?

Als Jugendliche habe ich mir die Haare blau gefärbt und am liebsten bunte Klamotten angezogen. Dass dies nicht allen Menschen gefällt, habe ich dann relativ schnell zu spüren bekommen. Die Erfahrung, aufgrund seines Aussehens anders behandelt zu werden, hat mir klargemacht, dass ich mich für eine Gesellschaft engagieren will, in der alle Menschen die gleichen Chancen im Leben haben, unabhängig von ihrem Aussehen, ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religion oder ihrer Herkunft.

Sie haben sich bereits mit Ihren Parteifreunden in Berlin im Bundestag getroffen. Wie waren die ersten Stunden im Hohen Haus?

Es ging direkt richtig rund – verschiedene Presseanfragen, viele neue Gesichter und spannende Gespräche mit den neuen Kolleginnen und Kollegen. Ich bin auch froh, dass ich mich den langen Gängen und großen Gebäuden nicht verlaufen habe.

Drei Sätze, kurz und knapp: Was sollte in Deutschland am Ende Ihrer ersten Legislaturperiode anders sein als am Beginn?

Erstens: Männer und Frauen bekommen den gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit. Zweitens: Weniger prekäre Beschäftigung in Deutschland. Vor allem darf es keine Befristungen mehr ohne Sachgrund geben. Drittens: Der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft ist wieder gestärkt und das Miteinander zählt mehr als das Gegeneinander.

Bei der Juniorwahl in den Schulen hat Ihre Partei mit 19,3 Prozent etwas schlechter abgeschnitten als bei der "richtigen" Bundestagswahl, bei der die SPD auf 20,5 Prozent kam. Wie erklären Sie sich das?

Bei vielen Diskussionen mit Schülerinnen und Schülern ist mir aufgefallen, dass gerade die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit sehr wichtig für die jungen Menschen sind. Dazu hat die SPD gute Ansätze in ihrem Regierungsprogramm geboten. Trotzdem müssen wir uns hier als Partei breiter aufstellen, um innovative und zukunftsweisende Antworten auf die drängenden Fragen einer ganzen Generation zu bieten.

Josephine Ortleb (*1986) stammt aus Saarbrücken. Nach dem Abi absolvierte sie eine Ausbildung im Gastro-Bereich, seit 2014 saß sie für die SPD im Stadtrat. Bei der Bundestagswahl 2017 gewann sie in Saarbrücken das Direktmandat.

Kommentare

 
 

Dein Kommentar



Artikel bewerten: