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Die Autorin

Ann-Kristin Hentschel 68x68

Ann-Kristin Hentschel (19)
studiert Politik und Psychologie

Checkliste
Worauf es beim ersten Job ankommt

18.04.2018 |

Befristet oder nicht, wie viel Urlaub steht mir zu, was verdiene ich? Wie in jedem Abkommen sind auch im ersten Arbeitsvertrag die Details wichtig. Ann-Kristin hat einen Experten gefragt, worauf ihr achten solltet.

Streit um Arbeitsvertrag

"Ich hab aber 22 Tage Urlaub!": Nur was schwarz auf weiß im Vertrag steht, zählt am Ende – © picture alliance / dpa Themendienst

Gerade haben wir noch im Sandkasten gespielt und die größte Sorge war: Emma hat schon wieder die Förmchen geklaut! Dann, schwupps ist die Kinderzeit vorbei, die Schulzeit verfliegt und plötzlich sitzt du am Schreibtisch und vor dir liegt dein erster Arbeitsvertrag. Die größte Sorge jetzt: Du verstehst kein Wort. Damit diese Sorge genauso schnell verfliegt wie das Förmchen-Problem, haben wir mit Hilfe von Jochen Mai, Diplom-Volkswirt und Wirtschaftsjournalist, für euch zusammengefasst worauf ihr achten solltet.

Befristet oder unbefristet?

Nur was auf dem Papier steht, hat im Streitfall bestand. Deshalb werden, wie die meisten Verträge, auch Arbeitsverträge schriftlich festgehalten. Darin sind die Rechten und Pflichten von Arbeitgeber und -nehmer festgelegt.

Man unterscheidet vor allem zwischen befristeten und unbefristeten Arbeitsverträgen. Ein befristeter Vertrag wird, im Unterschied zu einem unbefristeten Vertrag, für eine feste Dauer geschlossen, also nicht für unbestimmte Zeit, wie Mai erklärt. Das bietet vor allem für die Arbeitgeber und Unternehmen Vorteile. So kann der Kündigungsschutz leichter umgangen werden und der Arbeitgeber ist viel flexibler, da er sich nicht langfristig an den Arbeitnehmer bindet.

Für Arbeitnehmer bieten befristete Verträge die Möglichkeit, Berufserfahrung zu sammeln und das Unternehmen kennenzulernen, jedoch auch ein gewisses Risikopotenzial. So weiß man nicht, ob man nach dem Ablauf des Vertrags weiter in dem Unternehmen arbeiten kann, der Vertrag also verlängert wird, oder ob man sich einen neuen Job suchen muss. Man kann also finanziell und auch karrieretechnisch weniger gut planen.

Unterschied: Mit Sachgrund oder ohne

Aber auch Befristung ist nicht gleich Befristung. Jochen Mai erklärt: "Die Befristung eines Arbeitsvertrages ist in Deutschland mit und ohne Sachgrund möglich." Ein sogenannter Sachgrund ist zum Beispiel, dass die Arbeit nur saisonal ist und daher auch nur saisonal Arbeiter gebraucht werden – Spargelstechen, Kirschenpflücken und so weiter. Ohne Sachgründe dürfen befristete Verträge unter anderem ausgestellt werden, wenn Mitarbeiter unverbindlich getestet werden sollen. Wenn kein sachlicher Grund vorliegt, darf ein Arbeitgeber einen Angestellten grundsätzlich nicht länger als zwei Jahre befristet beschäftigen – theoretisch.

"Doch es gibt durchaus auch längere Fristen", so Mai. So darf "auf einen ohne Sachgrund befristeten Arbeitsvertrag wiederum nach dem Erreichen der Zwei-Jahres-Grenze ebenfalls ein mit Sachgrund befristeter Vertrag folgen." Was natürlich nicht im Vertrag steht: Hat man drei Monate vor Ende des befristeten Beschäftigungsverhältnisses noch keinen Anschlussjob, sollte man sichergehen und sich arbeitslos melden. "Andernfalls droht eine dreimonatige Arbeitslosengeldsperre", warnt Mai.

Money, Money, Money

Doch nicht nur auf die Vertragsart ist beim ersten Arbeitsvertrag zu achten. So gibt es auch andere Punkte, die in einem Arbeitsvertrag unbedingt geregelt sein sollten, zum Beispiel das Geld. Gerade beim allerersten Arbeitsvertrag ist das Gehalt nämlich ein schwieriger Punkt.

"Die Höhe des Gehalts klären Sie üblicherweise noch vor der Unterschrift in den Gehaltsverhandlungen", erklärt Jochen Mai. Viele hätten überhaupt keine Vorstellung davon, wie viel Gehalt angemessen ist und verkaufen sich unter Wert. Merkt man später, dass man für eine unpassende Entlohnung arbeitet, kann das schnell entmutigend und frustrierend sein.

