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Finanzkrise
Wie den Crash vermeiden?

09.10.2018 |

Zehn Jahre nach der katastrophalen Finanzkrise ist die Welt des Geldes immer noch nicht sicher. Das sehen alle Fraktionen im Bundestag so. Aber sie haben sehr unterschiedliche Vorstellungen, wie das zu ändern ist.

Scrable-Wort "Finanzkrise"

Wort mit F und elf Buchstaben: Droht zehn Jahre nach der letzten Finanzkrise eine neue? – © picture alliance/imageBROKER

Zehn Jahre ist die letzte große Finanzkrise her und zu ihrem ersten runden Geburtstag ging ein Raunen durch die Medienlandschaft: "Die nächste große Krise kommt! Spätestens bis 2020!" Letzten Endes ist das Kaffeesatzleserei, aber durchaus möglich, denn: "Das internationale Finanzsystem ist zehn Jahre nach der Krise immer noch weit von Stabilität entfernt." Dies stellte Jörg Cezanne (Die Linke) in einer Debatte des Deutschen Bundestages am 28. Setember 2018 fest.

Und Cezanne blieb mit seiner Meinung nicht allein. Abgeordnete aller Fraktionen stimmten ihm zu. Allerdings hatten die anderen Fraktionen zum Teil sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie ein stabiles Finanzsystem auszusehen hat.

Was hat das mit mir zu tun?

Kurzer Blick zurück: Was vor 10 Jahren im US-Staat Kalifornien begonnen hatte führte zu einem weltweiten Dominoeffekt. Die Folge war eine Finanz-, Banken- und Hypothekenkrise (Hypotheken nutzen Käufer von Häusern oder Wohnungen, wenn sie sich für den Kauf Geld von einer Bank leihen müssen). Das Ganze mündete in einer Weltwirtschaftskrise, die niemand nur im Ansatz erahnt hatte.

Auch wer hierzuzlande selbst nicht direkt mit drin hing in dem Schlamassel, war indirekt betroffen: Den deutschen Steuerzahler – also wohl Eure Eltern – hat das Ganze zig Milliarden Euro gekostet. Geld, das für Schulen, Hochschulen, Umweltschutz oder anderes fehlte. Die Folgen der Krise sind immer noch nicht bewältigt. Bund, Länder und Kommunen stützen mit Geld weiterhin heimische Banken.

Linke: Spekulation verbieten

Anlass der Debatte im Bundestag waren zwei Anträge der Linken und der Grünen. Erstere forderten unter anderem eine sogenannte europäischen Finanztransaktionsteuer auf den Handel mit Aktien und anderen Wertpapieren. Das hieße konkret: Jedes Mal, wenn Wertpapiere verkauft oder gekauft werden, würde diese Steuer fällig. Sie soll das wilde Spekulieren zu Gunsten kurzfristiger Gewinne eindämmen. Auf lange Sicht will die Linke Geschäfte zur Spekulation ganz verbieten. Damit wollen die Linken verhindern, das wieder, wie schon 2008, große Banken plötzlich pleite gehen oder gerettet werden müssen und so das ganze Finanzsystem mit in den Abgrund reißen.

Gegen die Schattenbanken

Cezanne wies in der Debatte darauf hin, dass allein 2016 in Deutschland rund 3,2 Millionen neue Finanzprodukte auf den Markt kamen. Finanzprodukte sind zum Beispiel Bausparverträgen und Lebensversicherungen, aber auch Dinge wie "Derivate" und "Binäre Optionen", die kein Nicht-Fachmann mehr versteht. Seine Sorge: Einige davon könnten sehr gefährlich sein.

Dass sogenannte Schattenbanken wie der amerikanische Finanzkonzern BlackRock immer größer würden, sei "gefährlich und muss einschränkt werden". Weitere Maßnahmen zur Regulierung seien daher "dringend geboten". Schattenbanken sind so aufgebaut, dass sie sich staatlichen Eingriffen und Regeln weitgehend entziehen können, da sie außerhalb des regulären Bankensystems tätig sind.

Grüne: Keine Mega-Banken

Die Grünen fordern ebenfalls ein Bündel von Maßnahmen, um eine neue Finanzkrise zu verhindern. Vor allem wollen sie den Zusammenschluss von großen Banken einschränken. Denn je größer die werden, um so gefährlicher wird es, wenn sie pleite gehen. Im schlimmsten Fall muss der Steuerzahler dafür bluten, wenn sie sich verspekuliert haben. Auch die Grünen fordern eine Finanztransaktionssteuer. Außerdem wollen sie Spekulationen mit Immobilien einschränken.

Krise ist nicht vorbei

Dr. Gerhard Schick (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte, trotz der vielen Regulierungen nach 2008 sei die Finanzkrise nicht vorbei. Es seien zwar wichtige Maßnahmen getroffen worden, aber die Großbanken seien seit der Krise weiter gewachsen und die Menge an undurchsichtigen Finanzprodukten habe weiter zugenommen.

Union: 40 Gesetze für Sicherheit

Antje Tillmann (CDU/CSU) erinnerte daran, dass 40 Gesetze seit der Krise auf den Weg gebracht worden seien, um das Finanzsystem sicherer zu machen. Allerdings sei das Risiko, dass Banken irgendwelche Kredite nicht mehr zurückzahlen können, zum Teil noch zu groß. In Deutschland hielte sich die Gefahr in Grenzen, aber in Italien und Griechenland sähe die Sache deutlich anders aus.

Auch SPD will mehr Vorschriften

Metin Hakverdi (SPD) erinnerte: "Die Finanzkrise hat uns damals kalt erwischt." Die wichtigste Lehre aus der Krise sei, dass nicht einzelne Nationalstaaten mit den Problemen fertig werden könnten, sondern dies nur in europäischer und globaler Zusammenarbeit möglich sei. Auch Hakverdi forderte weitere Vorschriften für Banken.

AfD: Regierung sollte sparen

Stefan Keuter (AfD) meinte, die heutige Situation sei noch gefährlicher als vor zehn Jahren. Er prophezeite eine katastrophale wirtschaftliche Talfahrt. Doch statt jetzt als Vorsorge für schlechte Zeiten zu sparen, gebe die Regierung das ganze Geld aus.

FDP: Keine Regulierung

Frank Schäffler (FDP) erklärte für seine Fraktion, mehr Regulierung habe nicht dazu geführt, dass Sparkassen und Bausparkassen sicherer geworden seien. Es gebe heute viel größere Probleme als vor zehn Jahren. Er forderte unter anderem höhere Zinsen, um das Finanzsystem stabiler zu machen. Das sei der einzige Weg, um aus der Krise herauszukommen.

Beide Anträge landen nun erst mal in den zuständigen Ausschüssen, wo die Fachleute sie beraten. Falls ihr die Debatte anschauen wollt: Hier geht's zum Videomitschnitt.

(DBT/ah)

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