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Die Autorin

Gesine Stauch 68x68

Gesine Stauch (19)
studiert Politik

Hilfsprojekt Klinik
"Ein kleines Wunder"

23.01.2019 |

Im ostafrikanischen Eritrea gibt es wenige europäische Hilfsprojekte. Kinderärztin Katharina Marggraf und ihr Team vom Berliner Universitätsklinikum Charité leiten eines davon. Nun zeigen sich erste Erfolge.

Charité-Team bildet eritreeisches Personal aus.

Die deutschen Ärztinnen schulen die Mitarbeiter der Klinik: Sie üben mit Puppen. – © Charité Berlin

Schulung

Die Hygiene und die richtige Ernährung für Mütter und Kinder sind ein wichtiges Thema. – © Charité Berlin

Zwei Ärzte untersuchen ein Neugeborenes

Mittlerweile überleben sogar einige Neugeborene, die unter 1000 Gramm wiegen. Ein kleines Wunder, sagt Teamleiterin Marggraf. – © Charité Berlin

Ärztinnen mit Tatendrang

"Frauen und Kinder sind die Bevölkerungsgruppen, die unter Bedingungen wie schlechter Hygiene, mangelhafter Ernährung und fehlender Bildung am meisten leiden. Gerade als Kinderärztin möchte ich mich langfristig dagegen einsetzen", sagt die Ärztin Katharina Marggraf. Sie ist Teil eines Teams von deutschen Ärzten und klinischem Personal, das ein Krankenhaus in Eritrea unterstützt. Eritrea ist ein Land im Nordosten von Afrika an der Küste des Roten Meeres.

Babys und ihre Mütter

Das Gash Barka Referral Hospital in Barentu ist wichtig für die Gesundheitsversorgung im Südwesten Eritreas. Unter anderem bietet es Versorgungsmöglichkeiten für Frauen und Kinder. Auf der Perinatalstation werden Schwangere vor, während und nach der Geburt, sowie die Neugeborenen versorgt. Seit 2012 unterstützt die Klinik für Geburtsmedizin und die Kinderklinik der Charité Berlin die Station bei ihrer Arbeit, in Kooperation mit Archemed – Ärzte für Kinder in Not e.V. – und dem eritreischen Gesundheitsministerium.

Hauptverantwortlich für das Projekt sind die beiden Berliner Kinderärztinnen Carolin Meinus und Katharina Marggraf. Finanziert wird ein Großteil des Projekts seit 2017 durch die Initiative Klinikpartnerschaften vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Else Kröner-Fresenius-Stiftung.

Von Anfang an dabei

Entstanden ist das Projekt durch eine Bitte um Unterstützung des eritreischen Gesundheitsministeriums an Archemed. Der gemeinnützige Verein ist bereits seit der Gründung im Jahr 2010 in Eritrea tätig und stellte den Kontakt zum Berliner Universitätsklinikum Charité her.

Die beiden Kinderärztinnen Carolin Meinus und Katharina Marggraf waren von Anfang an dabei. Marggraf erzählt, dass das Team der Charité zwei Mal pro Jahr nach Barentu fliegt. Barentu ist die Hauptstadt der Provinz Gash-Barka in Eritrea mit 21.000 Einwohnern. Es liegt etwa 30 Kilometer von der äthiopischen Grenze entfernt.

Den Großteil der Arbeit im eritreischen Hospital erledigen die Kollegen in ihrer Freizeit. Von deutscher Seite aus sind bei jeder Reise sieben Personen beteiligt: zwei Kinderärztinnen, ein Geburtshelfer, eine Hebamme, zwei Kinderkrankenschwestern und ein Techniker.

"Es gibt sehr viel Hoffnung"

Die schlechte Infrastruktur des Landes macht sich auch bei der Arbeit im Krankenhaus bemerkbar. Marggraf berichtet, dass die Strom- und Wasserversorgung nicht gut ist, auch im Krankenhaus gebe es Stromausfälle. Im Juli 2018 wurde der 20 Jahre bestehende Grenzstreit zwischen Äthiopien und Eritrea beigelegt. Das hat auch Auswirkungen auf Marggrafs Projekt. "Es gibt sehr, sehr viel Hoffnung, dass sich das Land nun öffnen wird", so Marggraf. "Das wäre eine positive Veränderung für unsere Arbeit".

Einzelne Dinge haben sich schon verbessert, zum Beispiel verfügte das Krankenhaus bei ihrem letzten Besuch im November 2018 über Säuglingsnahrung. Vorher war sie durch die schwierige wirtschaftliche Lage ein seltenes Gut. Marggraf hofft nun, dass langfristig in Eritrea mehr Medikamente und Untersuchungsgeräte verfügbar sind. Zum Teil fehlen im ganzen Land lebenswichtige Medikamente.

Hilfe zur Selbsthilfe

Ziel ist es, Personen so auszubilden, dass sie später vor Ort selbst andere weiterbilden können. Dieses Konzept nennt sich "Hilfe zur Selbsthilfe". Im Fokus der Zusammenarbeit steht die Behandlung von Müttern und Kindern. Hauptsächlich geht es um die Betreuung von Risikoschwangerschaften und Geburten, Erstversorgung von Neugeborenen und die Behandlung von Infektionen. Wichtige Themen sind auch Hygiene und richtige Ernährung.

Durch Weiterbildungen und Schulungen für die eritreischen Kollegen wird das Wissen weitergegeben. Die Säuglingssterblichkeit in Eritrea ist 17 Mal höher als in Deutschland und jedes 14. Kind wird nicht älter als 5 Jahre.

Frühchen retten

Deshalb gibt es für die Behandlung von Schwangeren Weiterbildungen zu Ultraschalluntersuchungen, die grundlegende Diagnosen bieten. Im Umgang mit Neugeborenen geht es unter anderem darum, die Körpertemperatur oder die Sauerstoffzufuhr zu regulieren. "Zum Beispiel erklären wir, wie die Wärmezufuhr eines Frühgeborenen im Inkubator, also einem Brutkasten, eingestellt wird. Oder wie mit einem Sauerstoffkonzentrator der notwendige Sauerstoff für ein Baby bereitgestellt wird", sagt Marggraf. Auch die Erstversorgung von Neugeborenen wird erläutert und geprobt.

"Ein kleines Wunder"

Seit 2012 führt das medizinische Personal eine eigene Statistik über die Anzahl der Geburten und die Anzahl der dabei Verstorbenen. "Allerdings gibt es noch keine ausreichendenen Daten, um Verbesserungen der Mütter –und Kindersterblichkeit festzustellen". Es sei jedoch wahrnehmbar, dass Gebärende besser versorgt und Komplikationen behandelt werden.

Die Arbeit sei strukturierter und das Personal sei besser ausgebildet. "Jedes Mal, wenn wir hinfahren, nehmen wir Verbesserungen wahr", sagt Marggraf. "Zum Teil überleben mittlerweile Babys, die bei der Geburt weniger als 1.000 Gramm wiegen. Das ist schon ein kleines Wunder."

Wie geht es weiter?

Marggraf beschreibt, dass die Verantwortung mehr und mehr an das eritreische Team übertragen wird. Trotzdem schätzt sie, dass das Projekt noch einige Jahre bestehen bleibt. Zeitgleich entstehen bereits neue Projekte: um auch die erwachsenen Patienten des Krankenhauses unterstützen zu können, wurde bereits ein Finanzierungsantrag gestellt.

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