Vorher gründlich zu recherchieren lohnt sich also! Informieren kann man sich in zahlreichen Lohnspiegeldatenbanken im Internet. Grundsätzlich gilt seit Januar 2015 der gesetzliche Mindestlohn von 8,84 Euro, auf den volljährige Arbeitnehmer in der Regel Anspruch haben. Darüber hinaus existieren in manchen Branchen auch Tarifverträge, an die die Arbeitgeber gebunden sind. Dann erübrigt sich meist jede Diskussion über die höhe der Entlohnung.

Auf Probe

Um Arbeitnehmer unverbindlich zu testen, wird im Arbeitsvertrag häufig eine Probezeit festgelegt. In Deutschland gilt, dass diese höchstens sechs Monate dauern darf. Oft wird sie jedoch auf drei Monate reduziert.

Urlaub mit und ohne Extra-Kohle

Wer arbeitet, will auch mal Urlaub machen und das wird im Arbeitsvertrag ebenfalls festgehalten. Bei einer regulären Fünf-Tage-Woche stehen einem Arbeitnehmer gesetzlich mindestens 20 Tage Urlaub zu. Oft geht aber auch deutlich mehr, das hängt vom Arbeitgeber ab. Hier heißt es also im Vorfeld unter Umständen wieder: Hartnäckig verhandeln.

Das gleiche gilt für Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Ein Rechtsanspruch besteht hier nicht, mitunter sind entsprechende Regelungen aber Bestandteil von Tarifverträgen. Womit genau zu rechnen ist, sollte im Arbeitsvertrag stehen.

Das bleibt geheim

Man kennt es aus Filmen, wenn der Geheimagent unterschreibt, dass er mit niemanden über seinen Job reden darf. Und tatsächlich: Betriebsinterne Informationen sind geheim. Oft wird das in sogenannten Geheimhaltungsklauseln festgehalten. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. "Werden die Geheimhaltungspflichten zu weit ausgedehnt, können sie Ihnen beim Wechsel Nachteile bringen, etwa, wenn Sie erlernte Fertigkeiten nicht bei einem anderen Unternehmen einsetzen dürfen", weiß Jochen Mai. "Außerdem sollten Sie vorsichtig sein, wenn Sie unterschreiben sollen, innerhalb bestimmter Zeiten nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht bei einem Konkurrenten anzuheuern", warnt der Experte.

Die Basics

Darüber hinaus müssen auch noch einige andere grundlegende Dinge im Arbeitsvertrag festgelegt werden. So müssen die Vertragsparteien, der Beginn und das Ende des Beschäftigungsverhältnisses, die Arbeitszeit und der Arbeitsort, sowie die Stellenbezeichnung und die Tätigkeitsbeschreibung im Arbeitsvertrag enthalten sein. Zudem ist die Kündigungsfrist zu beachten. So kann es ja zum Beispiel sein, dass man nach einiger Zeit feststellt, dass der Job doch nicht so das Gelbe vom Ei ist. Meist beträgt die Kündigungsfrist rund vier Wochen und ist im Arbeitsvertrag festgehalten.

Soft Facts

Nicht alle Dinge im Leben lassen sich vertraglich festhalten. Ob euer neuer Job Aussicht auf Fortbildungsmöglichkeiten bietet, lässt sich im Vorfeld vielleicht noch abklopfen, in den Vertrag finden sie meist keinen Eingang. Auch soft facts wie "Selbstverwirklichung" oder "wie fühlt sich das Ganze in der Praxis an" stehen natürlich nicht im Arbeitsvertrag. Hier gilt: Probieren geht über Studieren. Läuft es ganz schlecht, könnt ihr immer noch hinwerfen. Aber Achtung, Falle! Ist in befristeten Arbeitsverträgen eine Kündigungspflicht nicht ausdrücklich festgehalten, kommt ihr aus der Nummer wirklich erst raus, wenn die Befristung abläuft. Also besser reinschreiben lassen.

Check!

Beim ersten Arbeitsvertrag müssen viele Punkte beachtet werden. Damit ihr einen Überblick habt, was ihr berücksichtigen müsst, hier nochmal eine Checkliste:

  • Vertragsparteien
  • Beginn und Ende des Beschäftigungsverhältnisses
  • Stellenbezeichnung und Tätigkeitsbeschreibung
  • Probezeit
  • Vergütung mit Zeitpunkt der Zahlung
  • Arbeitszeit und Arbeitsort
  • Überstunden
  • Urlaub
  • Urlaubs- und Weihnachtsgeld
  • Kündigungsfristen
  • Nebenberufliche Tätigkeiten
  • Geheimhaltungspflichten
  • Konkurrenzklauseln
  • Befristet oder unbefristet?

Über Jochen Mai:

Jochen Mai ist 1968 geboren und der Gründer und Herausgeber von karrierebibel.de. Er leitete über zehn Jahre das Ressort "Management + Erfolg" bei der "WirtschaftsWoche". Er ist außerdem Experte für Content Marketing und Social Media Marketing und hat schon an verschiedenen Hochschulen doziert.

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