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Die Autorin

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Aline Abboud (28)
volontiert bei der Internetredaktion und dem Parlamentsfernsehen des Deutschen Bundestages

Blog aus Israel
Unterwegs im Heiligen Land

30.03.2016 |

Wie kommen Nachrichten aus Israel aufs Smartphone, in News-Ticker und Zeitungen? Aline machte ein Praktikum bei einer Nachrichtenagentur in Jerusalem, jetzt ist sie wieder in Deutschland. Lest hier ihre letzten Eindrücke aus einem zerrisssenen Land.

Aline zwischen Beirut und Jerusalem

Zwischen Beirut und Jerusalem – © privat

27. März: Der letzte Tag - so schnell vergeht die Zeit

Vor kurzem stand ich noch an der israelisch-libanesischen Grenze und jetzt sitze ich schon hier am Flughafen in Tel Aviv und tippe noch die letzten Zeilen in die Tasten, bevor mein Flieger zurück nach Berlin geht.

Einige meiner Kollegen und neu gewonnene Freunde schicken mir noch "Gute Heimreise"-Nachrichten. Jetzt werde ich ein wenig melancholisch – ich habe die Zeit hier wirklich sehr genossen und werde sie vermissen. So viele interessante Erlebnisse, so viele spannenden Erfahrungen, die ich für mein Leben gesammelt habe. So viele nette Menschen, die ich kennenlernen durfte. Und nicht zu vergessen, dass angenehme Wetter ;-)...

Wertvolle Agenturerfahrungen

Es war unheimlich interessant, das Geschäft einer Nachrichtenagentur aus nächster Nähe kennenzulernen, zumal an diesem geschichtsträchtigen und ereignisreichen Ort. Aus Journalistensicht gibt es hier viel zu tun, auch wenn der Anlass oft traurig ist. Ich war beeindruckt, wie schnell und professionell aus dem Ereignis die Nachricht in Bild und Ton wird, die eine Nachrichtenagentur der Weltpresse zur Verfügung stellt, woraus dann wiederum das wird, was ihr und ich dann im Fernsehen oder im Internet sehen und lesen. Ich habe hier viel gelernt und bin mir sicher, dass ich auf meine gewonnenen Erfahrungen im Drehen und Schneiden noch oft zurückgreifen werde.

Abseits vom Job habe ich aber auch ein tolles Land entdeckt. Ich rate euch: Wenn sich die Möglichkeit bietet, zieht los und entdeckt die Welt. Ich für meinen Teil erinnere mich gern an die tollen Eindrücke, die freundlichen Menschen und das leckere Essen natürlich! ;-)

Ausflüge nach Haifa und Ramallah

Wand-Graffiti in Haifa

Kleine Kunstwerke in Haifa – © privat

Gewürzladen Albabour in Nazareth

Aromatischer Duft. Der älteste Gewürzladen Albabour in Nazareth. – © privat

See Genazareth

Idylischer Blick auf die Landschaft und den See Genazareth. – © privat

Grab von Jassir Arafat

Gedenkstätte. Das Grab von Jassir Arafat in Ramallah. – © privat

Knafeh

Frisch aus dem Ofen. Das beste Knafeh der Stadt Nablus. – © privat

21. März bis 25. März: Haifa, Ramallah und Nablus

Trotz der Arbeit im Büro in Jerusalem, bin ich doch ganz schön rumgekommen. Das lag einerseits an meinen netten Kollegen bei Reuters, die mich immer mitgenommen haben. Andererseits auch daran, dass ich an einem Wochenende einfach beschlossen habe, mir ein Auto zu mieten und durch den Norden des Landes zu touren. Ich kann es euch sehr empfehlen!

Tour in den Norden

Auf ging es an einem Freitagmorgen Richtung Haifa. Nach etwa zwei Stunden kam ich in der Stadt an und war sofort begeistert. Haifa ist auf einen Berg gebaut. Das heißt, dass man viele Treppen hinaufsteigen und steile Straßen hochfahren muss. Fahrrad fahren wäre hier wohl etwas anstrengend – dafür hat man aus fast jedem Haus einen Wahnsinnsblick auf das Meer. Haifa ist außerdem die Stadt in Israel, in der Araber und Israelis relativ gut zusammenleben – eher in sogenannten Parallelgesellschaften, aber man respektiert sich. Es gibt hier echt hippe Gegenden und, na klar, ich hab mich dort auch mal umgeschaut. Wahrscheinlich hat mir Haifa auch deshalb so gut gefallen, weil ich mit den Menschen dort arabisch reden konnte.

Ich genoss die Sonne und die Meeresluft in Haifa. Bei einer Freundin konnte ich eine Nacht bleiben, aber vorher wollte ich noch unbedingt zu "Rosch haNikra" oder arabisch رأس الناقورة "Raʾs an-Nāqūra" – also an die libanesische Grenze. Das dauerte etwa 30 Minuten, dann war ich da und konnte einmal in das Land, aus dem mein Vater stammt, hinüberwinken. Beirut ist von hier aus näher als Jerusalem – schon komisch.

Christliche Orte entdecken

Zurück in Haifa bin ich abends noch mit meiner Freundin zu einer Live-Jazzsession in eine Bar gegangen – wahnsinnig gute Musik, talentierte Musiker. Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Nazareth und den See Genezareth.

Bevor ich in das Land kam, war mir ehrlich gesagt nicht so bewusst, dass es für religiöse Menschen hier wirklich viel zu sehen und zu erleben gibt. Am See Genezareth liegt der Ort Tabgha, der vor allem für die sogenannte Brotvermehrungskirche bekannt ist. Dort fuhr ich nun hin. In Tabgha soll die "Speisung der Fünftausend" stattgefunden haben - ein von Jesus vollbrachtes Wunder, bei dem er für tausende Menschen wenige Brote und Fische auf wundersame Weise vermehrt haben soll. Auch hier mangelt es nicht an christlichen Pilgern – immerhin ist Osterzeit.

Working in Ramallah

Weitere Stationen an anderen Tagen war das Reuters-Büro in Ramallah. Dort durfte ich ein paar Tage arbeiten und mir dadurch gleichzeitig die Stadt und die Gegend anschauen. Also fuhr ich am nächsten Tag früh morgens hin. Empfangen wurde ich vom Kameramann Saed, mit dem ich erst einmal durch die ganze Stadt gefahren bin. Wieder mal Sightseeing – leider war das Wetter etwas regnerisch in dieser Woche. Ich sah das Grab von Arafat und die verschiedenen Stadtteile. Ramallah ist für das Westjordanland sehr teuer, fast schon Hamburger Mietpreise und als Hauptstadt der Palästinensergebiete natürlich voller Menschen. Aber nach einer Stunde waren wir durch: "Ramallah ist groß, oder?", meinte Saed. Nun ja, Berlin ist schon eine andere Nummer, meinte ich.

Zurück im Reuters-Büro meinte mein anderer Kollege Ali, ob ich denn Lust hätte, kurz nach Nablus zu fahren. Es sei nicht weit. Außerdem ist Nablus sein alter Studentenort, den er sehr mag. Ok, warum nicht – ein halber Tag Ramallah, ein halber Tag Nablus. Auf dem Weg dorthin und auch zurück konnte ich mir noch mal die Struktur der West Bank, wie das Westjordanland auch genannt wird, vergegenwärtigen. Durch das Oslo-Abkommen aus dem Jahr 1993 wurde das Land in verschiedene Sektoren eingeteilt: Sektor A, B und C. Sektor C ist der überwiegende Teil und bedeutet, dass das Gebiet unter der Kontolle und Verwaltung der israelischen Armee steht. Diese ist in Sektor C-Gebieten überall präsent. Sektor A-Gebiete sind jene, die unter palästinensischer Selbstverwaltung stehen. Das bedeutet, dass dort sowohl die Verwaltung als auch die militärische Kontrolle in den Händen der Palästinenser liegt. In diese Kategorie fallen Städte wie zum Beispiel Ramallah, Jericho oder Nablus. Im Sektor B sind die Zuständigkeiten geteilt: Es handelt sich zwar um ein Gebiet, das unter palästinensicher Selbstverwaltung steht, die militärische Kontrolle haben aber die Israelis.

