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Die Autorin

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Lou Antoinette Godvliet (18)
Psychologiestudentin aus Wuppertal

Arbeitsverträge
Jobs auf Zeit eindämmen

11.04.2018 |

Traumjob entdeckt, Bewerbungsgespräch gemeistert: Jetzt fehlt nur noch die Unterschrift unter dem Arbeitsvertrag. Doch viele dieser Verträge sind befristet. Die Fraktionen wollen das nun einschränken oder sogar ganz verbieten. Worum geht es?

befristeter Arbeitsvertrag

Befristete Arbeitsverträge: Besonders bei Berufseinsteigern sind sie eher die Regel als die Ausnahme. – © picture alliance / dpa Themendienst

Den Abschluss in der Tasche, möchte Jonas seinen ersten Job antreten. Sein Vertrag ist auf zwei Jahre befristet. Er wohnt gemeinsam mit seiner Freundin in einer Wohnung und die beiden wünschen sich ein Kind. Mit seiner befristeten Stelle ist die finanzielle Zukunft der jungen Familie ungewiss und bereitet Jonas Magenschmerzen.

40 Prozent

Rund 40 Prozent, also fast die Hälfte aller Neuanstellungen, waren 2017 befristet (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung). Frauen sind in der Regel häufiger betroffen als Männer. Jobs auf Zeit sind besonders in den pädagogischen und sozialen Berufen verbreitet, bei Versicherungen und im Baugewerbe sind sie seltener. Und: Ein Drittel der Beschäftigten, die jünger als 25 sind, hat einen befristeten Vertrag.

Die große Koalition aus Union und SPD möchte die Jobs auf Zeit eindämmen, so steht im im Koalitionsvertrag. Der oppositionellen Linksfraktion gehen die Vorschläge jedoch nicht weit genug. Sie hat dazu nun einen eigenen Antrag in den Bundestag eingebracht. Dabei zielt sie auf die sogenannten sachgrundlosen Befristungen. Klingt kompliziert? Wir schauen einmal genauer hin.

Der Job endet, wenn...

Wer einen Job beginnt, schließt mit seinem Arbeitgeber einen Arbeitsvertrag. Darin sind viele Dinge geregelt, etwa die Arbeitszeiten, der Arbeitsort, der Urlaub, das Gehalt und vieles mehr. Manchmal wird so ein Vertrag nur für einen bestimmten Zeitraum geschlossen. Es zwei Arten von befristeten Arbeitsverträgen. Die einen sind zeitlich befristet, also bis zu einem bestimmtes Datum. Die anderen sind befristet, bis ein zuvor definierter Zweck erreicht ist. Ein Beispiel: Im Falle der Vertretung eines kranken Arbeitnehmers, bis dieser wieder gesund ist.

Die Gründe

Zusätzlich lässt sich noch unterscheiden zwischen "sachgrundlosen Befristungen" und solchen "mit Sachgrund". Ein Sachgrund für eine Befristung kann zum Beispiel sein, dass in einem Betrieb der Bedarf nur für einen bestimmten Zeitraum besteht, also etwa bei Saisonarbeit. Der erste Job im Anschluss an eine Ausbildung oder ein Studium gilt ebenfalls als Sachgrund. Eine "sachgrundlose Befristung" ist nur bei Neueinstellung und maximal für eine Dauer von zwei Jahren zulässig.

Befristete Arbeitsverträge können unter Umständen auch verlängert werden, solange ansonsten nichts am Vertrag verändert wird. Bei sachgrundlosen Befristungen ist eine sogenannte Kettenbefristung (der Vertrag wird immer wieder für eine bestimmte Zeit verlängert) schwieriger als bei Befristungen mit Sachgrund.

Flexibel bleiben

Bei Arbeitgebern sind befristete Arbeitsverträge beliebt, weil sie Mitarbeiter "ausprobieren" können und weil sie zum Beispiel eine Vertretung für Arbeitgeber haben, die in Elternzeit gehen oder länger erkrankt sind. Zusätzlich bietet ihnen das die Möglichkeit, flexibel auf die Auftragslage zu reagieren.

Für Arbeitnehmer hingegen sind befristete Arbeitsverträge eher nachteilig, da die Zukunft ungewiss ist und man nicht mit Sicherheit planen kann. Wo lebe ich nächstes Jahr? Muss ich vielleicht wieder umziehen? Kann ich mir die Wohnung auf Dauer leisten?

Sechs Fraktionen

Die Linke fordert: Ein Verbot von sachgrundlosen Befristungen soll her. Mit der Idee der Koalition, dass große Betriebe (mehr als 75 Beschäftigte) nur noch 2,5 Prozent der Verträge befristen dürfen, ist die Linke unzufrieden, schließlich wären von dieser Einschränkung lediglich vier Prozent aller Betriebe betroffen. Und wie positionieren sich die anderen Fraktionen? Das könnt ihr euch im Details in diesen Kurzinterviews mit sechs Abgeordneten anschauen. Sie nennen auch viele interessante Zahlen zum Thema.

Und Jonas?

Der Antrag der Linken wurde an den Ausschuss für Arbeit und Soziales weitergegeben, in dem die Arbeitsmarktexperten der Fraktionen darüber diskutieren werden. Dass er breite Zustimmung findet, ist angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Bundestag eher nicht zu erwarten. So oder so wäre Jonas bei der Debatte außen vor. Denn dadurch, dass es sein erster Job nach Ausbildung oder Studium ist, gilt eine Befristung hier als Sachgrund.

Tipps für euch

Worauf ihr beim ersten Arbeitsvertrag achtet solltet, hat Ann-Kristin einen Experten gefragt. Seine Tipps findet ihr hier.

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