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Der Autor

Lukas

Lukas Pauls (22)
studiert Politikwissenschaften

Hundepsychologin
"Mut und Glück gehören dazu"

25.11.2016 |

Ihr Beruf ist ihre Leidenschaft: Hundepsychologin Carola Baum hat Lukas erzählt, wie sie mit aggressiven Terriern fertig wird. Und warum sie es als Solo-Selbstständige nicht ganz einfach hat.

Hundepsychologin Carola Baum und ihre Hündin Rosi

Rosi ist Carolas Mitarbeiterin des Tages, 365 Tage im Jahr. – © Polina Spartyanova

Hundepsychologin Carola Baum und ihre Hündin Rosi

Mit Hunden arbeiten, ist einerseits ihr Traum, andererseits würde sie sich nicht nochmal selbstständig machen, erzählt Hundepsychologin Carola Baum. – © Polina Spartyanova

Hundepsychologin Carola Baum und Autor Lukas Pauls auf einer Wiese

Sie hatte selbst Probleme mit einem Hund, da entschied sich Carola Baum, Tierpsychologie zu studieren. – © Polina Spartyanova

An einem tristen Novembertag treffe ich mich im Osten Berlins mit der Hundepsychologin Carola Baum und ihrer anderthalbjährigen Berner Sennenhündin Rosi. Ich muss gestehen, dass ich bis jetzt keine Vorstellung vom Beruf einer Hundepsychologin habe. Sie lacht. Das hätten viele nicht, erwidert die 53-Jährige.

Sie erklärt mir, dass sich ein Hundepsychologe gar nicht so sehr von einem Psychologen für Zweibeiner unterscheidet. Meistens seien sie ohnehin diejenigen, die die "Behandlung" benötigten – fügt sie augenzwinkernd hinzu. Seit 14 Jahren arbeitet Carola Baum nun schon mit Hunden. Die letzten zehn Jahre als solo-selbstständige Hundepsychologin – ein Ein-Frau-Betrieb, also.

Aggressive Terrier

Die Berlinerin analysiert das Verhalten von Hund und Besitzer und entwickelt individuelle Therapiekonzepte. Die häufigsten Probleme, mit denen sie konfrontiert wird: dass die Hunde zum Beispiel nicht an der Leine laufen wollen, dass sie aggressiv sind oder knurren oder Probleme haben mit bestimmten Geräuschen oder Verhaltensweisen.

Besonders häufig trifft sie bei ihrer Arbeit auf Terrier mit Aggressionsproblemen. Ursprünglich für die Fuchs- und Dachsjagd gezüchtet, sind Terrier heute beliebte Haus- und Familienhunde. In einem Fall jedoch griff der vierbeinige Begleiter beispielsweise Hausgäste und gelegentlich auch die Besitzer beim Betreten der Wohnung an.

Wie so oft fand Carola Baum die Lösung im vermeintlich Unbedeutenden. Es stellte sich heraus, dass die Familie den Futtervorrat des Hundes im Eingangsbereich versteckt hinter einem Vorhang lagerte. Der Hund war also ständig damit beschäftigt, dieses Gebiet zu verteidigen. Carola Baum entlarvte diesen Umstand und verbannte das Futter aus dem Eingangsbereich. Die Aggressionsprobleme des Hundes verschwanden

Vom Traum zum Albtraum

Carola Baum kam über Umwege zu ihrem Beruf. Nachdem sie selbst mit einem Hund große Probleme hatte und sich niemand fand, der ihr helfen konnte, beschloss sie damals mit Anfang 40, sich einen langjährigen Traum zu erfüllen: Sie begann das Studium der Tierpsychologie.

Der Weg in die Selbstständigkeit sei ihr damals leicht gefallen, erzählt sie. Zu der Zeit war Baum noch verheiratet und über ihren Partner mitversichert. Mit dem Ehe-Aus kamen dann die Sorgen. Auf einmal war die Selbstständige finanziell auf sich allein gestellt. Der Traum begann sich zum Alptraum zu wandeln. Ein Selbstständiger, der 1600 Euro im Monat brutto verdient, muss mehr als 300 Euro Krankenversicherung zahlen, Rentenversicherungsbeiträge kommen noch hinzu.

Gehalt ungewiss

Viel sei es nicht, was sie verdient, erzählt Carola Baum. Jeder Monat sei ein neuer Kampf, irgendwie über die Runden zu kommen. Hohe Preise für Hundefutter und anderes Zubehör, das sie für die Ausführung ihres Berufes benötigt und steuerlich nicht geltend machen kann, bilden monatliche Fixkosten. Dabei sei Hündin Rosi ihre Mitarbeiterin an 365 Tagen im Jahr.

An Vorsorge für's Alter sei für sie nicht zu denken. Es bleibe schlichtweg zu wenig übrig, um etwas in die staatliche Rentenkasse einzahlen zu können oder um eine Arbeitslosenversicherung abzuschließen. Nicht selten kommt es vor, berichtet sie, dass sie zum Jobcenter gehen muss. Sie brauche Geld vom Staat, anders schaffe sie es manchmal nicht, wenn die Aufträge ausbleiben.

Krankheit - oje!

Besonders schlimm sei es, wenn sie krankheitsbedingt zeitweise nicht arbeiten kann. So wie im September, als Carola Baum eine Operation an der rechten Hand hatte. Wochenlang hatte sie keine Einnahmen. Krankengeld gibt es, wenn überhaupt, erst bei langfristigen Ausfällen. In solchen Zeiten muss sie noch mehr als sonst auf ihre Ausgaben achten und jeden Cent umdrehen.

Geld fehlt

Um Solo-Selbstständige wie Carola Baum zu unterstützen, hat die Fraktion der Grünen einen Antrag im Bundestag eingebracht. Darin fordert sie die Regierung auf, Selbstständige bei der Kranken- und Pflegeversicherung zu entlastet und in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Bei Baum trifft dieser Vorschlag auf wenig Begeisterung: "Als Kleinunternehmer bringt es mir gar nichts, freiwillig oder verpflichtend irgendwo einzuzahlen", sagt sie, "ich habe schlicht und ergreifend kein Geld, um mich abzusichern". Carola Baum findet, dass es andere Vergünstigungen geben müsse, Rabatte im Großhandel etwa.

Fazit einer Selbstständigen

Ihre Selbstständigkeit sieht die Hundeexpertin mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite folge sie immer noch ihrem Traum und gehe beruflich ihrer Leidenschaft nach. Andererseits bedrücken sie die täglichen Sorgen und die Ungewissheit, ob sie finanziell den Monat übersteht. "Heute würde ich diesen Schritt nicht mehr machen", bilanziert sie.

Was rät Carola Baum Menschen, die ihre berufliche Zukunft in der Selbstständigkeit sehen? Sie sollten vor allem darauf achten, finanziell breit genug aufgestellt zu sein, sagt sie. Und: Mut und Glück gehören immer dazu.

Weitere Beiträge zu: Arbeit, Geld, Selbstständigkeit.

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