Vor jeder Sektor-A-Stadt steht ein rotes Schild, das darauf hinweist, dass es hier gefährlich sein kann und dass es für Israelis verboten ist, sich dort aufzuhalten. Eine Außenstehende wie ich mag sich da "schade" denken, da so vielen diese interessanten Städte verborgen bleiben. Andererseits muss man für diese Warnung leider auch Verständnis aufbringen, da es im Land oft zu Konflikten zwischen den beiden Gruppen kommt. Und gerade seit Oktober 2015, als es mit den vielen Messerattacken auf israelische Polizisten oder Zivilisten losging, hat sich die Lage hier wieder sehr verschärft. Mehr Kontrollen auf den Straßen, mehr Straßensperrungen und weniger Touristen, die in das Land kommen. Das ist ein großes wirtschaftliches Problem für beide Landesteile.

Siedler auf den Bergen

Eine Sache, die mir hier vor Ort auch erst richtig bewusst geworden ist, ist die große Anzahl an israelischen Siedlungen im Westjordanland. Klar, ich wusste von den Siedlungen, aber dass es so viele sind, hat mich dann doch überrascht. Als wir von Nablus nach Ramallah zurückfuhren, sah ich auf jedem Berg eine riesige Siedlung. Den Palästinensern ist es verboten drumherum zu bauen, da so mögliche Angriffe auf die Siedler verhindert werden sollen.

Zuckerschock bis zum nächsten Morgen

Schwer bei solchen Themen die Kurve zu kriegen, aber um mal wieder über angenehmere Dinge zu sprechen: Nablus ist eine der größeren Städte im Westjordanland. Sie ist berühmt für ihre Olivenölseife, den Tahini (Sesampaste) und den "Knafeh", ein libanesisches Dessert aus warmem Gries, Käse und ganz viel Zuckerwasser. In der Türkei heißt es "Kunafeh", wird dort aber mit Nudeln gemacht. Na klar, das musste ich hier probieren. Der Laden in der Altstadt sei der beste, meinte Ali. Die Menschen stehen schon früh morgens hier Schlange. Nach dem Stück hatte ich bis zum nächsten Morgen keinen Hunger mehr – Zuckerschock hoch 10!

Besuch in Gaza

Draufsicht auf Gaza-City

Gaza-City: nach dem Gaza-Krieg von 2014 entstanden auch schon wieder ein paar neue Häuser. – © privat

Esel mit Karren

Esel leben in Gaza nicht im Streichelzoo, sondern müssen noch arbeiten. – © privat

"Hommos" - Falafel

"Hommos", Falafel und "Foul" nach Gaza-Art, ein Gericht mit Saubohnen und Kichererbsen in Sesamsoße. – © privat

Kinder vor Steinhaus

Palästinensische Kinder vor einem unfertig gebauten Steinhaus. – © privat

20. März: Besuch in Gaza-City

Leute, meine Zeit hier in Israel/Palästina ist schon bald vorbei. Und eigentlich würde ich euch gerne alles erzählen, was ich hier erlebe oder erlebt habe. Der Blog ist leider nur ein Bruchteil. Natürlich kann ich euch auch von meinen touristischen Touren erzählen. Ja, ich war auf dem Tempelberg, an der Klagemauer, im Toten Meer voller Schlamm, bin abends mal feiern gegangen oder habe die Standard-Sonnenaufgang-Tour in die Masada-Wüste gemacht – das Touri-Programm eben. Ja, und wenn ihr mehr davon wissen wollt, schreibt mir in der Kommentarfunktion. Dann reiche ich das noch nach ;).

Aber mir war es wichtig, hier nicht das Touri-Programm abzuspielen, sondern euch auch die anderen, authentischen Seiten dieses spannenden Landes nahe zu bringen, soweit es geht.

Eine Stadt mit Besuchserlaubnis

Eine davon ist beispielweise eine Tour nach Gaza. Mein Chef fährt dort ab und an hin, um die Kollegen des Reuters-Büros in der Hauptstadt Gaza City zu besuchen. Und letzte Woche nahm er mich mit. Eine Möglichkeit, die ich unbedingt nutzen wollte, denn mal eben so als Tourist dort Sightseeing machen – nein! Ohne Erlaubnis der Hamas kommt man nicht rein und ohne Erlaubnis der Israelis auch nicht wieder heraus.

Wir fuhren also von Jerusalem nach Gaza. Auf dem Weg dorthin hören wir die Radionachrichten: Explosion in Brüssel – bitte, was? Kurz danach noch in der U-Bahn. Was ist in Europa los? Ein komisches Gefühl, immerhin bin ich gerade auf dem Weg nach Gaza. Nicht gerade der Platz, der als sicherster Ort der Welt gilt. Ich bin fassungslos, sprachlos!

Als wir am Checkpoint ankommen, müssen wir erst durch den israelischen, dann durch den Hamas-Übergang. Wir werden empfangen von den Kollegen des Reuters-Büros in Gaza. Was für herzliche Menschen, obwohl sie im Land festsitzen. Denn die Einwohner von Gaza dürfen seit einigen Jahren nicht raus aus dem Land – Ausnahmen gibt es vielleicht bei Krankheit oder Todesfall. Aber selbst das wird oft nicht akzeptiert – weder von Seiten der Hamas noch von den Israelis. Es muss ein furchtbares Gefühl sein, nirgendwohin zu können. "Es fühlt sich wie ein Gefängnis an, auch wenn wir hier leben und unsere Familie sehen können. Man hält es nicht aus", so mein Kollege Mohammad.

Zwischen Trümmern und Kindern, die Hoffnung schenken

So absurd es klingt, sitzen wir dann im Büro in Gaza City und schauen uns die neuesten Live-Bilder aus Brüssel im Fernsehen an. Die Kollegen haben sogar an Frühstück gedacht – Hommos, Falafel und ich nenne es mal "Foul" nach Gaza-Art. "Foul" ist ein Gericht mit Saubohnen und Kichererbsen in Sesamsoße. So kenne ich es. In Gaza wird noch scharfer Paprika reingemacht. "Hier wird überall Paprika reingemacht, alles ist scharf", erklärt mir Mohammad. Wow, das ist wahnsinnig lecker. Jetzt kenne ich ein typisches Gericht aus Gaza. Ich fühle mich geehrt. Ansonsten kannte ich Gaza bislang auch nur aus dem Fernsehen, wenn dort wieder Krieg herrschte oder Raketen flogen. Nun sitze ich hier mitten in Gaza und esse regionale Gerichte. Bin ich wirklich in dem Gaza aus dem Fernsehen?

Ja, das wird mir schnell bewusst, als wir eine kleine "Sightseeing"-Tour von den Kollegen durch einen Teil des Landes bekommen. Der Krieg zwischen Gaza und Israel 2014 hat ein Land in Schutt und Asche hinterlassen. Ein paar neue Straßen oder Häuser sind gebaut worden. Zwischen Trümmern wirken die neu gebaute Häuser aber völlig fehl am Platz. Während wir fahren, mache ich einen Haufen Fotos. Ich denke nicht, dass ich hier so schnell nochmal wieder herkomme.

