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Der Autor

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Samuel Nepomuk Schwarz (20)
studiert Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft

Serie: Kunst im Büro
"Etwas Geheimnisvolles"

31.10.2018 |

Aus der Kunst-Sammlung des Bundestages können sich Abgeordnete Werke für ihre Arbeitsräume leihen. Samuel stellt euch Parlamentarier und ihre Büro-Kunst vor – in einer Serie. Diesmal: Christian Dürr (FDP).

Abgeordneter steht vor einem Bild

Immer mehr erkennt Christian Dürr (FDP) in dem Bild ein Boot, das über den See dem Horizont entgegengleitet. – © Samuel Schwarz

Abgeordneter neben Skulptur

Wenige Abgeordnete haben eine Skulptur im Büro stehen, daher falle sie besonders auf, meint Dürr. – © Samuel Schwarz

Welche Rolle spielt Kunst für Sie?

Ehrlicherweise ist Kunst für mich vor allem ein ästhetischer Aspekt. Ich gehöre nicht zu denen, die sich ins Museum stürzen und lange ein Bild analysieren.

Welches Werk haben Sie sich aus der Artothek des Deutschen Bundestags ausgesucht?

Ich habe zwei Werke aus der Artothek für mein Büro ausgewählt. Als wir im Magazin waren und uns die Bestände angeschaut haben, hat mir vieles nicht gefallen. Ich habe mich dann für ein Gemälde von Dorothée Aschoff und eine Skulptur von Friedemann Grieshaber entschieden.

Außerdem hängt aktuell noch eine Collage der Künstlerin Tamara Nickel über meinem Schreibtisch. Bis November stellt sie in einigen Abgeordnetenbüros meiner Fraktion ihre Bilder aus. Bei mir hängt die Collage "Brit happens – Die Insel legt ab!", die den Austritt der Briten aus der EU thematisiert.

Warum haben Sie sich für diese Werke entschieden?

Das Bild von Dorothée Aschoff hat mich ästhetisch sehr angesprochen und passt sehr gut in den Raum. Erst wusste ich nicht, was das Bild darstellen soll. Bis mich die Kuratorin darauf hingewiesen hat, dass es ein Boot sei. Jetzt erkenne ich immer mehr ein Boot, das über den See in den Horizont gleitet, das finde ich ganz interessant.

Die Skulptur passt gut zum Bild und hat etwas Geheimnisvolles. Keiner von uns weiß so recht, was sie bedeuten soll, sie hat eine versteckte Geschichte. Wir haben einen Namen für sie gefunden: Großer Flaschenöffner. Aber wir benutzen sie natürlich nicht als Flaschenöffner.

Bei der Collage von Tamara Nickel war es ein bisschen anders, sie war im Büro und hat für die Räume Vorschläge gemacht. Ich bin Haushalts- und Finanzpolitiker, und da passt dieses Thema.

Wie reagieren Kollegen und Freunde auf die Kunstwerke?

Am meisten fallen die Skulptur und das Brexit-Bild auf. Die wenigsten haben Skulpturen in ihren Büros. Am meisten wundern sich die Vertreter des Bankenverbandes über das Brexit-Bild und den großen Union Jack (britische Flagge) hinter meinem Schreibtisch. Beim Gemälde von Dorothée Aschoff befürchte ich, dass es ein wenig verschwindet, weil es sich so perfekt in den Raum einfügt.

Welchen Stellenwert nimmt Kunst in Ihrem Privatleben ein?

Ich bin kein Künstler, aber mir hat meine Schwiegermutter mal Acryl-Farbe und Leinwände geschenkt und dann habe ich drauflos gemalt, das macht sehr viel Spaß. Leider komme ich aktuell als Vater zweier Kinder nicht mehr viel dazu. Um zu malen, muss man die Muße haben. Aber wenn im November "Brit happens" abgehängt wird, kommt ein Bild hin, das ich gemalt habe. Ein sehr Buntes, in der Arthotek gibt viel Düsteres in schwarz und weiß.

Wie nehmen Sie die Kunst in den Gebäuden des Bundestags wahr und hat sich Ihr Blick auf Kunst dadurch verändert?

Ich glaube, die Kunst wertet die ganze Umgebung sehr auf. Mit zwei Kindern schafft man es nicht mehr regelmäßig ins Museum. Da trifft es sich gut, dass ich hier quasi nebenbei Kunst erleben darf. Ein Kunstwerk, das mich immer wieder zutiefst beeindruckt, ist das "Archiv der Deutschen Abgeordneten" von Christian Boltanski aus fast 5.000 Metallkästen, das bleibt im Gedächtnis. Und so gibt es schon Kunst, die in einem lange nachhallt, aber leider ist kaum Zeit, sich mit den meisten der Werke intensiver zu beschäftigen.

Über Christian Dürr:

Christian Dürr wurde 1977 in Delmenhorst geboren. Der Diplom-Ökonom sitzt seit 2017 für die FDP im Deutschen Bundestag. Neben seiner Tätigkeit als stellvertretender Fraktionsvorsitzender ist er stellvertretendes Mitglied im Haushalts- und im Finanzausschuss. Sein Wahlkreis ist Delmenhorst, Wesermarsch, Oldenburg-Land.

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