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Jungpolitiker FDP
Erst mal ins Bootcamp

09.10.2017 |

Roman Müller-Böhm (24) zieht als jüngster Abgeordneter für die FDP in den neuen Bundestag. Was ihm am Wahlabend durch den Kopf ging, wie er die ersten Stunden im Hohen Haus erlebte und was ihn politisch umtreibt.

Roman Müller-Böhm

Will per Social Media an die Wähler ran: Roman Müller-Böhm. – © PR

Als Sie die Nachricht bekamen, dass Sie in den Bundestag einziehen, was ging Ihnen da als erstes durch den Kopf?

Erleichterung, dass der anstrengende und aufreibende Wahlkampf nun vorbei ist und Freude darüber, dass sich die ganzen Mühen gelohnt haben. Ehrlich gesagt brauchte ich aber ein paar Tage um zu realisieren, dass ich nun wirklich Mitglied des Deutschen Bundestages bin.

Haben Sie gefeiert und wenn ja, wie?

Selbstverständlich! Ich war um 18 Uhr zu Hause im Wahlkreis und bin dann zusammen mit Freunden nach Berlin in die Parteizentrale geflogen, um dort mit meiner Freundin und weiteren Freunden zu feiern. Am Montagmorgen fand ja auch schon unsere erste Fraktionssitzung statt.

Warum sind Sie Politiker geworden? Gab es ein spezielles Erlebnis, das Sie auf diesen Weg gebracht hat?

Es ist nicht so, dass ich eines Morgens aufgewacht bin und beschlossen habe, Politiker zu werden. Ich wollte Zustände, die mich stören und ärgern, nicht einfach hinnehmen und auch nicht darauf warten, dass irgendjemand etwas ändert. Ich glaube daran, dass jeder etwas verändern kann, wenn man nur will. Das hat mich immer angetrieben!

Sie haben sich bereits mit Ihren Parteifreunden in Berlin im Bundestag getroffen. Wie waren die ersten Stunden im Hohen Haus?

Überwältigend. Wir haben in einem Bootcamp gelernt, wie die Arbeit als Abgeordneter überhaupt funktioniert. Viele meiner Kollegen sind neue Abgeordnete und die Fraktion musste sich komplett neu gründen. Ich finde es gut, dass wir nicht alleine gelassen werden und viel erklärt bekommen. Meinen Freunden habe ich unsere Fraktion als eine Art "große Schulklasse" beschrieben. Wir arbeiten zusammen, lernen viel Neues und machen natürlich auch unsere Späße.

Drei Sätze, kurz und knapp: Was sollte in Deutschland am Ende Ihrer ersten Legislaturperiode anders sein als am Beginn?

Erstens möchte ich, dass wir Deutschland in den Bereichen Digitalisierung, Infrastruktur und innere Sicherheit weiter nach vorne bringen können. Zweitens möchte ich daran arbeiten, dass die demokratischen Parteien wieder stärker werden und im Bundestag kein Platz für Rassismus und Hass ist. Drittens möchte ich – zumindest was meine Person betrifft – die Arbeit eines Bundestagsabgeordneten transparenter gestalten. Ich denke, dass noch zu wenig darüber informiert wird, wie der Alltag im Parlament und Wahlkreis abläuft.

Bei der Juniorwahl in den Schulen hat Ihre Partei mit 8,8 Prozent schlechter abgeschnitten als bei der "richtigen" Bundestagswahl, bei der die FDP auf 10,7 Prozent kam. Wie erklären Sie sich das?

Wir bieten umfangreiche Lösungen auf gesellschaftliche Probleme, statt wohlklingende Phrasen zu dreschen. Wir haben zwar die besten Lösungen, aber brauchen länger, um diese zu erklären. In Schulen bleibt bei einer 45-minütigen Diskussion keine Zeit, um den Schülern Fragen ausführlich zu beantworten und unsere Lösungen zu erklären. Ich halte es aber für wichtig, dass man der jungen Generation nicht nur Phrasen anbietet, sondern sie von Anfang an mit in das Lösungskonzept einbindet. Das mag zwar komplizierter sein, ist aber nachhaltiger.

Roman Müller-Böhm (*1992) stammt aus Essen und studiert Rechtswissenschaften in Bochum. Zur Bundestagswahl 2017 ist er im Wahlkreis Oberhausen – Wesel III angetreten.

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