Ich sehe so viele Kinder auf den Straßen, die spielen, herumrennen und lachen. Sie kennen kein anderes Leben als dieses hier. Ob sie es jemals erleben werden, hier herausdürfen? Auch habe ich oft von meinen palästinensischen Kollegen gehört, dass ihre Kinder ihnen Hoffnung und Freude geben, wenn der Konflikt oder die Arbeit sie wieder demotiviert.

Unwirkliches wird real

Wir sind bis an die ägyptische Grenze gefahren. Wir durften sogar bis an den Zaun. Ein Schritt weiter ist schon Ägypten. Auf der ägyptischen Seite steht ein hoher Turm mit grimmig schauenden Soldaten. Die Waffen sind auf uns gerichtet. Immerhin könnten wird ja über die Grenze treten. Ein paar Hamas-Soldaten stehen dabei. Mein Kollege Mohammad erzählt mir, dass vor zwei Monaten hier ein Mann aus Gaza über die Grenze gegangen ist. Einfach so, ohne Gepäck. Er wurde sofort erschossen. Mohammad meint, dass es wohl Selbstmord war.

Oh Mann, manche Situationen wirken so unwirklich, wie diese hier mitten in Gaza an der ägyptischen Grenze. Unterirdische Tunnel, wo Palästinenser Ware oder Menschen durchschmuggeln. Die Hamas-Soldaten beäugen uns misstrauisch.

Wir müssen zurück zum Checkpoint – die Grenze wird sehr früh zugemacht. Als wir wieder auf israelischer Seite sind, reden wir nur über Brüssel. Es ist so absurd. Aber das Bild von Gaza wird mir immer in Erinnerung bleiben.

Rumänischer Staatsbesuch in Flipflops

Zwischen den Gesichtern zweier Fotografen sieht man einen Mann in schwarzer Robe mit großer Kreuzkette eine Treppe hinablaufen.

Der Präsident und der Patriarch schreiten mit ihrem Gefolge zur Grabeskirche durch die Altstadt Jerusalem. – © privat

Ein Mann mit schwarzem Umhang wird von vielen Reportern fotografiert.

Journalisten mit Smartphone, Foto, Filmkamera – manche Presseleute sind extra aus Rumanien angereist um den Präsidenten zu treffen. – © privat

Ein Mann schiebt Sesamkringel in einen großen Ofen.

An Kunden mangelt es hier nicht - der Sesamduft reicht bis zur Straße hinaus. – © privat

13. März: Sesamliebe und Staatsbesuch

Nicht nur mit dem Filmteam, sondern auch mit den Fotografen von Reuters kommt man an die spannendsten Orte – dahin, wo es das beste Kaak (Sesamgebäck) der Stadt gibt oder man trifft mal eben den rumänischen Präsidenten Klaus Ioannis auf Staatsbesuch in Jerusalem.

Sesamduft in den Straßen

Aber zuerst zum kulinarischen Teil: Ihr habt sicherlich gemerkt, Essen spielt eine wichtige Rolle in meinem Leben. Hier gibt es viel leckeres Zeug und ich werde euch noch einiges zeigen, was ihr vor allem nicht auf den arabischen Speisekarten in Deutschland finden werdet.

Kaak ist eine Art Gebäck oder Keks mit sehr viel Sesam und stammt ursprünglich aus dem Libanon. Wie so vieles – alle Palästinenser und Israelis, die ich kennengelernt habe, schwärmen von der libanesischen Küche. Der Fotograf Ammar will heute einen palästinensischen Laden in der Altstadt anschauen, um darüber vielleicht eine Fotostory zu machen. Irgendwo in der Jerusalemer Altstadt, Straße links, rechts und dann nochmal scharf links – fragt mich bitte nicht, wo der Laden ist. Ich habe den Namen des Ladens – soweit so klar.

Gekauft und schnell aufgegessen

Wir treten ein - die heiße Luft des Ofens bläst mir ins Gesicht. Ein großer Raum, überall liegen Holzplatten herum, teils mit gebackenen, dampfenden Kaak-Teigrollen. Mmh, es duftet nach Sesam – ich bekomme Appetit. Ein noch sehr junger Mann steht schwitzend am heißen Ofen und belädt die Holzschaufel mit neuen Teigrollen, dann schiebt er sie in den Ofen. Er ist schon seit drei Uhr früh auf den Beinen – er muss ja den Teig vorbereiten und vorbacken. Denn die Zulieferer warten schon morgens auf frische Ware, um sie in den Morgenstunden an die Menschen zu verkaufen. Kaak wird meist zum Frühstück gegessen mit Butter, Hummus oder Marmelade. Der Laden füllt sich, viele Leute kaufen direkt im Laden wenn das Gebäck noch warm ist. 2 Schekel (knapp 50 Cent) kostet ein Stück – gekauft und schnell aufgegessen.

Flipflops zum Präsidentenbesuch

Tja und dann ging es weiter – der rumänische Präsident Klaus Iohannis hatte sich beim griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem Theophilos III. angekündigt. Mit seiner Frau ist der Präsident momentan auf Pilgerreise durch das ganze Land – heute war Jerusalem an der Reihe. Zwischen all den Anzugträgern, Geheimdienstlern, Presse, dem Präsidenten und religiösen Heiligkeiten kam ich mir in meinen legeren Klamotten und Flipflops etwas unangemessen vor. Naja, das lies mich nicht davon abhalten, Fotograf Ammar zu folgen und dann am Ende bei den Feierlichkeiten dabei zu sein und zu fotografieren. Ich hielt mich etwas im Hintergrund, denn das Spektakel sah von außen viel interessanter aus. Überall Kameras, filmende Smartphones und der Patriarch, der dem Präsidenten eine Schärpe umhängt. Hätte ich ihm dafür "Herzlichen Glückwunsch" zugerufen, hätte er das sicher verstanden – denn Iohannis enstammt der deutschsprachigen Minderheit der Siebenbürger Sachsen in Rumänien.

Tel-Aviv und die besten Falafel

Eine Mauer in Bethlehem, besprüht mit Graffitis. Zwei Soldaten in schwarz/weiß die auf eine Frau mit lila Kopftuch zielen.

Die Mauer in Bethlehem, besprüht mit Graffitis – © privat

Betonpilze auf einem Platz.

Tel-Aviv: Diese Wunderwerke der Architektur werden Ufos genannt. – © privat

Eine vollgekritzelte Hauswand, davor zwei Stücke Mauer mit einem schwarz/weißen Graffiti, wo ein Soldat einem Jungen das Gewehr an die Brust drückt.

Banksy hat sich erstmals 2005 hier in Bethlehem verewigt: Das ist ein Graffiti von ihm. – © privat

Ein Junge macht die Falaffelmasse in eine Form. Ein Mann daneben bindet eine lila Tüte zu.

Der Restaurantbesitzer mit seinem Sohn, der gerade frische Falafel frittiert. – © privat

Verschiedene Schälchen auf einem Tisch. Vorne ein gelbe Paste, dahinter Falaffel, rechts ein Tomaten-Gurke-Salat und links Brot.

