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Der Autor

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Samuel Nepomuk Schwarz (20)
studiert Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft

Serie: Büro-Kunst
"Etwas Beruhigendes"

27.09.2018 |

Aus der Kunst-Sammlung des Bundestages können sich Abgeordnete Werke für ihre Arbeitsräume leihen. Samuel stellt euch Parlamentarier und ihre Büro-Kunst vor – in einer Serie. Diesmal: Elisabeth Kaiser (SPD).

Frau steht zwischen Fotogrammen mit männlichen Profilen

Elisabeth Kaiser (SPD) hat gleich mehrere Werke aus der Kunst-Sammlung in ihren Büroräumen. Diese Bilder zeigen Skulpturen des Reichstagsgebäudes. – © Samuel Schwarz

Frau steht neben einem Holzschnitt mit einem Segelboot.

Diesen Holzschnitt von Gerhard Marcks findet die Abgeordnete beruhigend. – © Samuel Schwarz

Ein Holzschnitt, auf dem zwei reiter zu sehen sind

Hineinträumen kann sie sich auch in das Werk "Reiter im Nebel", ebenfalls von Marcks. – © Samuel Schwarz

Frau Kaiser, welche Rolle spielt Kunst für Sie?

Für mich spielt Kunst eine sehr große Rolle. Es ist immer eine Freude, Kunstwerke zu entdecken, die mich inspirieren, mir ein Gefühl oder eine Stimmung vermitteln und in die ich mich hineinträumen kann. Das ist eine schöne Abwechslung zu dem Alltag als Mitglied des Bundestages.

Im Gymnasium war ich im Kunstleistungskurs, im Studium und im Berufsleben hatte ich dann leider weniger Zeit dafür. Jetzt als Abgeordnete wird man viel öfter zu Vernissagen eingeladen und so lässt sich das Angenehme mit dem Beruflichen verbinden.

Welches Werk haben Sie sich aus der Artothek des Deutschen Bundestags ausgesucht?

Ich habe das Glück, sehr viele Exponate der Artothek in meinem Büro zu haben. Zwei Holzschnitte "Reiter im Nebel" und "Nächtliche Fahrt" von Gerhard Marcks. Zwischen den beiden hängt der Druck "Spiegel" von Gerd Arntz. An der anderen Wand hängt eine Lithographie, ein Flachdruck, des Thüringers Gerhard Altenbourg aus meinem Wahlkreis.

In meinem Besprechungsraum ist Floris M. Neusüss "Ferner Zeiten Schatten" ausgestellt. Es sind Fotogramme der Allegorie-Skulpturen an der Fassade des Reichstagsgebäudes, die Aspekte des Staatswesens, der Industrie und verschiedener Berufszweige darstellen. Bei Fotogrammen wird lichtempfindliches Material, zum Beispiel Fotopapier, belichtet.

Warum haben Sie sich für diese Bilder entschieden?

Die Holzschnitte von Marcks stellen jeweils ein Segelboot beziehungsweise zwei Reiter in einer Abendstimmung dar. Beide Motive haben etwas Beruhigendes. Die Grafik von Arntz erinnert an Bauhauskunst, und das passt zu meiner Heimat Thüringen – die wichtige Kunstschule hatte ihren Ursprung in Weimar.

Besonders freue ich mich über die Werke von Neusüss, die auch in der Cafeteria des Bundestages hingen. Dort begegnete man den Fotogrammen eher als modernem Schmuck im Hintergrund, hier im Büro schaut man sie sich genauer an und beschäftigt sich mit dem Projekt.

Wie reagieren Besucher auf die Kunstwerke in Ihrem Büro?

Die Werke sind erst in der Sommerpause gehängt worden, daher war noch nicht viel Zeit, Reaktionen zu sammeln. Für viele ist die Kunst im Zimmer nur Dekoration und so bemerken die meisten sie nicht wirklich. Ich denke, den meisten fällt sie erst auf, wenn die Kunst einmal nicht mehr da ist.

Welchen Stellenwert nimmt Kunst in Ihrem Privatleben ein?

Mein Mann und ich sind keine Kunstexperten, aber wir haben beide ein Faible für Kunst. Die Kunst, die wir uns kaufen, hat meist einen emotionalen Bezug. Ich denke, das Besondere an Kunst ist, dass man sich oft damit auseinandersetzen muss und erst bei genauem Hinsehen entdeckt, was dahinter steckt.

Wie nehmen Sie die Kunst in den Gebäuden des Bundestages wahr?

Ich selber habe leider viel zu wenig Zeit, mir die Kunst im Bundestag genauer anzuschauen. Aber dass es sie gibt, finde ich sehr schön und wichtig. Es ist ja nicht irgendeine Kunst, sondern es sind Werke von hoher Qualität. Das gibt der Bedeutung unserer Aufgaben als Abgeordnete einen Rahmen. Gerade die Bezüge der Kunst zu Politik und Gesellschaft, die viele Kunstwerke der Sammlung aufwerfen, regen zum Nachdenken und Reflektieren an.

Über Elisabeth Kaiser:

Elisabeth Kaiser, geboren 1987 in Gera, sitzt seit 2017 als Abgeordnete für die SPD im Bundestag. Die Verwaltungswissenschaftlerin ist Mitglied in den Ausschüssen für Inneres und Heimat und für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen. Ihr Wahlkreis ist Gera-Greiz-Altenburger Land.

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