Das leckere Msabbaha (vorne), hinten die berühmten Falafel. – © privat

11. März: Die Woche der Anschläge – ein Rückblick

Die letzte Woche… uff, zusammenfassen ist immer so eine Sache. Jeden Tag passiert etwas Neues: Immer mehr interessante Menschen, die ich kennenlerne, noch mehr Erfahrungen die ich sammle, mehr Orte, die ich entdecke.

Tel Aviv - Die "weiße Stadt"

Einer dieser Orte war Tel Aviv am letzten Sonntag. Mal eben so als "Daytrip". 40 Minuten mit dem Bus und schon ist man in einer anderen Welt. Weniger religiös, weniger Konflikte, mehr Hipster, entspannte Atmosphäre – etwa wie in Berlin. Ich wundere mich nicht, dass viele Berliner diese Stadt lieben. Tel Aviv sieht für mich ein wenig so aus, wie eine heruntergekommene 50er Jahre Hipster-Stadt im Bauhaus-Stil.

Makellos und bröckelnder Putz

Von Bäumen gesäumt liegen der Rothschild-Boulevard, Allenby und die Dizengoffstraße im Zentrum von Tel Aviv. Hier reihen sich kubistische Würfel in makellosem Weiß aneinander, bei vielen anderen bröckelt der Putz schon ordentlich von der Fassade. Daneben Gebäude mit Flachdach und ausladenden Balkonen in runden schwingenden Formen.

In der "Weißen Stadt", die erst 1909 gegründet wurde, steht die weltgrößte Ansammlung von Gebäuden im Bauhaus-Stil, errichtet von jungen europäischen Architekten. Diese kamen vor allem nach der Machtergreifung der Nazis in Deutschland 1933. Innerhalb weniger Jahre verdreifachte sich die Einwohnerzahl Tel Avivs auf 150.000.

Das etwas andere "Sabbat-Dinner"

Am Freitag war ich wieder in Tel Aviv. Meine Mitbewohnerin hat mich zu einem Sabbat-Dinner bei ihrer Familie eingeladen. Sabbat-Dinner klingt so religiös – eher war es ein "Ich setz mir mal eben die Kippa auf, lese schnell den Absatz in der Thora und segne das Brot". So funktioniert das bei säkularen Familien, erklärt mir meine Mitbewohnerin. Man ist zwar jüdisch, aber vergleichbar vielleicht mit manchen Christen in Deutschland, die nur zu Weihnachten in die Kirche gehen.

Bei religiösen Familien besorgt man zum Sabbat das "Challot"-Brot (zopfartig geflochtenes Sabbatbrot) oder bäckt es selber. Vor dem Platz des Vaters stehen die zwei Challots, welche mit einem Tuch bedeckt sind, daneben ein Weinbecher und ein Salznäpfchen. Der Wein und das Brot sind Hauptbestandteile des Sabbatrituals, da sie den Segen der Erde symbolisieren. Zum Schluss spricht man den "Kiddusch" (= der Segen, Heiligung des Sabbats) über einen Becher Wein.

Sabbatsegen und Festmahl

Das Challot-Brot und den Wein gab es bei unserem Essen auch. Die Familie versammelt sich um den gedeckten Tisch, der Vater füllt den Weinbecher, hebt ihn hoch und spricht den Kiddusch. Der Kiddusch erinnert an die biblischen Grundgedanken, mit denen der Sabbat verbunden ist: die Schöpfung und der Auszug aus Ägypten. Nach dem Kiddusch trinkt der Vater einen Schluck Wein und reicht den Becher bis zum jüngsten Familienmitglied weiter.

Nun schneidet der Vater ein Challot an, bricht es in Stücke und bestreut es mit Salz. Damit beginnt die erste Sabbatmahlzeit. Ich fand das alles super spannend, auch wenn es bei unserem Essen eher entspannter zuging.

Kurztrip ins Westjordanland

In dieser Woche war auch endlich das Westjordanland dran. Meine palästinensische Kollegin Sabreen und ich fuhren letzte Woche nach der Arbeit nach Bethlehem, genauso schnell wie nach Tel Aviv. Nur dass man einen Checkpoint kreuzt, wo die Israelis die einfahrenden Autos, Busse und Passanten kontrollieren. "Jetzt sind wir in der West Bank", meinte Sabreen. Ok, so ist das also.

Die Mauer, die das Westjordanland und Israel trennt, war die erste Station. Ein komisches Gefühl, diese hohe Mauer vor sich zu sehen. Bei uns in Deutschland fiel eine Mauer vor 25 Jahren, hier wurde eine aufgebaut, um die Menschen zu trennen, zu schützen – wie auch immer man es sehen will. Die Motive von dem bekannten Graffitikünstler Banksy sind hier zu sehen – Bethlehem hat ihm viele Touristen zu verdanken.

Best Falafel in Town

Danach ging es zum "Afteem" – einem der wohl besten Falafel-Restaurant in Bethlehem. Und, na klar, war es super lecker – vor allem das "Msabbaha". Das ist in etwa die Vorstufe von Hummus – also bevor man die Kichererbsen zu einer Creme mixt. Kichererbsen stundenlang eingeweicht in Öl und Tahini (Sesamsoße). Lecker!

Dann ging es zurück nach Jerusalem. Auf dem Weg zur Busstation schaute Sabreen erschrocken auf ihr Handy. Freunde schrieben, dass es in den letzten Stunden in Jerusalem einige Messerattacken am Damaskus und Jaffa Tor gab, da, wo wir uns oft treffen. Außerdem eine tödliche Messerattacke auf einen Amerikaner in Tel Aviv am Strand der Altstadt Jaffa. Genau da, wo ich letzten Sonntag langgelaufen bin.

Oh Mann, was ist plötzlich los? Denn wir hatten uns schon gewundert: Kein Bus war zu sehen, die Checkpoints waren wohl teils dicht und die Stadt im Ausnahmezustand.

Wie kommen wir jetzt zurück nach Jerusalem, so mitten in der Nacht? "Taxi bis zur Mauer, zum Checkpoint", meinte Sabreen. Ok, was auch immer das heißen mag.

Glück gehabt

Es hieß genau das. Wir fuhren an die Mauer – hier war ein Eingang zum Checkpoint zwischen Westjordanland (politisch korrekt: Palästinensisches Autonomiegebiet) und Israel. Unsere Sachen wurden durchleuchtet und unsere Pässe sehr gründlich kontrolliert. Alles sah aus, wie in einem Hochsicherheitsgefängnis. Bis wir endlich "drüben" — also in Israel waren. Dort stand ein Bus, der nach Jerusalem fuhr, der letzte an diesem Abend. Puhh… Glück gehabt.

Endlich Zuhause — die Straßen waren leer, alles schien so ruhig. Als ob niemand etwas von den Attacken mitbekommen hätte.

Ein Ausflug am Shabbat

Man sieht eine alte Steinmauer.

Blick auf Ostjerusalem. – © privat

Man sieht einen Olivenbaum

Dieser Olivenbaum im Garten Gethsemane soll 2000 Jahre alt sein. – © privat

Man sieht Grabmale aus hellem Stein.

Ein Feld aus jüdischen Gräbern: Jeder Besucher hinterlässt einen Stein. – © privat

Eine junge Frau steht an einem Aussichtspunkt.

Oben angekommen weht mir der Wind ins Gesicht. Von hier wirkt die Altstadt so klein. – © privat

5. März: Wochenende – oder eher Shabbat Shalom

Wenn die Sonne untergeht, schrillt durch die ganze Stadt die Sirene: Ab jetzt ist Shabbat. Und das bis zum nächsten Samstag Abend. Shabbat ist ein jüdischer Feiertag. Der beginnt wie alle jüdischen Feste am Vorabend, da die Tage im jüdischen Kalender abends beginnen und am Abend enden. In der Zeit geht nichts mehr in Jerusalem, denn am Shabbat ist jede Art von Arbeit untersagt: kein Bus, keine Bahn fährt, kein Laden ist offen. Wenn dann fahren nur arabische Taxis und in Ostjerusalem, also auf palästinensischer Seite, ist natürlich alles offen.

An diesen Tag muss ich mich echt noch gewöhnen. Kein Wunder, dass die Kaufhallen am Freitag nachmittag rappelvoll sind. Feiertagsstimmung jeden Freitagmittag…

Was macht man also an so einem Tag? Vielleicht den Ölberg besuchen. Genau - das war mein Plan. Auf den Berg, wo König David, Konstantin der Große, Saladin, die Kreuzritter, Süleyman I., Churchill, Roosevelt und noch mehr bekannte, historische Persönlichkeiten standen und auf die Stadt runterschauten. Also auf ging es.

Sehr ambitioniert, beschritt ich den einstündigen Weg zu Fuß. Hat auch funktioniert, aber meine schmerzenden Füße sprechen Bände. Vorbei an den Stadtmauern der Altstadt, führte eine Asphaltstraße hoch auf den Berg. Der 809 Meter hohe Hügel zählt zu den bedeutenden Orten im Juden- und Christentum sowie im Islam. Es ist auf der Jerusalem zugeneigten Seite fast vollflächig mit jüdischen Gräbern bedeckt.

VIP-Plätze auf dem Ölberg

Wer hier begraben ist, kann am Tag der Apokalypse auf ein schnelles Treffen mit dem Messias hoffen: Auf dem Ölberg vor Jerusalem steht der größte jüdische Friedhof der Welt. Die Plätze sind enorm begehrt. Denn im Judentum glaubt man, dass der Messias auf den Ölberg wiederkehren und alle Toten auferwecken wird. Jeder, der es sich finanziell leisten kann und würdig genug erscheint, hat daher ein Grab an diesem Hang. Auf seinem Gang nach Jerusalem würde der Messias auch das Kidrontal durchschreiten und dort das Jüngste Gericht abhalten. Auch die Moslems glauben, dass im Kidrontal das Jüngste Gericht abgehalten wird. Nach ihrer Vorstellung wird jedoch vom Tempelberg zum Ölberg ein Seil gespannt, auf dem die Gerechten hinüber gelangen.

Für die Christen ist der Ölberg auch heilig und wird mehrfach im neuen Testament in Verbindung mit Jesus Christus erwähnt. So ist Jesus vom Ölberg aus nach Jerusalem gezogen. An der Stelle, wo heute die Kapelle Dominus Flevit steht, weinte Jesus über den kommenden Untergang Jerusalems, im Garten Gethsemane am Fuße des Berges wurde er von den Soldaten verhaftet und letztlich ist Jesus der Bibel nach vom Ölberg in dem Himmel aufgefahren. Hier wird am Palmsonntag der Einzug Jesus auf dem Rücken eines Esels in die Stadt Jerusalem gefeiert. Dann versammeln sich christliche Gläubige an der Strasse hinauf zum Berg mit Palmenzweige und feiern. Palmen gelten im Orient als heilige Bäume.

Touristenströme auf dem heiligen Berg

Täglich ergießen sich Ströme von Besuchern über die biblischen Orte des Ölbergs wie den Garten Gethsemane, wo Judas Jesus verraten haben soll. Immer entlang einer niedrigen Mauer schlängeln sie sich den schmalen, steilen Weg hinauf. Hinter der Mauer liegen blendend weiß die Gräber des jüdischen Friedhofs. Sie bedecken die Hänge des Ölbergs. Von der Spitze bis zum Fuß erstreckt sich das steinerne Meer über die Hänge. Die meisten Grabplatten liegen flach auf den Ruhestätten, um den Blick auf Jerusalem, die heilige Stadt, nicht zu verdecken. Kein Vogelgezwitscher ist zu hören. Kein Baum spendet Schatten. Nur der Wind pfeift über die Gräber.

Ab und zu bahnen sich strenggläubige, schwarzgekleidete Juden mit Schläfenlocken einen Weg durch die steinerne Landschaft. Wer ein bestimmtes Grab sucht, muss sich auskennen. Es gibt keine Wege, die Schriften auf den Steinen sind ausgeblichen und verwittert, viele Grabplatten zerbrochen. Manche der Steine stammen aus dem 16. Jahrhundert.

Begraben ohne Sarg

Anders als im Christentum werden jüdische Tote nicht aufgebahrt, sondern so schnell wie möglich beerdigt – und auch nicht in einem Sarg, sondern nackt in ein Leichentuch gewickelt. Ein Sarg würde den ewigen Kreislauf Mensch-Erde nur behindern, erklärte mir später eine israelische Kollegin. Statt Blumen liegen Steine auf den Gräbern. Manche faustgroß, andere so klein wie Murmeln. Wer ein Grab besucht, legt einen Stein darauf, als Zeichen dafür, dass er hier war. Der Brauch stamme aus einer Zeit, als die Juden noch ein Wüstenvolk waren und die Gräber so markierten und vor wilden Tieren schützten. Auf manchen Grabplatten steht nicht nur der Name des Toten. An den Seiten sind auch die Namen von Familienmitgliedern zu lesen, die im Holocaust umgekommen sind und kein eigenes Grab haben.

Oben angekommen – plötzlich scheint die Altstadt, in der man sich sonst so leicht verlaufen kann, von oben so klein.

Unterwegs für Reuters

Man sieht eine Interviewszene.

Filmen und die Protagonisten an einer Ausgrabungsstätte interviewen. – © privat

Ein Mann hält Keramik in die Kamera.

Der palästinensische Arbeiter ist sehr stolz auf seine Ausgrabungen. Er hält eine Art Kerze in der Hand. In das Gefäß wurde Öl reingefüllt, ein Docht kam hinzu. – © privat

Man sieht eine junge Frau am PC.

Aline beim "Schönschneiden" im Büro. – © privat

4. März: Geschichten aus dem Leben

Die Arbeit bei Reuters macht Spaß, denn ich kann nach neuen und spannenden Geschichten aus dem Land suchen. Wie zum Beispiel die über einen palästinensischen Farmer in Gaza, der aus Datteln Kaffee macht. Eben weil sie dort nicht genug Kaffee haben. Not macht erfinderisch.

Oder eine ehemals beduinische Frau, die in London studiert hat, wieder nach Israel kam und aus Kamelmilch Kosmetikprodukte herstellt und erfolgreich verkauft. Für mich klingt das spannend.

Genauso wie mein erster Dreh heute auf einer Baustelle im ultra-orthodoxen Viertel Me'a Sche'arim in Jerusalem. Hier entstehen neue Häuser und seit einigen Monaten finden hier Ausgrabungen statt, da hier antike Überreste aus dem Römischen Reich gefunden wurden: eine Weinpresse, ein Baderaum, viel Keramik, Glas und weiteres Geschirr.

Alles auf Film

Mein Kameramann Eli läuft los und filmt was das Zeug hält. Alles einfangen, was es zu sehen gibt. Ein paar Exponate aus dem römischen Reich wurden ausgestellt für die Presse und Besucher. Ein paar Arbeiter sitzen drumherum und reden darüber – alle Palästinenser.

"Schönschneiden" für die Kunden

Dann ging es zurück ins Büro. Dort durfte ich das Material von Eli "schönschneiden". Also die 15 Minuten Filmmaterial auf vier Minuten kürzen oder die "Ähhs" und Pausen des Interviewpartners rausschneiden. Da ich schon etwas Schnitterfahrung habe, ging es schnell und machte Spaß. Dann hieß es eine "Shotlist" zu machen – also was sieht man auf jedem Bild. Denn das Material wird ja weltweit angeboten und die Redakteure in den Sendern haben nicht viel Zeit, um sich alles genau anzuschauen. So können sie über die Shotlist gehen und schnell sehen, worum es geht. So läuft das hier immer. Ich bin gespannt, ob ich das Material bald irgendwo im deutschen Fernsehen wiedersehen werden.

Am Puls der Stadt

Eine breite Straße sowie ganz eng gebaute flache Häuser vor blauem Himmel.

Der Ausblick stimmt schon mal. – © privat

Rechts im Bild sind Musiker mit einer Gitarre, einem Kontrabass und einem Saxophon. Drumherum stehen viele Menschen.

Live-Jazz: Die Musik erinnerte mich an einen schönen Film. Ich hätte ihnen ewig zuhören können. – © privat

Viele Menschen stehen in einer langen Schlange auf dem Bürgersteig vor einem Haus.

Kaum wird es wärmer, werden die Partys nach draußen verlegt. – © privat

1. März: Israelischer Presseausweis: Check!

Jetzt bin ich offiziell als Journalistin für Reuters in Israel angemeldet. Das heißt, ich kann nun das Filmteam begleiten. Darauf freue ich mich schon die ganze Zeit: Raus aus dem Büro, rein ins Geschehen.

Ich werde natürlich berichten, sobald es losgeht.

Währenddessen sammle ich fleißig Storys, die ich hoffentlich bald filmen kann. Das ist mein dritter Tag und ich fühle mich schon komplett angekommen. Ob bei meinem Praktikum, in meinem Kiez, bei den Menschen oder bei der jetzt erfolgreichen Suche nach Joghurt. Es geht so schnell!

Wenn ihr jemals so eine Chance bekommt, nutzt sie! Anfangs ist es schon gruselig, etwas wenn man die Sprache nicht versteht, man sich erst orientieren muss, alles noch neu und unbehaglich ist, die Familie weit weg. Aber diese Erfahrung nimmt euch jede Angst vor Neuem.

Meine palästinensische Kollegin Sabreen – die übrigens erst 24 Jahre alt ist – erklärt mir wirklich alles in der Redaktion. Vom Schnitt, zum Texten, zur Recherche bis hin zur Übersetzung. Denn die arabischen Interviews müssen immer ins Englische übersetzt werden. Wie alle Beiträge.

Kardamom, Zaatar und Thymian

Heute will sie mir die Altstadt von Jerusalem (hebräisch ירושלים , arabisch القدس) zeigen. Die kennt sie, als gebürtiges Jerusalem-Kind, wie ihre eigene Westentasche. Die Altstadt von Jerusalem ist von einer großen Mauer umgeben, die vor tausende von Jahren entstand. Fragt mich bitte nicht nach genauen Zahlen. Zu viele unterschiedliche Quellen, die ich gefunden habe, die Unterschiedliches behaupten.

Wir treten ein am Jaffa-Gate auf der westlichen Seite. Da es später Nachmittag ist, schließen so langsam die Geschäfte in den engen Gassen. Viele kleine Läden, insbesondere Souvenirshops mit denselben Sachen, die ich auch schon in Istanbul gesehen habe. Aber zwischendurch die Juwelen der Altstadt: Gewürzstände, Kaffeeröstereien oder auch handgemachte palästinensische Stickereien. Kardamom, Zaatar, Kaffee oder Thymian – wer schon mal auf einem arabischen Markt war, kennt die Gerüche. Ich liebe es. Ich könnte glatt vergessen, wo ich bin.

Mein Herz rast

Sofort werde ich wieder in die Realität zurückgeworfen: Ein israelischer Soldat steht vor Sabreen und mir. Mit seinem Maschinengewehr zielt er in unsere Richtung. Dann lacht er und richtet sie wieder auf den Boden. Mein Herz rast. Ohne Worte! Weil wir beide nicht anders können, lachen wir los und gehen kopfschüttelnd weiter. Ich kann es immer noch nicht fassen. Was hat der sich dabei gedacht? Überall stehen die Soldaten in Gruppen, tragen schwere Waffen und achten auf die Menschen, die vorbeigehen.

Süßes für den Weg

Wir laufen weiter in Richtung Damascus Gate, dort wo die meisten Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern stattfinden. Hier stehen noch mehr israelische Soldaten, junge Palästinenser laufen durch die Gassen, die älteren schließen ihre Läden. So langsam wird es hier etwas ruhiger in den Gassen. Einige Touristen sind noch unterwegs. Sabreen will mich etwas ablenken und deutet auf einen Stand am Eingang des Damascus Gate. Ein alter Mann verkauft arabische Süßigkeiten, natürlich selbstgemacht und ganz frisch. "Das hier ist das beste süße Harissa (oder auch Basbousa) mit Milchcreme (arabisch Ashta) in der ganzen Welt. Das musst du probieren!" Lecker!

Hier in Jerusalem mischen sich Palästinenser mit Israelis. Gestern war ich auf einem israelischen Straßenfest, heute mit einer palästinensischen Kollegin in der Altstadt unterwegs. Ich frage mich ständig: "Und was ist euer Problem?" Es könnte doch so einfach laufen. Das miteinander oder wenigstens nebeneinander leben.

29. Februar: Ankommen in der Redaktion

Nach meinem Feierabend gestern überredete mich meine Mitbewohnerin Tahel, noch auf ein Street Festival in der Nähe mitzukommen. In einer Straße des Stadtteils Rehavia, wo sonst nur Autos langfahren, war alles voller Menschen. An einer Ecke spielte eine Jazz Band, an der anderen ein DJ in rotem Morphsuit (neudeutsch: Ganzkörperanzug) Elektromusik.

Ich schaue während wir laufen rechts in eine Straße. Ein riesiges Gittertor mit ein paar Polizisten stehen davor, die entspannt miteinander quatschen. "Hier wohnt der Premierminister", sagt Tahel. "Wie jetzt, Netanyahu wohnt hier?", "Ja, wenn er in Jerusalem ist ab und an mal. Hier wohnen alle Premierminister." Oha, deswegen ist die Gegend so sicher. Weil "Bibi" hier ab und an mal wohnt, wie ihn die Israelis nennen. So richtig nett sehen die Häuser in der Straße aber nicht gerade aus. Eigentlich wollte ich gerne Fotos vom Eingang machen, aber ich habe mich nicht getraut.

Büro mit Aussicht

Nun zu meiner Arbeit bei Reuters TV: Der gestrige und heutige Tag standen ganz im Zeichen des Ankommen, Kollegen kennenlernen und erste Schnitterfahrungen zu sammeln. Von Carsten, meinem Chef der TV-Abteilung, wurde ich durch die Redaktion geführt. Nicht wirklich riesig, wie man es sich vielleicht vorstellen könnte. Ein großer Raum mit tollem Ausblick auf den Jerusalemer Stadtteil Malcha.

In der Mitte arbeiten die Producer, die das Filmmaterial schneiden, sortieren, zusammenfassen und das Filmmaterial dann direkt für die Kunden - zum Beispiel ZDF, ARD, RTL und Co. - zum Download bereitstellen, die dann ihrerseits daraus Beiträge erstellen und selbst vertonen. Das kommt dann in den Nachrichten, Magazinsendungen, auf Facebook oder wo auch immer. Achtet einfach auf die Quelle! Reuters steht fast überall. Die Redaktion hier in Jerusalem ist bunt gemischt, sprich: Israelis und Palästinenser arbeiten hier, wie auch Amerikaner und Deutsche. Find ich super!

"Momentan ist es sehr ruhig", erklärt mir mein palästinensischer Kollege Mustafa. Dabei klopft er auf Holz: "Es kann sich sofort ändern." Dann ist hier in der Redaktion auch schonmal die Hölle los. Telefone klingeln rund um die Uhr, alle Schnittplätze sind voll und das Filmteam ist unterwegs. 24 Stunden im Einsatz – das ist Agenturalltag. Prinzipiell sind alle irgendwie "On Call" – immer auf Abruf. Wenn mal etwas passieren sollte.

Ständig auf Abruf

Wie gestern Nacht zum Beispiel, als zwei israelische Soldaten scheinbar aus Versehen in ein palästinensisches Flüchtlingscamp fuhren und von den Menschen mit Steinen und Molotowcocktails beworfen wurden. Die Soldaten versuchten aus der Menschenmasse zu flüchten und erschossen dabei einen jungen Palästinenser. Viele Menschen wurden dabei verletzt. Meine andere palästinensische Kollegin Sabreen hatte gestern Nachtschicht und musste einsatzbereit sein. Das heißt: Ein Filmteam von Reuters war direkt vor Ort, filmte und schickte das Rohmaterial mit Originalinterviews von Zeugen an Sabreen. Sie musste das Material zurechtschneiden und direkt an die weltweiten Sender schicken, die schon darauf warteten. "Ich bin so fertig", meinte sie heute in der Redaktion zu mir. Es musste ja alles wahnsinnig schnell gehen. So kann das laufen, wenn etwas passiert. In Jerusalem oder im Land allgemein sind Ruhezeiten ja eher eine Ausnahme, wird mir heute noch oft von meinen Kollegen lachend erklärt.

Neben den Breaking News, die natürlich nicht immer was mit dem Israel/Palästina-Konflikt zutun haben müssen, werden auch eigene Stories produziert. Wenn die Producer ein Thema entdecken, das sie spannend finden, wird ein Filmteam dorthin geschickt, wieder gefilmt und dann geschnitten. Das Ganze wird dann wieder den interessierten Kunden zum Download angeboten, die sich das Material runtersaugen und verwenden können.

Wir, als Zuschauer, bauen darauf, immer die neuesten Nachrichten und Infos zu erhalten. Diese Agenturen und Redaktionen machen es möglich.

Erster Alltag in der Heimat auf Zeit

Ein Straßenschild in Jerusalem, grün mit weißer Schrift. Die Worte in hebräisch, arabisch und englisch.

Ein Straßenschild im Jerusalemer Viertel Talbiya. Ganz in der Nähe der Altstadt. – © privat

Der Blick vom Balkon auf eine Straße, im Hintergrund ein Steinhaus. Links die Wand des eigenen Hauses, Putz ist sichtbar.

Der Blick vom Balkon auf Steinhäuser und Palmen. – © privat

Ein Hummus in einer Plastikdose, daneben zwei Bagel.

Bagels mit Hummus zum Frühstück. – © privat

Ketchupflassen in zwei Reihen in einem Regal im Supermarkt.

Ketchupflaschen in der Kaufhalle. Soweit noch verständlich. – © privat

Große grüne Papierverpackungen im Supermarktregal mit weißen Aufklebern mit der Aufschrift White Sugar.

Zuckertüten in der Kaufhalle. Optisch sieht hebräisch auch ganz nett aus. – © privat

Shalom und juten Tach!

Mein Glück, dass ich Arabisch lesen und sprechen kann – sonst wäre ich hier in Jerusalem wohl vorerst aufgeschmissen. Auch wenn viele der Schilder dreisprachig (Hebräisch, Arabisch und Englisch) geschrieben sind, gibt es immer wieder Ausnahmen.

Bestes Beispiel heute in der Kaufhalle hier im Stadtteil Talbiya: Als ich vor dem Kühlregal stehe und verzweifelt nach Joghurt suche, weil einfach alles aussieht wie Joghurt. Oder ist es vielleicht Quark oder saure Sahne?

Bekanntheit in der Fremde

Bis ich dann eine mir sehr bekannte, harsch klingende Sprache höre: Arabisch. Na klar, die Verkäufer sind alle Palästinenser. Meine Mitbewohnerin hat mir heute früh erst erklärt, dass sich in Jerusalem alles mischt. Rami, mein Retter in Not hilft mir – nach einem kleinen sprachlichen Kulturschock seinerseits – bei meiner Suche nach dem richtigen Joghurt. "Wo kommst du her?", fragt er mich. "Deutschland" – "Oh, meine Mutter hat dort einige Zeit gewohnt." An die Stadt kann er sich leider nicht mehr erinnern.

Morgens, mittags und abends: Hummus

Was kauft man denn so in Jerusalem? Natürlich Hummus. Das geht morgens, mittags, abends, einfach immer. Und ja, wir Libanesen beanspruchen den Thron der Hummus-Erfinder. Da gibt's gar nichts zu diskutieren. Ich will nur mal die Konkurrenz ausprobieren. Dazu noch einen leckeren, jüdischen Sesambagel. Ja, wirklich! Der Bagel ist ein jüdisches Gebäck (von jiddisch בײגל) mit dem berühmten Loch in der Mitte. Nach jüdischen Quellen wohl im 17. Jahrhundert im polnischen Krakau erfunden, bis er dann Ende des 19. Jahrhundert den Weg bis in die Vereinigten Staaten von Amerika fand. Wie für uns die Schrippe in Berlin, so der Bagel in den USA.

Bagel und Hummus stehen bereit zum Verzehr. An meinem ersten Tag hier in Jerusalem genieße ich die Sonne auf meinem Balkon. Zum kalten Berlin von gestern eine echte Wohltat.

Ich schicke euch sonnige Grüße nach Deutschland,
eure Aline

Erste Eindrücke aus Israel

Der Flügel eines Flugzeugs vor der aufgehenden Sonne.

Die Sicht aus dem Flugzeug: Sonnenaufgang. – © privat

Eine Leuchttafel mit den Worten Welcome to Israel.

Alte Tradition und pulsierende Moderne: Willkommen in Israel – © privat

20 Schekel (israelische Währung) auf einem Tisch, darauf ein paar Agorot (die Münzen).

Israelische Währung: Schekel. Auf dem 20 Schekel-Schein ist Mosche Scharet abgebildet, israelischer Ministerpräsident von 1953 bis 1955. – © privat

Willkommen im panischen Israel

Die kleine, anderthalbstündige Panikattacke geht los – Flughafenkontrolle in Israel.

Wie vermutet, werde ich bei der Reisepass-Kontrolle aus dem Verkehr gezogen. Warum? Das Stichwort ist wohl "Journalist". Tja, das antworte ich eben, wenn ich nach meinem Beruf gefragt werde. Ehrlich gesagt, wird mein arabischer Nachname noch sein übriges getan haben. Und dann noch als Frau allein unterwegs? Da kann doch was nicht stimmen.

"Please follow me, Madame!"

Ich werde in den Security-Raum gebeten, der schon üppig gefüllt ist. Ein Blick in die Gesichter und mir wird klar, warum sie hier sitzen: Palästinenser. Einige multikulturelle Pärchen sind dabei, die etwas aus dem Raster fliegen. Meine Sitznachbarin ist zwar Israelin, aber ihr Freund hat eine schwarze Hautfarbe, stammt aus der Karibik und hat noch einen arabischen zweiten Vornamen.

Ich bin dran. "Wie heißt ihr Vater, ihr Großvater? Was wollen Sie hier? Für wen arbeiten Sie? Und überhaupt, warum haben Sie einen französischen Vornamen?" - "Ähh, weil meine Eltern den Namen schön fanden?" Einige der verwirrenden Fragen des kühl wirkenden Pokerface-Security-Israeli. "Ok, dann setzen Sie sich bitte nochmal kurz draußen hin" – vorerst.

Wehe, du willst nach Palästina

Eine ebenfalls distanziert wirkende Dame kommt dann nach etlichen Minuten und will meinen Presseausweis sehen. Wie lange ich denn schon Journalistin sei und ob ich in palästinensische Gebiete wolle. Fragen über Fragen. Ich gebe Antworten und hoffe, dass es ausreicht.

Als ich meinen Presseausweis rauskrame fällt ein kleiner Schmierzettel mit Nummern aus meinem Geldbeutel. Sie will sofort wissen, was das ist. "Nur so ein paar Nummern", "Und wofür genau?" - "Äh, für mein Bankkonto." Sie will mir den Zettel schon fast nicht mehr zurückgeben, drückt ihn mir dann aber doch in die Hand.

Woher kommt meine Panik? Bevor der Trip losging, dachte ich immer: "Ach komm, dann werden dir eben ein paar Fragen gestellt." Das ist easy, die machen nur ihren Job. Beantworte einfach deren Fragen, dann kann nichts passieren. Ja sicher, aber wenn ich nicht schnell genug antworte, dann ist das offenbar schon ein komisches Zeichen für den Israeli. Wie soll ich denn da locker und entspannt bleiben? Immerhin werde ich hier festgehalten, ohne dass mir jemand den Grund nennt.

"Journalist, dann musst du noch lange warten!"

Das Warten geht weiter und langsam werde ich panisch: "Hätte ich lieber sagen sollen, ich wäre als stinknormaler Tourist hier? Aber was wäre gewesen, wenn Sie es rausbekommen hätten, was ich hier machen will? Muss ich jetzt ewig warten? Ich habe doch alle Fragen beantwortet?"

Meine Angst nimmt zu, als ein anderer Sitznachbar, selbst Franzose mit arabischen Wurzeln, mir erklärte, er mache das alle paar Monate durch, wenn er nach Israel komme. "Und immer stellen sie dieselben Fragen, obwohl ich vor zwei Monaten schon da war und dasselbe geantwortet habe. Der Name meines Vaters hat sich seitdem nicht geändert."

Als ich ihm sage, dass sie wohl meinen Beruf als Journalistin interessant finden, seufzt er und meint, "Oje, das kann noch lange dauern." Na toll, jetzt soll ich hier sitzen und darauf warten, dass mir mein Pass hoffentlich zurückgegeben wird? Glücklicherweise muss ich dann doch nicht mehr lange warten. Der Sicherheitsmann überreicht mir, mit israelischem Visum, meinen Pass. Ich darf gehen.

Meine Reise nach Jerusalem

Auf geht es ins nächste Abenteuer. Mit einem sogenannten Sherut (Sammeltaxi) muss ich von Tel Aviv nach Jerusalem fahren. Die Taxis sind so ähnlich wie die Dolmuş in Istanbul, wenn ihr die kennt. Fahren erst los, wenn sie voll sind. Preise sind sehr günstig und hier fahren sie dich sogar bis vor die Haustür. Wow, warum gibt es sowas nicht in Berlin?

Auf geht es nach Jerusalem. Das Auto knarzt, ruckelt – die Straßen sind frei, so spät in der Nacht. Die ersten Leute werden abgesetzt. Irgendwann überqueren wir scheinbar eine unsichtbare Grenze, denn plötzlich sind alle Schilder und Werbeplakate auf Arabisch geschrieben. Wir sind wohl im arabischen Teil gelandet. Als der nächste Tourist endlich aussteigt, geht es mit ordentlichem Speed zurück. Der Fahrer will wohl bloß weg aus diesem Teil des Landes.

In den Libanon? Nicht für Israelis

Endlich ankommen in meiner Unterkunft. Meine Gastgeber Tahel und Tom empfangen mich herzlich. Direkt kommen wir ins Gespräch. Ich erzähle, dass mein Vater aus dem Libanon kommt. Beide seufzen – so gerne wollen sie mal nach Beirut. Wegen der Musik, der Kunst und den vielen Partys. Ich sage: "Dann fliegt doch über Jordanien?" Bis mir plötzlich klar wird: Sie dürfen ja gar nicht dorthin – weil sie Israelis sind.

Heftig, ich als Halblibanesin darf zumindest nach Israel. Aber den Israelis wird die Einreise verboten, wie auch im Iran und noch anderen Ländern.

In zwei Welten: Israel und Palästina

Israelischer Soldat und Araber vor Felsendom.

Wenn Jerusalem in den Nachrichten auftaucht, geht es nicht selten um den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Aline ist gespannt auf ihre Arbeit bei Reuters. – © picture-alliance / epa

Nach Israel und Palästina – da geht's hin. Genauer gesagt nach Jerusalem. In knapp einer Woche.

Für mich momentan noch unvorstellbar. Immerhin gehörte diese Gegend nie unbedingt zu meinen Wunschreisezielen. Schon aufgrund der ständig angespannten und chaotischen Lage. Doch jetzt habe ich die Möglichkeit, bei der weltgrößten Nachrichtenagentur Reuters ein einmonatiges Praktikum zu machen. Und inzwischen freue ich mich auf dieses spannende Land, seine Menschen und die jahrtausendealte Geschichte.

Drehen, schneiden, texten, vertonen

Kennt ihr denn Reuters? Achtet mal in Print- und Onlineartikeln oder Fernsehbeiträgen auf die Quellenangaben. Oft steht dort Reuters. In fast allen Ländern der Welt sind Mitarbeiter der Agentur und schicken die neuesten Infos aus dem jeweiligen Land an die Sender. Das heißt zum Beispiel, wenn in Jerusalem ein Bombenanschlag passiert, ist direkt ein Kamerateam vor Ort. Es filmt die Lage, interviewt Augenzeugen und versucht, Informationen über das weitere Vorgehen zu sammeln – das Material muss dann ganz schnell an die Rundfunkanstalten verschickt werden. In einem Fernsehsender wird der Film zu einem Beitrag geschnitten, getextet, vertont und dann in den Nachrichten gesendet. Bei Beiträgen, die print und online veröffentlicht werden, wird direkt getextet, die Bilder überarbeitet und anschließend veröffentlicht. Aber wie schnell wir das Material übergeben müssen und was es noch zu beachten gibt, werde ich hoffentlich in Jerusalem von den Kollegen erfahren.

Ein Monat vor Ort

Über die Funktionen einer solchen Nachrichtenagentur werde ich euch dann ab nächster Woche in meinem Blog direkt aus Jerusalem einen ganzen Monat lang berichten.

Außerdem werde ich euch mit Fotos und Videos Land und Leute zeigen. Wenn ihr Tipps und Anregungen habt – schreibt es gerne in die Kommentare!

Liebe Grüße,
Aline

Kommentare

 

Kevinhow schrieb am 10.03.2019 20:03

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Die Autorin

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Aline Abboud (28)
volontiert bei der Internetredaktion und dem Parlamentsfernsehen des Deutschen Bundestages